Die Kirche des hl. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Schluss)
Der abschließende Teil der Abhandlung über die Malerfamilie Puellacher widmet sich dem Schaffen von Josef Anton Puellacher. Im Mittelpunkt stehen seine umfassenden Fresken in der St.-Valentins-Kirche in Mais sowie weitere kirchliche Ausmalungen in Tirol.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Kirche des hl. Valentins zu Mais, und die Puellacher. 4/4
(Beschluß.)
Günstigere Aussichten eröffneten sich ihm nach der Wiederkehr des ersehnten Friedens. Er wurde in Innsbruck für viele Arbeiten gesucht, und 1815 als k. k. Hof- und Theatermahler angestellt. Doch des Stadtgeräusches müde, zog er sich 1821 wieder auf das Land zurück, kaufte sich an in seinem Vaterorte, und schlug da seinen bleibenden Wohnsitz auf.
Noch von Innsbruck aus mahlte er die Kirche zum hl. Peter in Ellbögen; 1821 in Hattingen, zur Pfarre Flaurling gehörig; 1822 die ganz neue große Kirche mit den Altarblättern in der Leutasch, einer Kuratie der Pfarre Telfs; 1823 die Kirche in Sellrain, einer Lokal-Kaplanei in der Pfarre Axams; 1824 die Kuratiekirche zu Langetsthei im Thale Patznaun, und die Kuratiekirche zu Volders, der Pfarre Kolfass u. s. w. Alle diese Stücke bearbeitete er, wie es die niederen Akkorde forderten, nur kühn und flüchtig, ohne vieles Vorstudium.
Beim hl. Valentin in Mais war ihm daran gelegen, sich Ehre zu machen, und zu zeigen, wie weit er, verglichen mit seinem Vater, in der Kunst vorgerückt sey. Für den 42 Schuh langen, in der Fläche 16, in den Ausbügen 18½ Schuh breiten Platfond, und für ein halbkreisförmiges Feld ob dem Frontbogen am Eingange in´s Presbyterium, 22 Schuh breit und 12 Schuh hoch, hatte er im Winter zu Hause sehr gelungene Skizzen entworfen. Im Hauptplafond bittet der hl. Valentin in der Glorie vor den drei göttlichen Personen und der etwas tiefer gegenüber stehenden seligsten Jungfrau knieend für die unten im Vordergrunde vorgestellten verschiedenen Kranken und um Hülfe Flehenden. Im Hintergrunde sieht man in weiter Ferne das Kirchlein, und ob demselben einige im Gebirge weidende Stücke Vieh. Ein sich aus der Höhe herablassender Genius schüttet das Füllhorn des Segens über die breite Thalgegend aus. Schön ist der, das allgemeine Zutrauen gegen diesen Heiligen, und in den mannigfaltigen Trachten der Personen auch das Alter seiner Verehrung aussprechende Gedanke ausgeführt. Einige Figuren, besonders ein im heftigsten Anfalle der Epilepsie da Liegender, und ein rückwärts gekehrter sitzender Lahmer mit einer Krücke scheinen wirklich sowohl in Richtigkeit der Zeichnung, als in Lebhaftigkeit der Farben und Feinheit des Pinsels, der Meisterhand eines Schöpfs oder Knoller würdig zu seyn. Den Gegenstand des Feldes ob den Frontbogen beschreibt die darunter angebrachte Aufschrift: VALENTIN, DER ALTE RHAETIER-APOSTEL, AVS PASSAV VERTRIEBEN, PREDIGTE SEGENREICH IN DEN ALPEN. Unter den drei kleinen, 4 Schuh hohen, 3 Schuh breiten Wandstücken lieset man: a. Venantius Fortunatus pilgert zum Grabe des hl. Valentins. b. Korbinian wird an der Seite Valentins begraben. c. Aribo durch die Fürbitte der Heiligen Valentin und Korbinian gerettet. - Diese ganze Arbeit begann Puellacher nach der Mitte des Aprils, und endete sie in der Mitte des Julius. Den Ueberrest des Sommers gedenkt er zur Ausmahlung des neu erbauten Kirchleins zu Telfes jenseits des Jaufens, der Pfarre Sterzing, zu verwenden.
Von seinen größern Oelgemälden, glaubt er, dürfe den hl. Sebastian in Silz, die Taufe Christi in Pfitsch und die hl. Magdalena in der Leutasch jeder Kenner sehen.
Genug: Puellacher zeigte, was er leisten könnte, wenn er nicht eilen müßte, um seine und der Seinigen Bedürfnisse zu decken. Dabei gebührt ihm die Ehre, das Verdienst und der Dank, daß er schon manches vaterländische Gotteshaus, welches sonst nackt und kalt geblieben wäre, um einen sehr leidentlichen, aufbringlichen Preis so bekleidet hat, daß, wenn darin dem streng prüfenden Kenner auch Manches zu wünschen übrig bleiben mag, es doch immer zur Erbauung und zur Erweckung religiöser Gefühle in den Herzen derjenigen dient, die sich darin versammeln.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter
Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)
Der dritte Teil der biografischen Abhandlung schildert das weitere Schaffen des Malers Puellacher und den künstlerischen Werdegang seines Sohnes Leopold über Stationen in Linz, Wien, Ungarn und Siebenbürgen. Aufgrund der Napoleonischen Kriege kehrt Leopold Puellacher 1804 nach Tirol zurück. Eine Fußnote widmet sich dem in Meran tätigen Maler Anton Klapeer aus Nauders.
- Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter
Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)
Zweiter Teil der historischen Abhandlung über die Kirche St. Valentin in Mais und die Malerfamilie Puellacher. Nach einem Abriss der Baugeschichte von den Reliquientranslationen des 8. Jahrhunderts über die Umbauten des 15. und 17. Jahrhunderts bis zur Restaurierung 1826 beginnt die biographische Darstellung von Joseph Anton Puellacher.
- Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter
Zur Geschichte der Kirche des hl. Valentin in Mais
Erster Teil einer kirchengeschichtlichen Abhandlung über den heiligen Valentin von Rätien und die Kirche St. Valentin in Mais. Behandelt werden die historischen Schriftquellen, Valentins Wirken und Tod in Mais um das Jahr 470 sowie der spätere Aufenthalt und die Beisetzung des heiligen Korbinian.
1826 im Überblick
Das Jahr 1826 war in Meran und Umgebung von administrativen Neuerungen, regionaler Geschichtsforschung und technischem Fortschritt geprägt. Während soziale Initiativen und die Vergabe handwerklicher Ämter das lokale Leben gestalteten, spiegelten Innovationen wie eine patentierte Flachsspinnmaschine den wirtschaftlichen Geist wider. Zugleich vertieften historische und kunsthistorische Abhandlungen die Auseinandersetzung mit der regionalen Identität. →
Zitieren & Teilen
"Die Kirche des hl. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Schluss)." Der Bote für Tirol, 23. Oktober 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/23.10.1826/150296/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-10-23-die-kirche-des-hl-valentins-zu-mais-und-die-puellacher-schluss