Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)
Zweiter Teil der historischen Abhandlung über die Kirche St. Valentin in Mais und die Malerfamilie Puellacher. Nach einem Abriss der Baugeschichte von den Reliquientranslationen des 8. Jahrhunderts über die Umbauten des 15. und 17. Jahrhunderts bis zur Restaurierung 1826 beginnt die biographische Darstellung von Joseph Anton Puellacher.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher. 2/4
(Fortsetzung.)
Wenigstens so lange die heiligen Bekenner und Bischöfe Valentin und Korbinian in Mais beisammen ruhten, wurde bei ihren Gräbern feierlicher, auch nächtlicher Gottesdienst gehalten. Da Aribo, der dritte Nachfolger und Biograph Korbininians, vermuthlich ein geborener Maiser, noch als Knabe zu einem derselben eilte, gleitete er über einen steilen Felsen der unten vorbei strömenden Passer zu. Er verdankte seine Rettung der Fürbitte der beiden Heiligen.
Um das Jahr 739 nahmen die von Mais abziehenden Longobarden die irdischen Reste Valentins aus Verehrung mit sich nach Trient.
Da Thassilo, Herzog von Bojoarien, der letzte Agilolfingischen Stammes, 769 aus Italien heimkehrte, hielt er zu Botzen einen Landtag und Kirchenrath. 1) In diesem wurde die Uebersetzung der h. Gebeine Valentins von Trient nach Passau beschlossen und kurz darauf vollzogen.
Im folgenden Jahre versammelte Aribo in seinem Bischofssitze zu Freising eine Synode, 2) und machte Anstalt zur Uebertragung der Hülle seines Vorfahrers von Mais nach Freising, die auch erfolgte.
Hier versiegen die in dem Eingange angeführten Quellen.
Seit dem Jahre 770 bis 1452 wurde bisher keine Urkunde aufgefunden, die uns irgend etwas von der Kirche des h. Valentins aufbewahrte.
In dem letztgesagten Jahre am 7. November konsekrirte Albertinus aus dem Orden der mindern Brüder, Weihbischof und Generalvikar des Bischofs von Trient, Georg II. Hack, in dieser Kirche einen Altar zur Ehre dieses Heiligen. Unter den Tagen, für welche in dem Einweihungsbriefe 3) Ablässe verliehen werden, ist der erste das Kirchweihfest derselben, 4) nämlich am Tage nach der Epiphanie. 5)
Dreißig Jahre später wurde in eben dieser Kirche durch die Verwendung des Pfarrers Sigmund Heller und des damaligen Kirchprobstes Ulrich Steger unter andern ein neuer Chor (wahrscheinlich eine Emporkirche) erbaut, und an der Stiftung eines sogenannten ewigen Lichtes, und einer Wochenmesse gearbeitet. Dieses zu Stande zu bringen, schickten die Obgenannten einen Bothen mit einem offenen Sammelbriefe herum. 6)
Im Jahre 1618 nahm Ehrenreich von Trautmannsdorf, Herr von dem nächstgelegenen, nun größtentheils abgetragenen Schlosse Neuberg, eine neue Baute, und zwar, wie es scheint, auf eigene Kosten vor. 7) Glaublich bekam sie damals statt des hölzernen Oberbodens ein gemauertes Gewölbe. Die Schwäche der nicht für dieses, sondern nur für jenen berechneten Seitenmauern mag die Ursache mehrerer Sprünge an dem Gewölbe gewesen seyn. Schon vorlängst suchte man ihrer Verbreitung durch angebrachte hölzerne Schleudern oder Querbalken vorzubeugen.
Im Jahre 1824 wurde gähling das Weichen der südlichen Hauptmauer, die sich erweiternden Spalten und ein theilweises Sinken des Gewölbes auffallend. Wegen anerkannter Gefahr des Einsturzes mußte noch im nämlichen Herbste ein Strebgerüst aufgestellt werden.
Im verflossenen Jahre kam die Erneuerung dieser auch wegen so vielen Rückerinnerungen an die graue Vorzeit ehrwürdigen Kirche 8) nach dem von der hohen Stelle genehmigten Bauplane zu Stande. Vollendet wurde sie in dem vergangenen Sommer 1826 durch den Pinsel des Herrn Leopold Puellacher.
II.
Ob der Name Puellacher in einem künftigen vaterländischen Künstler-Lexikon nicht auch einen Platz verdiene, mögen folgende Angaben entscheiden:
Joseph Anton und Leopold Puellacher, Vater und Sohn, waren in dem Vaterorte der großen Meister Anton Zoller, Joseph Schöpf, Urban Klieber 9) und Franz Gaßler, 10) zu Telfs, geboren.
Joseph Anton, der Sohn des Bauersmannes Joseph Puellacher und seiner Gattin Sabina Kirchmair, kam 1728 zur Welt.
Den ersten Unterricht im Zeichnen und Mahlen erhielt er im Auslande, zu Reichenhall, von einem wälschen, oder doch in einer italienischen Schule gebildeten Meister, der den jungen Puellacher allen seinen übrigen Schülern vorzog.
Nach vollendeter Lehrzeit suchte und fand er in Salzburg Arbeit als Gehülfe bei Herrn Streicher. Eben damals mußte der Fürst-Erzbischof sein Kontingent zur deutschen Reichsarmee stellen. Es wurden Rekruten ausgehoben. Auch Puellacher hätte unter das Gewehr treten sollen. Er fand hiebei kein Behagen, noch weniger hielt er sich als Ausländer dazu für verbunden, und entwich mit Hülfe guter Freunde.
Heimgekehrt, ließ er sich in seinem Geburtsorte nieder. Er fand da Gelegenheit zur Arbeit und zum Brodverdienen, besonders in der nur zwei Stunden von Telfs entfernten Abtei Stams und in dem damals noch bestandenen Augustinerkloster zu Seefeld. In Stams sieht man noch von ihm gemahlt eine Reihe Gastzimmer, und unter anderem die Kapelle nebst einigen Wandgemälden im Gange des Krankenhauses. Bei dieser letztgesagten Arbeit diente ihm der eben von Innsbruck aus der Lehre gekommene Schöpf als Gehülfe, und fand da sein Emporkommen, da er in dem kleinen Plafond und in dem in Oel gemahlten Altarblättchen (den sterbenden h. Bernhard vorstellend) die ersten Beweise seiner großen Anlagen darlegte. Der damalige Prälat, Abt Vigilius Kranicher, wünschte nämlich, dem hoffnungsvollen Jungen zu seiner höheren Ausbildung Gelegenheit verschaffen zu können. Sie ergab sich bald.
1) Winter l. c. S. 138.
2) Der Nämliche S. 130 — 135.
3) Eine Abschrift desselben erhielt uns der ehrwürdige P. Kassian Primisser in seinen Annal. Stams. Add. 129 ad Cap. XXIX.
4) Mithin war diese Kirche 1452 unstreitig schon alt, da in derselben ein neuer Altar gebaut, und das Kirchweihfest gefeiert wurde.
5) Dieß war der Sterbetag des h. Valentins, nach dem Zeugnisse des beinahe gleichzeitigen Eugippius. Winter l. c. S. 159. Muchar l. c. S. 142. — Der einzige Nebenaltar in dieser Kirche trägt das Bild und den Namen des Heiligen, zu dessen Ehre sie ursprünglich Valentin eingeweiht hatte, des ersten h. Blutzeugen Stephanus
6) Annal. Stams. Add. 19 ad Cap. XXX. — Ein gleicher Sammelbrief vom Pfarrer Johann Gwin, dem letzten aus dem Säkular-Klerus, und vom nämlichen Kirchprobste Ulrich Steger gefertigt am h. Christtag 1492, liegt im Maiser Widum in der Urschrift vor.
7) Annal. Stams. Cap. XI., §. 11.
8) Wie viele Veränderungen das einst vom h. Valentin erbaute Kirchlein seit mehr dann 1300 Jahren erlitten haben möge, kann man sich denken. Daß es aber an diesem Platze, oder gewiß nicht ferne davon gestanden habe, läßt sich bei so vielen ineinandergreifenden Zeugnissen doch hart bezweifeln.
9) Klieber starb als k. k. Hofbildhauer in Innsbruck. Er wurde von Schöpf nicht so fast als Landsmann und Jugendfreund, wie als Künstler sehr geschätzt.
10) Gaßler studirte gleichzeitig mit Zauner und Schöpf in Rom, ließ sich dann als Statuar in Linz nieder, übersiedelte endlich von dort nach Wien. Sein gebildetes Kunsttalent zeigte er vorzüglich in einem kleinen von ihm verfertigten Monumente für den Prälaten von St. Florian, noch um so mehr in dem großen für den letztverstorbenen König von Polen.
(Fortsetzung folgt.)
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"Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)." Der Bote für Tirol, 16. Oktober 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/16.10.1826/150294/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-10-16-die-kirche-des-h-valentins-zu-mais-und-die-puellacher-fortsetzung