Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)
Der dritte Teil der biografischen Abhandlung schildert das weitere Schaffen des Malers Puellacher und den künstlerischen Werdegang seines Sohnes Leopold über Stationen in Linz, Wien, Ungarn und Siebenbürgen. Aufgrund der Napoleonischen Kriege kehrt Leopold Puellacher 1804 nach Tirol zurück. Eine Fußnote widmet sich dem in Meran tätigen Maler Anton Klapeer aus Nauders.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher. 3/4
(Fortsetzung.)
Dem damals blühenden Knoller gefiel Puellachers unternehmender Geist und Fertigkeit. Er erbot sich, ihn zu sich zu nehmen. Doch dieser hatte sich schon die Kriselde Baumgartner zur Frau genommen. Gern gönnte er dieß große Glück seinem so ausgezeichnet fähigen Gehülfen. Durch die wirksame Verwendung des Herrn Prälaten 1) wurde sein Wunsch erfüllt.
Puellacher setzte indessen seine Geschäftigkeit fort, und wagte sich nach und nach auch an größere Arbeiten. Im Jahre 1780 mahlte er die Mitpfarrkirche zu U. L. F. Maria Trost in Mais, die dem gemeinen Volke noch immer ungemein gefällt. Auch die Fresko-Gemählde zu Sölden, Lengenfeld und Grieß im Oezthale sind seine Werke, so wie es auch die Mahlereien in der 1805 abgebrannten Kirche in der Scharnitz waren. Hatte er im Vaterlande keine größeren Arbeiten, so begab er sich während des Sommers in die Schweiz. Dort sieht man von ihm gemahlt den ehemaligen sogenannten Fürsten-Saal im Stiftsgebäude zu St. Gallen, und unter andern die Kirchen in Hefteswil und Niederglatt, nebst fünf Altarblättern.
Ueberhaupt verband er in seinen Arbeiten mit einer seltenen Leichtigkeit und Schnelligkeit ein sehr gefälliges Kolorit, und war ungemein erfinderisch. Sicher würde er ein großer Mann geworden seyn, wenn er früher mehr Gelegenheit und Anleitung zur vollen Ausbildung seines Genie´s gefunden hätte, und nicht durch die zunehmenden Nahrungssorgen an dem tieferen Studium, besonders die Zeichnung betreffend, gehindert worden wäre.
Noch in seinem hohen Alter unterhielt er sich mit fortgesetzter Arbeit. Er kopirte, porträtirte, nahm Gegenden auf u. s. w. Er zählte 74 Jahre, da er 1802 in seiner Heimat starb.
Von seinen Kindern wollte er anfangs seinen ältesten Sohn Lorenz zur Mahlerei verwenden. Da dieser aber keine Freude zeigte, mußte der jüngere Leopold, geboren den 3. November 1776, herhalten. Nach einigen Anleitungen und Vorübungen zu Hause nahm ihn der Vater, noch als Knaben, mit sich in die Schweiz. Im Jahre 1789, dem vierzehnten seines Alters, schickte er ihn zur vollständigen Ausbildung nach Linz.
Der Statuar Gaßler war eben auf einen Besuch von Linz nach Telfs gekommen. Dieser nahm ihn mit sich dahin. Ein Dukaten nebst einem väterlichen Zuspruche und dem Segen war die ganze Abfertigung, womit ihn der Vater entließ. Kummer und Noth, womit er anfangs zu kämpfen hatte, spornten seinen Fleiß und seine Aufmerksamkeit an. Er war dem braven Mahler Hitzenthaler empfohlen. Schon im ersten Jahre brachte er´s dahin, daß ihm für sein Auskommen nicht mehr bange seyn durfte. Trefflich kam ihm die gut bestellte Zeichenschule, und zufällig eine von dem geschickten Zeichnungslehrer Bestian und dem Priester Titto, 2) einem großen Kunstkenner und Zeichner, errichtete Privat-Akademie zu statten. Unter seinen Mitschülern waren mehrere junge Bildner, von Mahlern nur ein einziger, sein Landsmann Klapeer. 3)Puellacher zeichnete sich da so rühmlich aus, daß ihm bei dem Tode seines zweiten Meisters, Johann Georg Kapellers, eines geborenen Imsters, ungesucht, und ungeachtet seiner Jugend, vom Stadtmagistrate zu Linz die Aufnahme, und sogar die Hand der hinterlassenen Tochter seines Herrn angeboten wurde. Eine lange anhaltende tödtliche Krankheit vereitelte diese Plane. Wiedergekehrt in das Leben, faßte er den festen Entschluß, koste es, was es wolle, einzudringen in das innere Heiligthum der Kunst. Er war auf dem Wege dazu bereits so weit vorgeschritten, daß er aus voller Ueberzeugung oft bei sich selbst dachte und sprach: „Du kannst noch nichts!“ Darum eilte er unaufhaltsam der Kaiserstadt zu.
In Wien fand er, obschon ganz fremd, eine sehr erwünschte Aufnahme bei dem Landschaftsmahler Gaßner, der auch ein geborener Tiroler, von Fügen im Zillerthale, war. Von ihm wurde er zur Staffirung seiner Landschaften verwendet. Bald erwarb er sich durch seine Geschicklichkeit und gutes Benehmen noch mehrere Gönner und hinreichende Unterstützung. Besonders war ihm der k. k. Hofdekorateur Platzer gewogen. Dieser verwendete ihn zum Theaterfach, und schickte ihn 1800 nach Großkaroli in Niederungarn zum Grafen gleichen Namens, dem er ein ganz neues Theater einzurichten und zu mahlen hatte. Von da begab er sich nach Siebenbürgen zum Fürsten Wesselini, in dessen Schlosse unweit Hermannstadt er einen großen Saal und eine Kapelle auf Fresko mahlte. Ermuntert durch die reichliche Belohnung seiner bisherigen Verwendung, kehrte er 1802 zurück nach Wien zur Fortsetzung seiner Studien.
Dießmal gewann er dem Direktor der k. k. Akademie, Fieger, durch seinen Unternehmungsgeist und durch seine Gewandtheit ein besonderes Zutrauen ab. Noch jetzt spricht Puellacher diesen ihm werthen Namen mit Ehrfurcht und Dankbarkeit aus, weil er unter dessen Leitung vieles erlernt hatte. Der k. k. Hofmahler Galling benützte ihn unter andern bei der neuen Herrichtung des k. k. Lustschlosses Laxenburg zur Kopirung der Kaiserporträte von Oel auf Fresko u. s. w. Indessen bedrohte die Feindesgefahr selbst die Hauptstadt der Monarchie. Auch Puellacher ließ sich unter die Wiener Freiwilligen bei dem k. k. akademischen Korps einreihen. Aber nun war er an dem seinen Wanderungen gesetzten Ziele. Unter dem Geklirre der Waffen schweigen die Musen. Geschlossen waren die Hörsäle und Bildergalerien, die Kunstsammlungen größtentheils eingepackt und in Sicherheit gebracht. Puellachers Streben nach Erweiterung seiner Kenntnisse wurde in Wien nicht mehr gesättigt. Dieß bestimmte ihn zur Rückkehr in sein Vaterland.
Nach einer 24-jährigen Abwesenheit kam er 1804 wieder in seine Heimat, nach Telfs, nicht in der Absicht, da zu verbleiben, sondern, um sich von da nach Rom zu begeben. Allein die damalige Kriegsepoche sperrte ihm, wo nicht den Weg dahin, doch die Aussicht, dort etwas profitiren zu können. Er mußte also einstweilen hier verbleiben, und, da es größere Arbeiten keine gab, sich mit kleineren begnügen.
Im Jahre 1805 verehelichte er sich mit Kreszenz Gufler, und nach ihrem Heimgang 1815 das zweite Mal mit Maria Weißenbach, einer Schwester des gleichfalls in Telfs geborenen, unlängst in Salzburg verstorbenen Doktors und Professors Weißenbach.
1) Schöpf zeigte sich gegen Stams dafür, und für manche fernere Unterstützung immer wahrhaft dankbar, besonders durch sein bekanntes kostbares Vermächtniß.
2) Titto war ein Niederländer, der sich mit einer Kunstsammlung aus seinem Vaterlande geflüchtet hatte, und damals in Linz aufhielt.
3) Anton Klapeer, von Nauders gebürtig, ließ sich um das Jahr 1800 in Meran nieder. Er befaßte sich mit allen Zweigen der Mahlerei, auch mit Faß- und Schneidarbeit, war äußerst behend, brav in der Architektur, und sehr glücklich im Kopiren. Seine gelungensten Arbeiten dürften seyn ein Altarblatt, die Auferstehung Christi, nach Knoller, in Oel, in der Pfarrkirche des h. Vigilius zu Mais, und ein Plafond in der Vorhalle der U. L. F. Kirche daselbst auf Fresko, sein letztes, und, so viel uns bekannt ist, auch sein erstes größeres Werk dieser Art. Kaum hatte er dasselbe, sich schon übel befindend, vollendet, als er eilte, sich durch frische Luft und Wasser zu erholen. Er fand aber, was er nicht suchte, sein Grab, in Prutz 1824. Durch seine rastlose Thätigkeit und äußerste Sparsamkeit brachte er ein nicht unbedeutendes Vermögen zusammen, wofür ihm seine in Meran zurückgelassene Frau und Kinder danken.
(Beschluß folgt.)
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Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)
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"Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher (Fortsetzung)." Der Bote für Tirol, 19. Oktober 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/19.10.1826/150295/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-10-19-die-kirche-des-h-valentins-zu-mais-und-die-puellacher-fortsetzung