Zur Geschichte der Kirche des hl. Valentin in Mais
Erster Teil einer kirchengeschichtlichen Abhandlung über den heiligen Valentin von Rätien und die Kirche St. Valentin in Mais. Behandelt werden die historischen Schriftquellen, Valentins Wirken und Tod in Mais um das Jahr 470 sowie der spätere Aufenthalt und die Beisetzung des heiligen Korbinian.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Kirche des h. Valentins zu Mais, und die Puellacher. 1/4
I.
Alles, was der verdiente Geschichtforscher Anton Roschmann, und der Vater der vaterländischen Kirchengeschichte, Resch, späterhin auch der thätige P. Roger Schranzhofer, vom Leben und von dem Begräbnisse des h. Valentins durch den Druck bekannt gemacht haben, finden wir wie in einem Auszuge beisammen, und kritisch bearbeitet bei dem wegen seiner äußerst strengen Kritik bekannten Herrn Professor in Landshut, Winter, in seinen Vorarbeiten zur Beleuchtung der baierisch-österreichischen Kirchengeschichte in der Agilolfingischen Periode, II. Band, München 1809, S. 259—281. 1) Die Quellen dieser Geschichte sind: a) Die Biographie Severins von Eugippius aus dem fünften Jahrhundert; b) das Gedicht des Venantius Fortunatus aus dem sechsten, c) die Biographie des h. Korbinians von Aribo aus dem achten Jahrhundert; d) die bleierne Rolle, welche glaublich schon im fünften Jahrhundert den Gebeinen Valentins beigeschlossen, bei der Erhebung derselben im zwölften Jahrhundert gefunden, und deren Inhalt von dem gleichzeitigen Ungenannten von Passau aufgezeichnet wurde. Aus diesen geht hervor:
Der h. Abt und Bischof von beiden Rhäzien, Valentin, einer unserer ersten Landes-Apostel, 2) begann seine apostolische Laufbahn zu Passau. Die Lehre vom dreieinigen Gott, die er verkündete, fand bei den Resten der Heiden und bei den arianischen Christen keinen Eingang. Zweimal pilgerte der eifrige Glaubensprediger nach Rom, um dort die ordentliche Sendung und den Segen zu erhalten, und dann mit mehr Kraft von Oben wirken zu können. Das zweite Mal weihte ihn Papst Leo der Große (zwischen 440 und 461) zum Bischofe, mit dem Auftrage: „Noch einmal soll er es in Passau versuchen, dann möge er sich zu einem für die Lehre vom Kreuze empfänglicheren Volke wenden.“ Diesmal verstießen ihn die Passauer gar aus ihren Mauern. Nun durchwanderte er die rhäzischen Alpen. Da brachte der von ihm ausgestreute evangelische Saame hundertfache Frucht. Die noch in den Schlupfwinkeln verborgenen Götterbilder wurden vollends zertrümmert, das Zeichen des einzigen wahren Heiles durch Jesus, das h. Kreuz, allenthalben aufgerichtet. Seine letzten Tage verlebte Valentin zu Mais, wo er am Tage nach der Erscheinung des Herrn entschlief, um das Jahr 470, im Beiseyn seines Schülers, des Priesters und nachhinigen Abtes Luzillus. Seine Hülle fand in dem von ihm erbauten, dem h. Stephanus geweihten Kirchlein zu Mais ihre Ruhestätte.
Schon berühmt war diese um die Mitte des sechsten Jahrhunderts, da sie Venantius Fortunatus, ein geborener Italiener, späterhin Bischof zu Poitiers in Frankreich, besuchte.
Im Jahre 723 kam der französische Bischof Korbinian, der in der Folge der erste Bischof von Freising wurde, auf seinem Rückwege von Rom nach Mais. Auf Befehl des bojoarischen Herzogs Grimoald wurde er hier angehalten, bis er sich entschloß, in sein Hoflager auf Freising zu kommen. Mit großer Andacht weilte er indessen am Grabe Valentins. Dieses und die schöne Lage von Mais und seiner damals noch einsamen und zum Theil ungebauten Umgebungen nahmen Korbinian ganz ein. Er kaufte sich in dem benachbarten Kamina (Kuens oder Kains) zwischen den Bächen Timone (Vallmaunbach) und Finale (Finelebach) Grundstücke, bearbeitete sie, und baute sich dabei ein Kirchlein und eine Wohnung. 3) Öfter kam er aus Freising hieher. Gemäß seinem letzten Willen wurde auch sein Leichnam, doch erst dreißig Tage nach seinem am 8. September 730 zu Freising erfolgten Hintritte, hieher gebracht, und an dem Grabe des h. Valentins beigesetzt.
1) Man sehe auch Muchar, das römische Norikum, 2. Th. Grätz 1826, S. 142—147.
2) Das Andenken dieses Heiligen wird in den Diözesen Passau, Freising und Wien am 7. Jänner mit Brevier und Messe gefeiert. Im Proprium von Chur vom Jahre 1646 ist es auf den 23. Jänner, im neueren vom Jahre 1773 auf den 12. Hornung versetzt. In den Kirchsprengeln von Trient und Brixen wurde sein Fest bisher nur in einzelnen, diesem Heiligen geweihten Kirchen begangen. Im römischen Martirerbuche und bei Goldhagen (Lebensgeschichten der Heiligen) lieset man seinen Namen — unbekannt warum an diesem Tage — am 29. Oktober.
3) Das Patronatsrecht der Pfarre Kuens mit einem Urbarium gehörte ursprünglich dem Hochstifte Freising. Dieses überließ es später dem Kollegiatstifte St. Andrä alldort. Bei dem blieb es bis zur Säkularisation im Jahre 1803.
(Fortsetzung folgt.)
1826 im Überblick
Das Jahr 1826 war in Meran und Umgebung von administrativen Neuerungen, sozialem Engagement und handwerklichen Ausschreibungen geprägt. Während neue Bräuche wie Spendenkarten die Armenfürsorge unterstützten, förderten technische Erfindungen wie eine neuartige Flachsspinnmaschine den regionalen Fortschritt. Zudem dokumentieren historische Rückblicke und demografische Übersichten die kontinuierliche Erfassung der lokalen Geschichte und Bevölkerung. →
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"Zur Geschichte der Kirche des hl. Valentin in Mais." Der Bote für Tirol, 12. Oktober 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/12.10.1826/150293/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-10-12-zur-geschichte-der-kirche-des-hl-valentin-in-mais