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Nekrolog auf Pfarrer Franz Pöder von Algund (Teil 1)

Zusammenfassung

Erster Teil eines ausführlichen Nachrufs auf Franz Pöder, Pfarrer zu Algund und Schuldistrikts-Inspektor für das Burggrafenamt und den Vinschgau. Der Text beleuchtet seine Jugend, theologische Ausbildung sowie sein wegweisendes pädagogisches Wirken in Tscherms und im Tiroler Volksschulwesen.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 1/3

O beate Sexti!

Vitae summa brevis spem nos vetat inchoare longam.

Hor. Ode 4. L. I.

Am letzten Mai d. J. starb der hochwürdige Herr Franz Pöder, Pfarrer zu Algund, im Landgerichte Meran. Seine 77jährige Mutter drückte ihm die Augen zu. Den Vater Franz Pöder, Besitzer des sogenannten Gratschenhofes (richtiger Koratschhofes) in Tscherms, Landgerichts Lana, hatte er durch allzu frühen Tod schon im Jahre 1786 verloren, da er (geboren am 4. Dez. 1779) erst 7 Jahre zählte. Er verdankte mit seinen acht Geschwistern, wovon noch drei Schwestern — die älteste als Wittwe, die beiden jüngeren in glücklicher Ehe leben, seine gute Erziehung einzig den rastlosen Bemühungen seiner, durch eine seltene Geistesstärke, wie durch Körperkraft, ausgezeichneten Mutter Rosina Werner, Stegertochter von Vöran. Sein schwächlicher Körperbau mochte die verständige Mutter bestimmt haben, ihren einzigen Sohn, statt zur schweren Arbeit des Landmannes, und zum Besitze des Koratschhofes ihn vorzubereiten, dem wissenschaftlichen Berufe zu weihen. Pöder empfieng den ersten Unterricht in der lateinischen Sprache vom Herrn Lorenz Lösch, damaligen Cooperator an der Pfarre Tisens, und vollendete (1798) mit gutem Erfolge die untern Schulen im Gymnasium zu Meran, — unter dem würdigen Präfekten P. Benedikt Langes, von dem man bis jetzt einen Nekrolog in diesen Blättern sehr ungerne vermißt.

Ausgezeichnet war sein Fortgang beinahe in allen Fächern des philosophischen und theologischen Studiums, dem er sich an der Universität zu Innsbruck gewidmet, und wovon er die Philosophie im Jahre 1800 und die Theologie 1803 vollendet hat.

Noch in diesem Jahre (den 28. Okt.) ward er von dem hochwürdigsten Fürstbischof in Brixen zum Priester geweiht, und hierauf von seinem Taufpaten, dem hochwürdigen Herrn Peter Kofler, Dechant zu Tisens, als Supernumerar angestellt.

Im folgenden Jahre starb der Lokalkaplan in Tscherms, und Pöder erhielt seine Stelle. Hier fand er Zeit und Gelegenheit, ganz seiner Lieblingsbeschäftigung — dem dazumal auf dem Lande sehr vernachläßigten Unterrichte der Jugend zu leben. Schon als Student hatte er sich immer mit Lesung verschiedener Jugend- und Erziehungsschriften abgegeben und den aufmerksamen Beobachter zur Erwartung berechtiget, daß er sich einst vorzüglich als Katechet und Volkslehrer auszeichnen werde.

In kurzer Zeit war die Werktag- und Feiertagsschule in Tscherms so zweckmäßig eingerichtet, daß sie allen übrigen als Musterschule vorleuchtete, und viele Eltern bewog, ihre Kinder dahin zu schicken, obschon sie ihre eigenen Schulen zu Hause oder in der Nähe hatten. Pöder richtete sein vorzügliches Bestreben dahin, in den jungen Gemüthern durch frühzeitige Erweckung des moralischen Gefühles, und durch tiefes Einprägen der Grundsätze und Lehren unserer heiligen Religion eine herrschende Liebe zum Guten, und insbesondere zu Gott — der Urquelle alles Guten — hervorzubringen. Er wollte also dem Saamen des göttlichen Wortes vor allem ein gutes — fruchtbares Erdreich bereiten, und die Lehre Jesu mehr dem Herzen als dem Gedächtnisse anvertrauen. Aber auch für die intellektuelle Bildung der Kinder war er so eifrig besorgt, daß er öfters selbst Schule hielt, um dem Lehrer eine praktische Anleitung zu geben, wie er sein Geschäft anzugreifen habe. Er besaß ein ganz eigenes Talent, die Lernbegierde in den Kindern zu wecken und ihre Aufmerksamkeit zu fesseln. Hiezu bediente er sich der Schulprämien, die er bei Ermangelung eines Fonds aus seinem Vermögen anschaffte. Am Schlusse der Schule pflegte er mit seinen Schulkindern eine kleine theatralische Vorstellung zu geben, wobei die Rollen nur nach den in der Schule durch Fortgang, Fleiß und Sittsamkeit erworbenen Verdiensten vertheilt wurden. Durch diese Vorstellungen, an welchen er einst als Student in den Ferien den freudigsten Antheil genommen hatte, und die er nun für seine heilsamen Zwecke selbst verfaßte, sowie mit Liedern belebte, suchte er vorzüglich auf die Veredelung des Herzens bei Kindern und Erwachsenen hinzuwirken, in ihnen Liebe und Furcht Gottes zu befestigen, treue Anhänglichkeit an Fürsten und Vaterland ihnen einzuflößen, und insbesondere das Landvolk mit seinem Stande zufrieden zu machen.

Diese schönen, und selten vereinigten Züge eines wahren Jugendfreundes, der zugleich der eifrigste Seelsorger seiner Gemeinde war, konnten nicht verborgen bleiben; sie zogen bald die Aufmerksamkeit der geistlichen und weltlichen Behörden auf sich. Im Herbste 1807 ward von der damaligen königl. Baier. Regierung eine gänzliche Reform der höheren Studien zu Trient vorgenommen, und Pöder zum Professor der Kirchengeschichte und des geistlichen Rechtes ernannt. Weil er aber seine Brust für die Anstrengungen der Katheder zu schwach hielt, lehnte er diese ehrenvolle Bestimmung von sich ab und empfahl dafür seinen Jugendlehrer Priester Lösch, der auch die Kanzel erhielt.

Mit dem Anfange des Jahres 1808 erhielten die Volksschulen eine neue Gestaltung, und die Kreisämter vom General-Landeskommissariate den Auftrag, zur Besetzung der neu errichteten Schulinspektorate die tauglichsten Individuen aus dem Säkular-Klerus in Vorschlag zu bringen.

In Folge dessen wurde Pöder durch Dekret der Landesstelle vom 8. April zum provisorischen Schuldistrikts-Inspektor für die Gerichte Meran, Kastelbell und Aller-Engelsberg ernannt, und es folgte dieser Verfügung mit Reskript vom 13. Jänner 1809 die allerhöchste Bestätigung.

Nun war Pöder in seinem Elemente. Zwanzig Volksschulen gehörten seinem Distriktsinspektorate an, die er — der höchsten Instruktion (vom 15. Sept. 1808) gemäß — zweimal im Jahre besuchte, und für deren äußere Ordnung und Verbesserung des inneren Zustandes er die möglichste Sorgfalt anwandte. Sein erstes und wichtigstes Unternehmen bezweckte die Bildung geschickter und moralischer Schullehrer, sowie ein wirksames Vehikel ihrer fortwährenden Aneiferung.

Um seinen Zweck zu erreichen, bildete er in ersterer Beziehung einen pädagogischen Lehrverein, verband damit eine zweckmäßige Schulbibliothek, wovon die Bücher, um die Kosten zu erleichtern, unter den Lesern herumgiengen, und hielt an bestimmten Tagen die so nützlichen Schulkonferenzen, worin das Gelesene besprochen und die gleichförmige Anwendung des Brauchbaren beschlossen wurde.

In letzterer Hinsicht hatte er bei seinen Schulvisitationen wahrgenommen, daß jene Lehrer, die vermög ihres größeren Einkommens und einer höheren Bildung zur Erwartung berechtigten, daß die ihnen anvertrauten Schulen immer mehr aufblühen würden, gerade am wenigsten leisteten, daß hingegen die minder gebildeten und sehr karg besoldeten Lehrer durch ihren angestrengten Fleiß sehr gute Früchte des Unterrichtes hervorbrachten. Diese Erscheinung erklärte er sich ganz richtig daraus, daß sich die letztere Klasse von Schullehrern durch ihren Amtseifer für bessere Schulpfründen zu empfehlen suchte, wogegen die erstere hierin keine spornende Lockspeise mehr fand.

Daher machte er den Antrag auf jährliche Remunerationen für besonders fleißige Schullehrer, und nahm es sogar auf sich, bei jeder Ortsschule einen Fond für solche Belohnungen auszumitteln, um damit dem allgemeinen Schulfonde nicht lästig zu fallen. (Fortsetzung folgt.)

1826 im Überblick

Das Jahr 1826 war in Meran und Umgebung von administrativen Neuerungen, regionaler Geschichtsforschung und technischem Fortschritt geprägt. Während soziale Initiativen und die Vergabe handwerklicher Ämter das lokale Leben gestalteten, spiegelten Innovationen wie eine patentierte Flachsspinnmaschine den wirtschaftlichen Geist wider. Zugleich vertieften historische und kunsthistorische Abhandlungen die Auseinandersetzung mit der regionalen Identität.

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"Nekrolog auf Pfarrer Franz Pöder von Algund (Teil 1)." Der Bote für Tirol, 30. November 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/30.11.1826/150307/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-11-30-nekrolog-auf-pfarrer-franz-poeder-von-algund-teil-1