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Nekrolog auf Schulinspektor und Pfarrer Franz Xaver Pöder (Fortsetzung)

Zusammenfassung

Zweiter Teil des Nekrologs auf Pfarrer Franz Xaver Pöder: Gewürdigt werden seine pädagogischen Reformen, seine Lieder- und Theaterpublikationen sowie sein pionierhafter Einsatz im Taubstummenunterricht in Marling und Umgebung.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 2/3

(Fortsetzung.)

Zur Ermunterung und Freude der Schulkinder, wobei die Mädchen auf seine Veranlassung hin auch Unterricht im Nähen, Stricken und in anderen weiblichen Arbeiten erhielten, führte er in seinem gesamten Distrikt feierliche Prüfungen und Preisvertheilungen ein, derer Kosten er aus den Beiträgen wohlthätiger Jungendfreunde, und vielfältig auch aus seinen eigenen Mitteln bestritt.

Für ein gar vortreffliches Mittel zur Bildung des moralischen, religiösen und ästhetischen Menschen hielt er den Gesang, der aber seinen Volksschulen völlig fremd war. Daher gab er sich bei seinen Schulbesuchen alle Mühe, die Katecheten und Lehrer auf diesen schönen Zweig der Volksbildung aufmerksam zu machen, und ihnen die möglichste Beförderung desselben ans Herz zu legen.

Der beste Erfolg krönte seine eifrigen Bemühungen und klugen Anstalten. Schon durch Dekret vom 9. Dez. 1812 erhielt er von dem königl. General-Kommissariate des Innkreises die schmeichelhafte Versicherung, „daß man mit den Vorschriften, die das Schulwesen seines Distriktes im verflossenen Jahre 1811 und 1812 gemacht habe, vollkommen zufrieden, und daß den angerühmten Schulfreunden und Beförderern des Jugend-Unterrichtes die diesseitige Zufriedenheit mit ihren uneigennützigen Bemühungen zu eröffnen sey. Insbesondere habe man aus dem Finalberichte mit Wohlgefallen entnommen, daß der Distrikts-Inspektor Pöder einen pädagogischen Lehrverein gebildet, dann eine ambulirende Schulbibliothek und die Schulkonferenzen eingeführt habe.“

Im Jahre 1813 erschien zu Innsbruck, gedruckt mit Wagner´schen Schriften: Der Ring, oder die Macht der Vorsätze. Ein Schauspiel in fünf Aufzügen mit Liedern für die Schuljugend. Pöder ist dessen Verfasser. Das Büchlein empfiehlt sich nicht durch dramatische Kunst oder Neuheit des Gegenstandes, desto mehr aber durch seine moralisch-religiöse Tendenz und durch die entsprechendste Wirkung, welche es bei dem Landvolke nicht verfehlen konnte.

Ein größeres Werk von ihm ward 1816 zu Augsburg in Kommission bei Nikolaus Doll gedruckt, unter dem Titel: Der frohe singende Christ zu Hause und auf dem Felde. Ein Volksliederbuch zur häuslichen Erbauung und zur unschuldigen, nützlichen Unterhaltung; zugleich ein Hausbuch für christliche Familien, und eine Mitgabe für austretende Feiertagsschüler. Es besteht aus zwei Theilen, wovon der erste die katechetischen Wahrheiten, der zweite die Anwendung derselben und fromme Heiterkeit zum Gegenstande hat.

Die Zahl der Lieder über die Glaubens- und Sittenlehren, dann über verschiedene Gebete, beläuft sich auf 214, jene des II. Theiles über biblische und moralische Erzählungen, über Fabeln moralischen Inhaltes, über die Lieder frommer, unschuldiger Heiterkeit, und jene gemischten Inhaltes auf 244, zusammen 458. Sie wurden, wie die Vorrede lautet, wenige ausgenommen, die von dem ganz und gar nicht poetischen Verfasser sind, aus den besten Liedersammlungen entlehnt, und zunächst für seine (des Herausgebers) Schule und Gemeinde bestimmt.

Die Herausgabe der Melodien für diese Lieder unterblieb; doch suchte Pöder diesen Mangel auf andere Art zu ersetzen. Es wurden nämlich viele Liedertexte solchen Melodien angepaßt, die fast allgemein bekannt sind, und in der Singwelt das Bürgerrecht schon erhalten haben. Diese Melodien bezeichnete Pöder vermittelst Anführung der Anfangsstrophen ihrer Urtexte. Andern Liedern wies er die Melodien aus Lindners musikalischem Jugendfreunde, oder aus dem zu München erschienenen Jugendfreunde, oder endlich aus Beckers mildheimischem Liederbuche zu.

Wenn man die Vorrede zu diesem Gesangbuche liest, so findet man den Verfasser für sein Thema völlig begeistert. Nebst mehrern psychologischen Gründen führt er dafür verschiedene Stellen aus dem alten und neuen Bunde, und insbesondere das Zeugniß des Plinius an, daß sich die ersten Christen in und außer ihrem Gottesdienste durch Gesänge auszeichneten. Er zitirt ferners einen Brief des h. Hieronimus an die Marcella mit den Worten: „Wo man sich hinwendet, hört man den Ackersmann sein Alleluja, den Schnitter sein geistliches Lied, und den Weingärtner die Psalmen singen,“ und ruft dabei aus: O daß doch die Gebirgsketten und Thäler unsers lieben Vaterlandes bald jener Gegend ähnlich würden, wo der h. Hieronimus lebte.

Unterm 15. Dez. 1816 reskribirte das k. k. Kreisamt Bozen an das Landgericht Lana: Es habe schon lange vor Empfang des landgerichtlichen Berichtes von der angestrengten und entsprechenden Verwendung des Schuldistrikts-Inspektors Pr. Pöder für das Schulwesen sowohl aus seinen geleisteten praktischen Arbeiten, als aus andern eingezogenen Erkundigungen Kenntniß erhalten, und trage daher dem Landgerichte auf, den Pr. Pöder wegen seiner Verdienste als Schuldistrikts-Inspektor der ganz besonderen Zufriedenheit des Kreisamtes mit der Bemerkung zu versichern, daß man nicht unterlassen werde, die hohe Landesstelle davon zur gehörigen Zeit in Kenntniß zu setzen. — Hiezu bot die erledigte Pfarre Marling eine willkommene Gelegenheit dar. Pöder ward unter den Kompetenten von den geistlichen und weltlichen Behörden einstimmig auf den ersten Platz gesetzt, und durch hohes Hofdekret vom 16. Mai 1817 zum Pfarrer in Marling ernannt. Er behielt das Schuldistrikts-Inspektorat bei, und pflegte es mit einer so ununterbrochenen Liebe und Sorgfalt, daß ihm bei jeder Gelegenheit die hohe Zufriedenheit der Landesstelle zu erkennen gegeben wurde.

Aber sein menschenfreundliches Herz führte ihm noch einen ganz neuen Gegenstand rastloser Anstrengung und wahrhaft genialischer Behandlung zu. Ein ganz unbemittelter Taubstummer, den Pöders Mutter aus Menschenliebe zu sich genommen hatte, weckte schon in den Jahren 1805 und 1806 in ihm, wie er sich öfters äußerte, die schöne Idee, dieser unglücklichen Menschenklasse zu Hülfe zu kommen. Er unterzog sich demnach aus freiem Antriebe dem bisher in unserm Vaterlande ganz vernachläßigten, aber auch äußerst schwierigen Unterrichte der Taubstummen. Ohne je ein Taubstummen-Institut gesehen, oder von einer zweckmäßigen Methode zur intellektuellen Behandlung dieser Unglücklichen irgend eine Kenntniß erhalten zu haben, war er hiebei einzig auf seine eigenen Erfindungen und Grundsätze beschränkt, und brachte es damit so weit, daß seine Zöglinge nicht unbedeutende Fortschritte in der Zeichensprache, in der Religionslehre, und im Lesen und Schreiben machten.

Im Jahre 1820 hatte er schon sieben Taubstumme in seinem Unterrichte, und des guten Erfolges wegen konnte er auf eine bedeutende Vermehrung derselben rechnen. Denn abgesehen, daß der edelmütige Pfarrer den Taubstummen nicht bloß unentgeltlichen Unterricht ertheilte, sondern die ganz armen Zöglinge auch sonst noch unterstützte, ist die Zahl dieser Unglücklichen in unserm Gebirgslande so groß, daß sie das nach statistischen Berechnungen angenommene Verhältnis von 150 oder auch 200 Taubstummen zu einer Million Menschen, wenigstens in den Kreisen Bozen und Roveredo, nach den Berichten der Behörden vom Jahre 1831 um das Dreifache überstieg.

Pöder sah ein, daß seine Person allein, und seine beschränkten Hilfsmittel zur Unterweisung einer größeren Zahl Taubstummer nicht zureichen könnten.

(Beschluß folgt.)

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter

    Nekrolog auf Pfarrer Franz Pöder von Marling und Algund (Schluss)

    Der abschließende Teil des Nekrologs würdigt das pädagogische und seelsorgerische Wirken von Pfarrer Franz Pöder in Marling und Algund. Neben seinem Engagement für den Taubstummenunterricht und mehreren Lehrschriften werden seine Versetzung nach Algund, seine fortschreitende Krankheit und sein Ableben im Mai 1825 geschildert.

1826 im Überblick

Das Jahr 1826 war in Meran und Umgebung von administrativen Neuerungen, kulturellen Dokumentationen und lokalbedeutsamen Todesfällen geprägt. Während soziale Spendenpraktiken und technische Innovationen wie eine neue Flachsspinnmaschine den Fortschritt begleiteten, widmeten sich historische Abhandlungen der regionalen Kunst- und Kirchengeschichte sowie der Aufarbeitung vergangener Epochen. Zudem stand das Jahr im Zeichen des Gedenkens an prägende Persönlichkeiten wie den verstorbenen Pfarrer und Schulreformer Franz Pöder.

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"Nekrolog auf Schulinspektor und Pfarrer Franz Xaver Pöder (Fortsetzung)." Der Bote für Tirol, 4. Dezember 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/04.12.1826/150308/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-12-04-nekrolog-auf-schulinspektor-und-pfarrer-franz-xaver-poeder-fortsetzung