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Nekrolog auf Pfarrer Franz Pöder von Marling und Algund (Schluss)

Zusammenfassung

Der abschließende Teil des Nekrologs würdigt das pädagogische und seelsorgerische Wirken von Pfarrer Franz Pöder in Marling und Algund. Neben seinem Engagement für den Taubstummenunterricht und mehreren Lehrschriften werden seine Versetzung nach Algund, seine fortschreitende Krankheit und sein Ableben im Mai 1825 geschildert.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 3/3

(Beschluß.)

Er überreichte daher im Jahre 1821 an das k. k. Kreisamt Bozen die Bitte, daß ihm zum Behufe eines ordentlichen und besseren Unterrichtes seiner taubstummen Zöglinge von Seite der k. k. Taubstummen-Anstalt in Wien die nöthige Anleitung samt den Lehrhülfsmitteln an Kupfern, Tabellen, Büchern u. dgl. verschaffet werden möchte. Auf kreisämtliches Einschreiten ward dieses Bittgesuch von der hohen Landesstelle mit allem Nachdrucke an die hohe Studienhofkommission unterstützt, und hiedurch gemäß Hofdekrets vom 11. März 1821 die Mittheilung des Leitfadens nebst mehreren Hilfsmitteln über die im Taubstummen-Institute zu Wien gepflogene Lehrart zur möglichsten Erleichterung des Bittstellers in seinem lobenswürdigen Unternehmen erwirkt, so wie die Nachsendung des eigentlichen, und dazumal erst in Bearbeitung gewesenen Methodenbuches über den Unterricht der Taubstummen zugesichert.

In eben diesem Jahre wurde in dem großen ständischen Ausschuß-Kongresse von einem Mitgliede desselben die Motion wegen Errichtung eines inländischen Taubstummen-Institutes gemacht, und durch einstimmigen Abschluß dieser, die Menschheit in so hohem Grade ehrende Antrag der hohen Landesstelle zur wirksamen Einschreitung mit der Bitte empfohlen, daß jenen Männern, welche sich aus Neigung und Menschenliebe mit dem Unterrichte der Taubstummen abgeben (worunter der würdige Pfarrer Pöder von Marling die rühmlichste Erwähnung verdiene) die nöthige Unterstützung zugemittelt werden wolle.

Unser unermüdeter Pädagog beförderte um diese Zeit ein Hilfsbüchlein für Lehrer in Landschulen zum Drucke. Es führt den Titel: Rechnungs- und andere Aufgaben zur Bildung des Verstandes und Herzens. Innsbruck, in Kommission der Wagner´schen Buchhandlung 1821.

Er hatte bei diesen Aufgaben, wie er sich in der kleinen Vorrede erklärt, den Gesichtspunkt vor Augen, daß die Rechenkunst, wie sie bisher vielfältig gelehrt wurde, gegen den eigentlichen Zweck alles Schulunterrichtes, Verstand und Herz größtentheils leer ausgehen ließ. Daher wählte er für seine Rechnungsexempel lauter moralische, religiöse und wissenschaftliche Stoffe. Aber nicht minder erglühte sein Eifer für die Seelsorge. Dieß beurkundet sein katholisches Gebethbuch für alle Stände, Innsbruck in derselben Buchhandlung 1822. Das bischöfliche Ordinariat genehmigte, und empfahl allen Gläubigen das Werk, betitelt: „Die christliche Seele im Umgange mit Gott,“ als ein Buch, „in welchem durchaus ein sehr religiöser und salbungsvoller Geist herrsche.“ Durch den am 21. Juni 1822 erfolgten Tod des Priesters Jos. Grafen Wicka kam die landesfürstliche Patronatspfarr zu Algund in Erledigung, und wurde von der hohen Hofkanzlei nach dem einhelligen Antrage des Guberniums und des Ordinariats Trient, wie das Dekret vom 10. Okt. desselben Jahres lautet, dem Pfarrer in Marling, Franz Pöder verliehen. Er hatte sich um diese einträglichere Pfründe vorzüglich in der Absicht beworben, um für die Werke seiner Wohlthätigkeit, und besonders für den Unterricht der Taubstummen mehrere Geldmittel zu erreichen. Allein nur durch ein Jahr genoß er im gesunden Körperzustande dieser bessern Pfründe. Schon im Frühlinge 1824 fing er zu kränkeln an. Er litt vorzüglich an hypochondrischen Beschwerden; doch fand er hieran in dem Heilbade des Ultnerthales eine so wirksame Erleichterung, daß er sich bis zum Ende des Monates August eines völlig ungetrübten Lebensgenusses zu erfreuen hatte. Aber der hierauf schnell eingetretene, ungünstige Wechsel der Temperatur zog ihm ein heftiges rheumatisches Fieber zu, und erlaubte ihm erst nach mehreren Wochen das Bett zu verlassen. Von nun begann er bei all´ seiner Eßlust und guten Pflege immer mehr abzumagern, und es zeigte sich nur zu deutlich, daß sein Körper das rheumatische mit einem hektischen Fieber vertauscht habe.

Außer der thätigsten ärztlichen Hilfsleistung verdankte er (menschlicher Weise zu reden) nur der günstigen Witterung des Jahres 1825, und der außerordentlichen Anstrengung des ihm zur Seite gestandenen Freundes die Verlängerung seines Lebens. Wegen rasch zugenommener Entkräftung konnte er von Mitte April d. J. an nicht mehr außer dem Bette bleiben. Wenn er aber auch die Hoffnung seiner Wiedergenesung nie ganz aufgab, so vermochte doch der Gedanke an den Tod die Ruhe und Heiterkeit seiner Gott vollkommen ergebenen Seele nicht im Geringsten zu trüben. Den 31. Mai Abends erfolgte seine Auflösung im 47. Jahre seines Alters, in welchem auch sein Vater gestorben war. Multis ille flebilis occidit. Sein um das Schulwesen, wie um die Seelsorge verdienstvolles Leben beschloß er mit einer letztwilligen Anordnung, in welcher er bereits seinen ganzen Nachlaß für fromme Zwecke bestimmte.

Quiesce in pace mei memor animae Dimidium meae!

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"Nekrolog auf Pfarrer Franz Pöder von Marling und Algund (Schluss)." Der Bote für Tirol, 7. Dezember 1826. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/07.12.1826/150309/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1826-12-07-nekrolog-auf-pfarrer-franz-poeder-von-marling-und-algund-schluss