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Zur Geschichte des Schlosses Katzenstein bei Meran und seiner Besitzer (Teil 1)

Zusammenfassung

Eine historische Abhandlung über das oberhalb von Mais bei Meran gelegene Schloss Katzenstein und dessen frühe Besitzer. Der erste Teil beleuchtet die Adelsgeschlechter von Katzenstein im 14. Jahrhundert und von Aur im 15. Jahrhundert anhand erhaltener Urkunden und Siegel.

Vollständige Transkription

Anhang.

Geschichte.

Die Besitzer des Schlosses Katzenstein. 1/3

Katzenstein war eine der vielen Festen nahe bei Meran, der Hauptburg des Landes, im Gebirge gelegen. In dieser Gegend saßen einst sehr viele der Edeln, gewärtig den allgewaltigen Grafen auf Tirol mit Rath und That, mit Mann und Roß, mit Helm, Schild und Schwert, mit Hunden, Pfeil und Bogen.

Auf der Straße, welche sich von Botzen nach der ehemaligen Hauptstadt des Landes hinzieht, nicht ferne von derselben, liegt das Schloß auf einem vorgeschobenen Felsen der östlichen Gebirgskette zwischen den zerstreuten Höfen und Gütern des Freiberges, einer Parzelle der Pfarrgemeinde Mais, gerade unter der noch viel höher gelegenen Fragsburg. Vor demselben erblickt man den sich über steile Felsen herab stürzenden Sinnichbach.

Als die Landesherrin Margarethe, die Maultasche genannt, auf dem Schlosse Tirol, und wechselweise auch auf St. Zenoburg 1) Hof hielt, saßen auf diesem Schlosse die Edeln von Katzenstein. Von ihnen mag das Schloß einst seinen Namen erhalten haben. Gemeinschaftlich hauseten da die Brüder Rudolph und Dietpold von Katzenstein. Im Jahre 1347 theilten sie ihre Besitzungen, und sicherten ihrem Vetter, ebenfalls Rudolph genannt, das Einstands- oder Losungs-Recht für den Fall zu, wenn der eine seinen Antheil verkaufen wollte. Der auf Pergament geschriebene Vertrag 2) ist in der Urschrift wohlerhalten noch vorhanden. Die an pergamentenen Streifen befestigten Siegel sind von rothbraunem, pechartigem Wachs, auf welches in der Vorderseite weißes Wachs aufgetragen ist. Auf dem ersten sieht man einen Helm, darauf einen aufrecht sitzenden Fuchs mit gespitzten Ohren und herab hangendem, doch nur dünnen Wedel. (Sollte es etwa eine Katze seyn?) Die gothische Umschrift ist ziemlich leserlich, und heißt: S. Rudolfi vn Chatzenstain. Im zweiten ist ein dreieckichter, auf beiden Seiten zugerundeter Schild, und auf demselben ein aufrecht schreitender Hund mit einem, wie es scheint, geringelten Schweife. Die Umschrift ist: S. Die - - vn Chatzenstain. Beide zusammen scheinen das ganze Wappen der Katzensteiner auszumachen. An den beiden übrigen sieht man nichts mehr, als dreieckichte Schilder; ihre Bilder und Umschriften aber sind unkenntlich geworden. Aus der Urkunde selbst ergiebt sich, daß sie die Siegel der als Zeugen bei Errichtung der Urkunde beigezogenen Edeln „wulffinchs von Gutenstain“ und „ulreiches urlenges von Furtenek“ waren.

Die Gebrüder Rudolph und Dietpold von Katzenstein befanden sich nach Burglechner (Comp. Ms. Cap. VI.) unter den Landes-Edeln, welche auf dem 1361 zu Meran gehaltenen Landtage erschienen. 3) Cerdo Gebelinus, ein Sohn des Salmons von Katzenstein, ist als Zeuge in der Schankungs-Urkunde aufgeführt, wodurch am 3. April 1368 Johann der Greif den Kirchpröbsten der Pfarrkirchen U. L. Frau und zum heil. Vigilius in Mais ein Haus mit einem Garten gegen Bedingung, daß sie alljährlich am grünen Donnerstage eine Yhrn Wein zur heiligen Osterkommunion herstellen sollten, zum Eigenthum übergab. 4)

Im Jahre 1450 wurde Hans von Aur (auch Aer, Awr und Awer) vom Erzherzog Sigmund mit Katzenstein belehnt. Die Edlen von Aur waren Ministerialen der Grafen von Tirol und ein reiches, angesehenes ritterliches Geschlecht; Zweige desselben saßen auch auf den Edelsitzen in Mais, Fragsburg, Labers und Katzenstein. Ihr Stammschloß war das nun verfallene Schloss Aur, eine halbe Stunde vom Hauptschlosse am Ende des Dorfes Tirol gegen Passeier gelegen, und ist nun ein gräflich Stachelburgisches Eigenthum.

Otto, der erste von Aur, der seit 1356 auf Fragsburg saß, hatte vier Söhne, Johann, Matthäus, Georg und Barthlmä. Georg (Jörg) von Aur hängte in dem Reverse vom Jahre 1413, welchen die Gebrüder Ulrich und Hans von Eglsee, genannt die Beigensteiner, dem Abte Johannes von Stams wegen einer Kapelle in ihrem ehemals prächtigen, nun in Ruinen versunkenen Schlosse Neuberg nächst St. Valentin ausstellten, statt des wegen seiner Jugend noch nicht siegelmäßigen Hansens sein Siegel zu dem seines Bruders der Urkunde an. Dieser Jörg von Aur hatte schon lange vor 1459 seinen Sitz auf dem Schlosse Labers, auf der Nordostseite von Mais, ungefähr mitten auf dem Bergabhange gelegen, den gegen Norden der vom Maiser-Bache aufgewühlte Thalgraben durchschneidet, und auf dessen Trümmern um das Jahr 1700 die damals neuen Inhaber, die Gebrüder Bombardi, das derzeit noch stehende Schloß erbauten.

Heinrich folgte seinem Vater in dem Besitze von Labers. Nach seinem Tode wurden dessen Güter, wie die Annal. Stams. Cap. XXX. §. 6. und ad Cap. XXX. add. 23 versichern, von dem landesfürstlichen Kelleramte zu Meran 1481 eingezogen.

(Fortsetzung folgt.)

1) König Heinrich, Margarethens Vater, fertigte hier sehr viele Urkunden aus. Das Schloß ist beinahe ganz zerstört, vermuthlich im Jahre 1347 von dem racheschnaubenden römischen Könige Karl von Böhmen. Die Ruinen besitzt seit 1800 die Familie von Breitenberg.

2) Gegeben nach Christes gebürde dreizehen hundert iar, dernach in dem sieben und viertzkisten iar, Dez nasten suntages nach dez heiligen Gotes leichnam tag nach pfingsten.

3) Darum liest man auch die Namen dieser Edeln in der sich ursprünglich von diesem Landtage herschreibenden Landmatrikel. Graf Brandis irrt demnach, wenn er in seinem Ehrenkranzl (II. Th. S. 177. Nr. 126) schreibt: „daß Katzenstein der Christian Rottenpek von Katzenstein sich vom Markgrafen Ludwig im Jahre 1351 erbeten habe;“ es wäre denn, daß Rudolph und Dietpold von Katzenstein Abkömmlinge der von Rotterbök gewesen wären.

4) Kassian Primisser Annales Stams. Ms. ad Cap. XXIV. (Bestand damals hier noch die Laien-Kommunion unter beiderlei Gestalten?)

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"Zur Geschichte des Schlosses Katzenstein bei Meran und seiner Besitzer (Teil 1)." Der Bote für Tirol, 4. Januar 1827. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/04.01.1827/150317/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1827-01-04-zur-geschichte-des-schlosses-katzenstein-bei-meran-und-seiner-besitzer-teil-1