Festmahl der Stadt Meran für Erzherzog Johann im Hotel zum Erzherzoge Johann
Bericht über das feierliche Schützenmahl der Stadt Meran zu Ehren von Erzherzog Johann im Hotel zum Erzherzoge Johann. Neben Ansprachen von Bürgermeister Haller und Dr. Gottlieb Putz rührte die Rede des Erzherzogs über seine Verbundenheit zu Tirol und die Übergabe seines Sohnes die Versammlung.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 29. Mai. (Corresp.) Heute war in dem Hotel zum Erzherzoge Johann das Schützenmahl, welches die Stadt Meran Sr. kaiserl. Hoheit gab. Nahe an 80 Gedecke waren besetzt. Der Erzherzog allein erschien zu dem Festmahle. Sr. kaiserl. Hoheit zur Rechten saß die Vorstehung der Stadtgemeinde Meran, und gegenüber die Vorstehung des Kreishauptschießstandes. Die Musikkapellen des Regiments Kaiser Jäger und der Bürgergarde spielten abwechselnd vor dem Hotel auf dem Sandplatze.
Gegen Ende des Schützenmahles erhob sich die ganze Versammlung der Gäste. Hr. Bürgermeister Haller nahm das Wort: „Die Bürger von Meran freuen sich innig, Ew. kaiserl. Hoheit in ihrer Mitte zu haben und zu bewirthen. Sie wollten dadurch den tiefgefühlten Dank für die Huld aussprechen, welche Ew. kaiserl. Hoheit der Stadt u. dem Lande Tirol geschenkt haben. Denn das Fest, welches wir eben durch Ihre Huld auf dem Boden des Burggrafenamtes feiern, ist nicht ein Schützenfest allein, sondern ein Fest der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit zu dem ganzen Tirolerlande. Es sind jetzt 50 Jahre dahin, seit Höchstdieselben unser Land betreten, und die huldvollste Liebe ihm zugewendet haben. So haben wir ein volles Recht das Jubelfest der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit zum Tirolerlande zu begeben. Die Tirolerschützen haben den Ruf zu diesem Feste verstanden; sie wußten was der Ruf zu bedeuten habe, und sind zahlreich aus allen Gauen des Vaterlandes zum Jubelfeste zusammengeströmt. Die Stadt Meran ist frei von aller Mißgunst gegen ihre Schützengäste; ja sie sieht es mit höchstem Vergnügen, wenn die monumentalen Zeichen Höchstderen Liebe in alle Thäler Tirols wandern. Meran wünscht und hofft es von der bewährten Gesinnung der Tirolerschützen, daß sie ihre Siegezeichen, diese Erinnerung an Eure kaiserl. Hoheit, nicht in einen Schrank verschließen, und den Augen der Landsleute entziehen, sondern daß sie dieselben öffentlich im Gemeindehause aufstellen werden als Monumente der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit. Da ich die Ehre habe die Stadtgemeinde Meran bei diesem Festmahle zu vertreten, so erlaube ich mir in dem Gefühle der tiefsten Unterwerfung nach dem Beispiele Eurer kaiserl. Hoheit ein dreimaliges Hoch auszubringen auf Sr. Majestät unsern Kaiser Franz Joseph. Ich bringe in dem Gefühle der Ergebenheit und Liebe ein dreimaliges Hoch Eurer kaiserl. Hoheit. - Da die Erzherzoge Rainer und Heinrich dieses Fest mit ihrer hohen Gegenwart beehrt und erhöht haben, so bringen wir ihnen ein dreimaliges Hoch! Die Stadt Meran hat durch die kaiserliche Gnade eine Gräfin erhalten, welche aus dem erzherzoglichen Blute einen Sprößling dem kaiserl. Hause und der Stadt Meran einen Grafen gegeben, den wir mit aller Liebe pflegen wollen. Ihnen ein dreimaliges Hoch!“
Se. kaiserl. Hoheit beantwortete diese Rede also: „Ich kenne das Land, das Volk von Tirol, wie es wenige kennen, achten und lieben. Das Land Tirol ist der Kern von Europa, als das Bindeglied zwischen Deutschland und Italien von der Vorsehung eingesetzt. Das Volk von Tirol ist ein Volk voll Gemüth, voll Treue und Muth, es ist ein Hort der guten Sache, das Beispiel u. Muster für Europa geworden. Dieses Land, dieses Volk, ich kenne es nach allen Ständen; allein selber dringt es sich Keinem auf und gibt es nicht zu erkennen, welch´ hohen Werthes es ist. Wie der Taucher in die Fluthen des Meeres sich niedersinken muß, um in der unscheinbarsten Hülle die Perle zu finden, so ist es mit dem Tirolervolke; es ist eine Perle in Oesterreichs Krone, die wenig glänzt, aber dem Kenner allein sich aufschließt - das edelste Volk, von Europa nicht gekannt! Dieses Land, dieses liebe Volk, ich lernte es vor 50 Jahren kennen u. lieben. Jedes Jahr bin ich in dieses Land gekommen, um meine Liebe an dem Anblicke des Tirolervolkes aufzufrischen. Ich konnte leider 28 Jahre das nicht thun, doch meine Liebe ist die alte geblieben. Ja die Liebe der Jugend allein entfärbt sich nie und welkt nie, sie wächst vielmehr und geht allein mit uns zu Grabe. So lebt die Liebe zum Tirolervolke in mir. Ich stehe am Rande des Grabes und hinterlasse dem lieben Volke Alles was ich habe. Ich hinterlasse ihm etwas, was für mich sehr viel, für andere wenig ist - ich hinterlasse dem Tirolervolke mein einziges Kind, daß es unter ihm aufwachse, sein Leben und seinen Geist in sich aufnehme. Also dem theuren Volke ein Hoch!“ Dieses Hoch riefen viele der anwesenden Gäste sehr hell aus, viele aber sehr stille und leise mit Thränen im Auge; wahrlich, hätte diesen die Zunge im Uebermaße des Gefühls den Dienst nicht versagt, Lebehoch hätte alle übertönen müssen.
Als der Erzherzog einen alten Schützen, den Kopfsguter aus Lienz mit der goldenen Medaille geschmückt stehen sah, so rief er ihm zu: „Die alten Schützen müssen sorgen, daß sie junge nachziehen, welche uns alte noch übertreffen.“ - Der alte Mann trat näher, der Erzherzog drückte ihm die Hand und stieß mit ihm an.
Jetzt erhob sich Herr Gottlieb Putz, Dr. der Medizin und sprach im Namen der Jungschützen von Tirol. Er dankte für die huldvolle Liebe des Erzherzogs, betheuerte von unvergänglicher jugendlicher Liebe getrieben in die Fußstapfen des Vaters und der Väter von Tirol zu treten, und für die Rechte des Landes und Kaisers zu streiten.
Der Erzherzog hörte das mit dem sichtbarsten Vergnügen und sagte: „Ja Tirol ist eine Felsenburg von Gott gesetzt, und die Besatzung sind wir. Wenn wir einig bleiben, wie wir hoffen, wer vermag etwas gegen Tirol!“ Bei diesen Worten drückte er dem Bürgermeister Haller, Dr. Putz und Dr. Lentner recht fest die Hand.
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1851 im Überblick
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"Festmahl der Stadt Meran für Erzherzog Johann im Hotel zum Erzherzoge Johann." Der Bote für Tirol, 31. Mai 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/31.05.1851/153412/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-05-31-festmahl-der-stadt-meran-fuer-erzherzog-johann-im-hotel-zum-erzherzoge-johann