Beschreibung des Schützenbechers für den Grafen von Meran
Ein detaillierter Bericht aus Meran beschreibt den kunstvollen Schützenbecher aus Silber und Steinbockhorn, der zu Ehren des Grafen von Meran gefertigt wurde. Das Gefäß zeichnet sich durch Weinrebenmotive, heraldische Schilde und patriotische Inschriften aus.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 31. Mai. (Korresp.) Ich muß Ihnen doch den prachtvollen Schützenbecher beschreiben, mit welchem Hunderte von Schützen dem durchlauchtigsten Bestgeber das Lebehoch gebracht haben. Um ein klares Bild zu bieten, müssen wir beide Theile, den Fuß und das Steinbockhorn gesondert darstellen.
Der Fuß des Schützenbechers.
Ein dicker Rebstock steigt aus dem Boden auf, ein Stamm ohne Zweige bis oben, wo er nach 2 Seiten je 3 Rebschosse aussendet, welche schönblättrig und von Trauben strotzend das Steinbockhorn umschlingen und hoch emportragen. Diesen Rebstock umfängt ein Gehege von 8 Stäben, welche unten in gleichen Zwischenräumen weiter auseinanderstehen und aufwärts sich so verengen, daß die Hand den Fuß bequem anfassen kann. Die 8 Zwischenräume oder Flächen sind mit Laub und Rebgabeln in durchbrochener Arbeit ausgefüllt. Schöner Blätterschmuck ziert die Stelle, wo das Steinbockhorn auf dem Rebstocke aufliegt. Dieses 8eckige Gehege, oben verengt, erweitert sich unten so, daß der Durchmesser 7 Zoll beträgt; es steht auf einem Untersatze von 9 Zoll Durchmesser, mit 8 Einschnitten am Rande, welche mit dem 8eckigen Gehege zusammenstimmen. In der Hohlkehle dieses Untersatzes sind die Worte eingegraben: Eine sichere Büchs. - Ein scharfes Auge. - Ein fester Arm. - Ein frische Muth. -
Ober jedem dieser 4 Sprüche ist auf den unteren breiteren Flächen des Geheges ein Schild. Das Schild an der Stirnseite trägt die Inschrift: „Schützenbecher von J. E. v. Oe.“ Das Schild auf der Rückseite trägt die Inschrift: 18. Mai 1851.
Das Schild auf der rechten Seite trägt das Wappen des Grafen von Meran, und jenes auf der linken Seite den rothen Tiroler-Adler. Eine Fläche zwischen je 2 Schildern steht leer.
An der Stelle, wo das Steinbockhorn aufliegt, ist an der Stirnseite ein Schild mit den Tirolerfarben am Gehege angeheftet. Der Fuß, ganz aus Silber, ist beiläufig 11 Zoll hoch.
Steinbockhorn.
Es ist etwa 23 Zoll lang, schön gebogen, ganz schwarz und auf der Oberfläche etwas knottig. Es sitzt am obern Theile auf dem Fuße, und bekommt so eine schöne, stolze Haltung.
Die Spitze des Horns trägt ein Hütchen von 2 Zoll Breite. Das Innere des Horns ist vergoldet.
Die Oeffnung hat drei bis vier Zoll im Durchmesser und ist mit einer 1 ½ Zoll breiten Einfassung von Silber bekleidet, an welcher folgende Worte eingegraben sind: Der Schütze von Tirol ist stets bereit, gleichviel zum friedlich frohen Schützenspiel, so wie zum ernsten Kampf für Fürst und Vaterland. Einen Zoll tiefer ist ein Kranz von Weinlaub und Trauben um das Horn gewunden. Ein kronartiger Deckel von Silber schließt die Oeffnung des Horns. Auf der Spize des Deckels steht, wie auf einer Warte spähend, ein Tiroler Schütze.
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"Beschreibung des Schützenbechers für den Grafen von Meran." Der Bote für Tirol, 2. Juni 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/02.06.1851/153413/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-06-02-beschreibung-des-schuetzenbechers-fuer-den-grafen-von-meran