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Das Meraner Schützenfest und die Ansprache von Erzherzog Johann

Zusammenfassung

Bericht über das große Freischießen in Meran Ende Mai 1851 mit Schützenkompanien aus Dornbirn und dem Pustertal. Beim festlichen Schützenmahl im Hotel zum Erzherzoge Johann bekundet Erzherzog Johann in einer bewegenden Ansprache seine tiefe Verbundenheit mit Tirol und empfiehlt seinen Sohn der Obhut des Tiroler Volkes.

Vollständige Transkription

Tagesgeschichte.

Oesterreich.

Meran, 27. Mai. (Korresp. d. T. B.) Gestern Abends wurden die Schützen aus Dornbirn von Dr. Lentner eingeführt. Heute Morgens zog eine Gesellschaft Schützen aus Pusterthal ein. Dr. Theiner, welcher diese Gesellschaft zu empfangen hatte, vermeid es, altes Stroh zu dreschen, und wußte seiner Ansprache frisches Leben durch Anspielung auf die Erlebnisse der Pusterthaler in den Kriegsjahren zu geben. – „Auf dem First unseres Schießstandes steht der Wahlspruch des unbesiegten Tirolers: Für Gott, Kaiser und Vaterland! Pusterthaler! Wie jeder ächte, kernhafte Tiroler, so dürft Ihr mit vollem Rechte diesen Wahlspruch in Eurem Munde führen. Wir mögen Euer Thal von einem Ende bis zum andern, von der Mühlbacher bis zur Lienzer Klause durchwandern, wir mögen die alte und neue Zeit über Euch befragen, so begegnen uns überall eben so viele Spuren Eurer Tapferkeit, als Feinde den heiligen Boden des Vaterlandes betreten haben. Die Begeisterung und den Todesmuth habt Ihr aus einzig wahrer Quelle, aus der Kirche zum heiligen Kreuze auf der Frohnwiese bei St. Lorenzen geholt. Die Jahre 1797, 1809 und 1813 in der Mühlbacher Klause beweisen, daß Euer Muth durch Gebet gekräftigt und gehoben, kein leeres Strohfeuer gewesen ist. Je weiter wir im Pusterthale hinunter gehen, desto siegreicher war die Trutzfeder, welcher Ihr auf den Hut gepflanzt, welche die Fremdlinge Euch noch nie vom stolzen Hute genommen. General Toubert mußte 1797 umkehren, bevor er die Höhe des Toblacher Feldes erreicht hatte. Kein besseres Schicksal erfuhr General Ruska, als er 1809 den freien und treuen Tirolern die ketten seines Herrn bringen wollte Eine Handvoll Sextner Schützen standen an der Lienzer Klause, tödteten ihm 700 seiner Leute, und wiesen ihm den Weg. Er kam mit verstärkter Macht wieder, übermannte Euch und drängte Euch auf die Seite; allein wie die Wogen hinter dem Schiffe zusammenschlagen, so reichten sich die Schützen wieder die Hand, und schnitten dem feindlichen Heere unter Broutzler den Rückweg ab, so daß er nicht vor, noch rückwärts konnte. Der Feind hatte damals nicht viele verwundete zu pflegen, da Eure Kugeln Wenige streiften, sondern das Herz der Feinde trafen. Ihr wißt das das Sprichwort: der Ast fällt nicht weit vom Stamm. Darum sehe ich an Euch die edlen Söhne braver, tapferer Väter. Wie diese in das herz der Feinde geschossen, so gehet hin und seif nicht schlechter; schießt in das Schwarze, in das Zentrum, daß die Alten der Jungen sich freuen. Glückauf zu diesem Schützengange!“

- 28. Mai. Da die früher festgesetzte Frist für diese Zahl der Einlagen nicht ausreicht, so wurde das Schießen bis auf Samstag 31. Mai verlängert. Mit dieser Bekanntmachung wurde zugleich das Schreiben des Feldmarschalls Radetzky verlesen, der sich entschuldigt wegen der dringenden Arbeiten der Einladungen zu dem Schützenfeste in Meran nicht folgen zu können. Nach dieser Eröffnung wurden die 4 letzten Radetzkyschüsse zu Gunsten des Invalidenfondes versteigert. Den ersten ersteigerte die Gräfin von Meran um 15 fl. CM., den zweiten Hr. Ganahl von Feldkirch um 14 fl. CM., den dritten Hr. Vital aus Pusterthal um 10 fl. CM., den vierten Hr. Friedrich von Hopfgarten um 8 fl. 30 kr. CM.

Das Schießen beginnt seit ein paar Tagen um 6 Uhr früh, und geht ohne Rast vorwärts. Auf den Hauptständen allein waren heute zu gleicher Zeit300 Stutzen aufgestellt.

- 29. Mai. Heute war in dem Hotel zum Erzherzoge Johann das Schützenmahl, welches die Stadt Meran Sr. kaiserl. Hoheit gab. Nahe an 80 Gedecke waren besetzt. Die Musikkapelle des Regiments Jaiserjäger und der Bürgergarde spielten abwechselnd vor dem Hotel auf dem Sandplatze.

Gegen Ende des Schützenmahles erhob sich die ganze Versammlung der Gäste. Hr. Bürgermeister Haller nahm das Wort: „Die Bürger von Meran freuen sich innig, Ew. kaiserl. Hoheit in ihrer Mitte zu haben und zu bewirthen. Sie wollten dadurch den tiefgefühlten Dank für die Huld aussprechen, welche Ew. kaiserl. Hoheit der Stadt u. dem Lande Tirol geschenkt haben. Denn das Fest, welches wir eben durch Huld auf dem Boden des Burggrafenamtes feiern, ist nicht ein Schützenfest allein, sondern ein Fest der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit zu dem ganzen Tirolerlande. Es sind jetzt 50 Jahre dahin, seit Höchstdieselben unser Land betreten, und die huldvolle Liebe ihm zugewendet haben. So haben wir ein volles Recht das Jubelfest der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit zum Tirolerlande zu begehen. Die Tirolerschützen haben den Ruf zu diesem Feste verstanden; sie wußten was der Ruf zu bedeuten habe, und sind zahlreich aus allen Gauen des Vaterlandes zum Jubelfeste zusammengeströmt. Die Stadt Meran ist frei von aller Mißgunst gegen ihre Schützengäste; ja sie sieht es mit höchstem Vergnügen, wenn die monumentalen Zeichen Höchstderen Liebe in alle Thäler Tirols wandern. Meran wünscht und hofft es von der bewährten Gesinnung der Tirolerschützen, daß sie ihre Siegeszeichen, diese Erinnerung an Eure kaiserl. Hoheit, nicht in einen Schrank verschließen, und den Augen der Landsleute entziehen, sondern daß die dieselben öffentlich im Gemeindehause aufstellen werden als Monumente der Liebe Eurer kaiserl. Hoheit. Da ich die Ehre habe die Stadtgemeinde Meran bei diesem Festmahle zu vertreten, so erlaube ich mir in dem Gefühle der tiefsten Unterwerfung nach dem Beispiele Eurer kaiserl. Hoheit ein dreimaliges Hoch auszubringen auf Se. Maj. unsern Kaiser Franz Josef. Ich bringe in dem Gefühle der Ergebenheit und Liebe ein dreimaliges Hoch Eurer kaiserl. Hoheit. – Da die Erzherzoge Rainer und Heinrich dieses Fest mit ihrer hohen Gegenwart beehrt und erhöht haben, so bringen wir ihnen ein dreimaliges Hoch! Die Stadt Meran hat durch die kaiserliche Gnade eine Gräfin erhalten, welche aus dem erzherzoglichen Blute einen Sprößling dem kaiserl. Hause und der Stadt Meran einen Grafen gegeben, den wir mit aller Liebe pflegen wollen. Ihnen ein dreimaliges Hoch!“

Se. kaiserl. Hoheit beantwortete diese Rede also: „Ich kenne das Land, das Volk von Tirol, wie es wenige kennen, achten und lieben. Das Land Tirol ist der Kern von Europa, als das Bindeglied zwischen Deutschland und Italien von der Vorsehung eingesetzt. Das Volk von Tirol ist ein Volk voll Gemüth, voll Treue und Muth, es ist ein Hort der guten Sache, das Beispiel u. Muster für Europa geworden. Dieses Land, dieses Volk, ich kenne es nach allen Ständen; allein selber dringt es sich Keinem auf und gibt es nicht zu erkennen, welch hohen Werthes es ist. Wie der Taucher in den Fluthen des Meeres sich niedersinken muß, um in der unscheinbarsten Hülle die Perle zu finden, so ist es mit dem Tirolervolke; es in eine Perle in Oesterreichs Krone die wenig glänzt, aber dem Kenner allein sich aufschließt – das edelste Volk, von Europa nicht gekannt! Dieses Land, dieses liebe Volk, ich lernte es vor 50 Jahren kennen u. lieben. Jedes Jahr bin ich in dieses Land gekommen, um meine Liebe an dem Anblicke des Tirolervolkes aufzurichten. Ich konnte leider 28 Jahre das nicht thun, doch meine Liebe ist die alte geblieben. Ja die Liebe der Jugend allein entferbt sich nie und welkt nie, sie wächst vielmehr und geht allein mit uns zu Grabe. So lebt die Liebe zum Tirolervolke in mir. Ich stehe am Rande des Grabes und hinterlasse dem lieben Volke Alles was ich habe. Ich hinterlasse ihm etwas, was für mich sehr viel, für andere wenig ist – ich hinterlasse dem Tirolervolke mein einziges Kind, daß es unter ihm aufwachse, sein Leben und seinen Geist in sich aufnehme. Also dem theuren Volke ein Hoch!

Dieses Hoch riefen viele der anwesenden Gäste sehr hell aus, viele aber sehr stille und leise mit Thränen im Auge; wahrscheinlich, hätte diesen die Zunge im Uebermaße des Gefühls den Dienst nicht versagt, ihr Lebehoch hätte alle übertönten müssen.

Als der Erzherzog einen alten Schützen, den Kopfsguter aus Lienz mir der goldenen Medaillie geschmückt stehen sah, so rief er ihm zu: „Die alten Schützen müssen sorgen, daß sie junge nachziehen, welche uns alte noch übertreffen.“ – Der alte Mann trat näher, der Erzherzog drückte ihm die Hand und stieß mit ihm an.

Jetzt erhob sich Herr Gottlieb Putz, Dr. der Medizin und sprach im Namen der Jungschützen von Tirol. Er dankte für die huldvolle Liebe des Erzherzogs, betheuerte von unvergänglicher jugendlicher Liebe getrieben in die Fußstapfen des Vaters und der Väter von Tirol zu treten, und für die Rechte des Landes und Kaisers zu streiten.

Der Erzherzog hörte das mit dem sichtbarsten Vergnügen und sagte: „Ja Tirol ist eine Felsenburg von Gott gesetzt, und die Besatzung sind wir. Wenn wir einig bleiben, wie wir hoffen, wer vermag etwas gegen Tirol!“ Bei diesen Worten drückte er dem Bürgermeister Haller, Dr. Putz und Dr. Lentner recht fest die Hand.

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1851 im Überblick

Das Jahr 1851 war in Meran stark durch das von Erzherzog Johann gestiftete Große Landesschießen im Frühsommer geprägt, das zahlreiche Schützenkompanien anzog und von hochrangigen Besuchen des Kaiserhauses begleitet wurde. Neben diesen großangelegten Festlichkeiten bestimmten religiöse Veranstaltungen wie die Volksmission in Partschins sowie soziale Initiativen, darunter die Eröffnung einer Kleinkinderwartanstalt und Stiftungen, das öffentliche Leben. Das Jahr verdeutlicht die enge Verbundenheit der Region mit dem Erzherzog und das Fortwirken sozialer und kirchlicher Aktivitäten. →

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"Das Meraner Schützenfest und die Ansprache von Erzherzog Johann." Pustertaler Bote, 4. Juni 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/8/1/04.06.1851/146964/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-06-04-das-meraner-schuetzenfest-und-die-ansprache-von-erzherzog-johann