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Erzherzog Johann und das Freischießen in Meran

Zusammenfassung

Im Mai 1851 trifft Erzherzog Johann mit seiner Familie in Meran ein, um das feierliche Freischießen zu eröffnen. Ein prächtiger Festzug mit Bürgerwehr, Musikkapellen und Schützenkompanien aus ganz Tirol begleitet die Übergabe kostbarer Fahnen und Bestgaben am Schießstand.

Vollständige Transkription

Tagesbericht.

Meran, 14. Mai. Seit gestern herrscht lauter Jubel in unsern Mauern, da nun unser hoher Bestgeber, Se. kais. Hoh. Erzh. Johann mit dem Grafen und der Gräfin von Meran angelangt ist. Der Hr. Erzherzog hatte zuvor noch von Bozen einen Ausflug gemacht, und dort den ihm als Lehen verliehenen Ansitz St. Valentin besucht; deshalb erfolgte die Ankunft hier erst 8 Uhr Abends. Hier herrscht die größte Thätigkeit, um die erwarteten Schützengäste recht ehrenvoll zu empfangen und ihnen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Seine kaiserl. Hoheit hat heute bereits in aller frühe den Schießstand besucht, und trifft selbst alle Anordnungen zum großen Feste. Zur Aufführung der großartigen Musikproduktion des Herrn Netzer hat sich auch unser berühmter Landsmann Nagiller und viele andere tüchtige Tonkünstler Tirols anmelden lassen; dazu werden heute vier ausgezeichnete Sänger aus München eintreffen, die eigens zur Verherrlichung dieses Festes berufen wurden. (T. B.)

Meran, 19. Mai. Heute ging, wie es festgesetzt war, die feierliche Eröffnung des von Sr. k. Hoheit dem Erzherzog Johann veranstalteten Freischießens vor sich. Das Fest hatte bereits viele Schützen und Schützenfreunde, sowie Neugierige aus Nähe und Ferne angelockt. So waren gestern Abends die Schützen von Bruneck auf reichverzierten Wagen eingetroffen und von der hiesigen Schießstandvorstehung empfangen worden. Heute hielten die Schützen von Bozen und Brixen ihren feierlichen Einzug; die ersteren brachten zugleich eine Musikbande mit sich. Um 11 Uhr ordnete sich der Festzug bei der Schießstätte und begab sich von da an den Burgfrieden der Stadt jenseits der Passerbrücke. Voran schritt eine Abtheilung Bürgerwehr mit Musik, dann folgten die Zünfte mit ihre Fahnen, die Musikbande des Kaiserjägerregiments, die Sänger, der Gemeinderath von Meran, der Empfangsausschuß, die Trommler und Schwögler, die Fahnen der Schützengesellschaft von Meran, die Zieler mit den Stechscheiben, die Schützenschreiber und die Schützenvorstehung; den Schluß machte abermals eine Abtheilung Bürgerwehr. Um 12 Uhr erschien der Erzherzog an der Spitze der Gemeindevorstehung von Schönna, und ward vom Bürgermeister von Meran mit einer kurzen Rede begrüßt. Außer ihm fesselten jetzt aber die reichen Bestgaben, von schmucken Burschen getragen, die allgemeine Aufmerksamkeit. Zwölf Bestfahnen, mit kostbaren und kunstvollen Stickereien, eine Fahne, vom Erzherzog den Schützen von Schönna besonders geschenkt, neun Gedenkfahnen für die Hauptschießstände von Tirol ragten darunter besonders hervor. An sie reihten sich die vier Stechkränze, deren Laubwerk aus Metall vortrefflich gearbeitet war, die drei Prämienstutzen für die meisten Schwarzschüsse, die 20 Schleckerbeste, die Vierermedaillen und Zentrumsnägel, endlich der Ehrenbecher, ein Steinbockhorn mit silbernem Fußgestelle und Deckel. Mit dem Erzherzog erschien auch die Kompagnie der Jungschützen, Knaben von Meran in landesüblicher Schützentracht, geführt von dem jugendlich blühenden Grafen von Meran, sowie die Kompagnie der Landesschützen von Schönna. Auch die Kompagnien von Partschins, Mais, Passeier u. a. in ihrer schmucken Tracht, mit Fahne und Musik, hatten sich an der Brücke aufgestellt, und schlossen sich dem Zuge an, der sich sofort wieder in Bewegung setzte, und indem die Meraner voranschritten und der Erzherzog mit dem Zuge von Schönna folgte, durch die Laubengasse und über den Rennweg zurück bei dem Schießstande anlangte. Hier harrten desselben bereits auf dem festlich geschmückten und mit Wimpeln aller Art verzierten Fahnenthurme Se. k. Hoheit der Herr Erzherzog Rainer mit seinem Durchlauchtigsten Sohne Heinrich, sowie die Frau Gemahlin des Herrn Erzherzogs Johann, Gräfin von Meran, mit ihrem Gefolge. Unter den übrigen hohen Gästen, die sich ebenfalls auf dem Fahnenthurme befanden, bemerkten wir den Herrn Oberlandesschützenmeister und Landtagspräsidenten Grafen von Wolkenstein, den Herrn Kreispräsidenten Grafen v. Fünfkirchen, den Herrn Obersten des Kaiserjägerregiments v. Burlo u. a. Auf der Tribüne des Schießstandes endlich, für welche Eintrittskarten ausgegeben waren, hatte sich ein schöner Kranz von Frauen und ein gedrängter Kreis von andern Zusehern eingefunden. Unter dem Schalle der Musik und Pöllerschüssen und dem Lebehochrufen des Volkes bestieg der Herr Erzherzog den Fahnenthurm, und richtete eine Rede voll Kraft und Innigkeit an die versammelte Menge, nach deren Schlusse er mehrere Toaste auf Se. Maj. den Kaiser, das Land Tirol, und seine Schützen u. a. aus dem Ehrentrinkhorn ausbrachte, und diesen sodann dem Oberschützenmeister von Meran überreichte, welcher ihm bewegte Worte des Dankes erwiederte. Nachdem sodann von den Sängern und der Musik das Kaiserlied angestimmt worden, wurden die Beste in den Gabensaal getragen und das Schießen nahm seinen Anfang.

Nachmittag war die Schießstätte von Schützen und Schaulustigen durchwogt, die sichtlich in der heitersten Stimmung am Feste Theil nahmen. Der Zufluß von Schützen dürfte nach dem heutigen Beginne und den eingelangten Nachrichten ein bedeutender und dieses Festschießen zu einem der belebtesten und schönsten werden, die nur je in unsern Thäler gefeiert wurden. – Heute Vormittag hielten die Schützen von Kaltern und Eppan ihren Einzug, und wurden dem Programme gemäß mit Musik und Pöllerschüssen empfangen und ihnen auf dem Fahnenthurme der Ehrentrunk kredenzt; für heute Nachmittag sind die Schützen von Innsbruck angesagt.

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Das Jahr 1851 war in Meran stark durch das von Erzherzog Johann geförderte öffentliche Leben und bedeutende Veranstaltungen geprägt, darunter das große Schützenfest im Mai mit über 1200 Teilnehmern. Daneben bestimmten religiöse Initiativen wie die Volksmission in Partschins sowie die Eröffnung neuer Wohlfahrtseinrichtungen wie der Kleinkinderwartanstalt das gesellschaftliche Geschehen. Kulturelle Anerkennung erlangte zudem der Bildhauer Franz Pendl durch die internationale Vermittlung seiner Werke. →

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"Erzherzog Johann und das Freischießen in Meran." Bozner Zeitung, 21. Mai 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/21.05.1851/20105/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-05-21-erzherzog-johann-und-das-freischiessen-in-meran