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Großes Tiroler Schützenfest in Meran unter Erzherzog Johann

Zusammenfassung

Im Mai 1851 richtet Erzherzog Johann anlässlich seines Einzugs auf Schloss Schenna ein großes Schützenfest auf dem Meraner Schießstand aus. Nach einem feierlichen Festzug durch die Stadt überreicht der Erzherzog einen kunstvollen Ehrenbecher aus Steinbockhorn an die Meraner Schützen und betont die Verbundenheit mit Tirol.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 18. Mai. (Korresp.) Wir feierten heute auf dem klassischen Boden des Schützenlebens ein Fest, das den Charakter des Tirolervolkes im reinsten Gepräge trug, das so herzlich und glänzend sich entwickelte, wie es im Sinne des hohen Festgebers lag.

Vormittags rückten aus allen Thälern, auf allen Straßen und Wegen Schützenkompagnien mit klingendem Spiele unter lustigem Pöllerknall in die Stadt. Der furchtbare Windsturm, welcher seit mehreren Tagen gewüthet, und Winterkälte über die blühenden Fluren gebracht hatte, legte sich, um keinen Mißklang in das werdende Fest zu bringen. Um 11 Uhr ordnete sich der Zug der Schützen u. Bürger von Meran an der Schießstätte und am Rathhause. Sie zogen bis an den Burgfrieden der Stadt jenseits der Passerbrücke, und erwarteten hier den Festzug Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Festgebers von Schenna, welcher kurz vor 12 Uhr eintraf. Der Festzug ging über die Spitalbrücke zurück durch das Boznerthor, die Laubengasse und den Rennweg nach der Schießstätte.

Die Bürgerwehr eröffnete den Zug mit Musik, ihr folgten die Zünfte mit den Bannern, der Gemeinderath von Meran, der Empfaufsausschuß, Trommler und Schwögler, die Fahnen der Schützen-Gesellschaft von Meran, die Zieler mit den Stechscheiben, die Schützenschreiber, Schützenvorstehung und Bürgerwehr mit Musik des Regiments Kaisers-Jäger, welche Hr. Oberst von Burlo zur Verherrlichung des Festes von Innsbruck nach Meran entsendet hatte. An diesen Zug der Meraner schloß sich der Festzug des Erzherzogs Johann von Schenna an. Die Schützen von Schenna mit Musik eröffneten den Zug, dann folgte die glänzende, prachtvolle Fahne von Schenna, die 9 Gedenkfahnen für die Hauptschießstände von Tirol, die 20 Schlecker-Beste, 3 Prämienstutzen, die 4 Kranzbeste, die 12 Bestfahnen und der Ehrenbecher. Alle diese Bestgaben trugen die Landleute von Schönna. Nun folgte Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Festgeber, begleitet von den zwei Cooperatoren der Pfarre Schenna, den hochw. Herren v. Mazza u. Klozner, und von der Gemeindevorstehung von Schenna. Se. kaiserl. Hoheit trug die einfache Schützenkleidung, einen grauen, grün ausgeschlagenen Schützenrock und den Schützenhut, welchen eine Spielhahnfeder schmückte.

Den Zug setzte die Kompagnie der Jungschützen, geführt vom Grafen von Meran, fort. Ihm folgten die Schützenkompagnien aus Passeier, Algund, Tirol, Riffian, Partschins, Gargazon u. Burgstall, Mais, Bozen und Pusterthal, jede mit Fahne und Musik oder Schwöglern und Trommel.

Auf der Schießstätte erwarteten den Festzug Se. kaiserl. Hoh. der Erzherzog Rainer, Erzh. Heinrich, Kreispräsident Graf Fünfkirchen, der Oberst des Regiments Kaiserjäger, der Oberst der Gensdarmerie, die k. k. Behörden, der Klerus. Die Bühne des Fahnenthurms, auf der sich die hohen Gäste sammelten, umstanden in immer weiter geschweiften Bogen die Schützenkompagnien.

Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Johann trat auf der Bühne vor und hielt folgende Anrede, die dem Sinne nach hier gegeben ist:

„Es ist eine alte, schöne Sitte, daß, wer ein Besitzthum sich erworben, Nachbarn und Freunde zum herzlichen Freudenfeste lud. Was die Ahnen gethan, wollte ich nicht lassen. Als ich Schönna angekauft, dachte ich sogleich meine Nachbarn in Tirol u. Vorarlberg zum Freudenfeste zu rufen. Ueber die Art dieses Festes war ich keinen Augenblick im Zweifel, da ich die Herzensfreude des Tirolers kenne. Allein die Räumlichkeiten von Schönna, wo ich das Fest geben sollte und wollte, waren zu beschränkt, als die Schützen des Landes Aufnahme gefunden hätten. Ich richtete meine Blicke auf das nachbarliche Meran, das mit offenen Herzen und thatkräftiger Hilfe mir entgegenkam, dessen herrlicher Schießstand zum Feste sich eignete.

Einige Jahre sind zwar hingegangen, seit ich unter euch ansässig geworden; allein die Zeitverhältnisse und meine Abwesenheit entschuldigen mich, daß ich erst heute der alten Sitte Rechnung trage, und die Schützen von Tirol und Vorarlberg zum Schützenfeste lade.“

Ein großes, wunderschönes Steinbockhorn mit silbernem Fuße, Deckel und kunstreicher Fassung, gefüllt mit dem edelsten Safte der Trauben Etschlands, wurde nun vor den Erzherzog hingestellt, welcher seine Rede fortsetzte.

„Mit diesem Safte, so roth wie unser Blut, so feurig wie unser Muth, so stark wie unsere Treue, bringe ich ein Hoch Sr. Majestät dem Kaiser, daß er sein angefangenes Werk zum Ruhme Oesterreichs vollende!“

„Ein Hoch dem Lande Tirol, diesem Lande der Treue, die so fest wie seine Berge steht, daß Frieden und Einigkeit sei in jedem Thale, in jedem Dorfe, und in jeder Hütte!“

Ein Hoch Euch Schützen, den alten wie den jungen, daß Ihr friedlich im Spiele übt, was im Kriegesernste Ihr gethan, daß Ihr die Pöller an den Scheiben oft und lustig wecket!

Ein Hoch der Stadt Meran!

„Diesen Ehrenbecher, welchen wir nun zum Feste geweiht, schenke ich dem Schießstande von Meran, unter der Aufsicht der Stadt.“

Mit diesen Worten überreichte Se. kais. Hoheit den Ehrenbecher dem Herrn Oberschützenmeister Dr. Putz, welcher tief ergriffen den innigsten Dank in bündiger Rede aussprach und ein Hoch auf den Erzherzog ausbrachte. Heller, mächtiger, als alle frühern hallte dieses Hoch aus tiefster Brust der ungeheuern Menge. Es folgte ein Hoch auf den Grafen und die Gräfin von Meran.

Nun ließ sich der Hr. Erzh. Johann den Ehrenbecher wieder reichen und sprach: „Es ist ein seltenes Glück, eine seltene Freude, daß Brüder so bei einem Feste sich zusammen finden, wie ich und Erzherzog Rainer. Darum meinem Bruder ein Hoch!

Dieses Hoch, herzlicher als alle rührte alle Anwesenden, daß die Thränen, diese Zeugen des tiefsten Gefühls, Männern über die Wangen rollten.

Herr Oberschützenmeister brachte zum Schlusse ein Hoch dem konstitutionellen Kaiser! welchem das Kaiserlied folgte, vorgetragen von dem präcisen, kunstvollen Spiele der Musikkapelle der Kaiserjäger.

Nach dem Kaiserliede defilirten die Schützenkompagnien. Auf dem Gesichte des Erzherzogs prägte sich da die Jugend- und Mannesfreude aus. Es war, als wenn er spräche:

„Was ich als Jüngling gepflegt und gethan,

Nicht will ich´s im Alter entbehren!“

Mit inniger Seelenfreude blickte er die guten, alten Fahnen an, welche die Schützen Tirols so oft siegreich aus der Schlacht getragen.

Dem alten Hauptmann der Algunder rief er ein gemütliches „Wie gehts“ zu, drückte ihm die Hand und des alten Mannes Freude leuchtete aus allen Zügen zum Erzherzoge auf.

Der Erzherzog begab sich in den Schießstand und machte einen guten Schuß, ohne eben das Schwarze zu treffen; „denn seit 3 Jahren, sagte er, ist dieser der erste Schuß, den ich mache.

— Ein Auf-ruf der Schützenvorstehung lud gestern Abends das Publikum zum Empfange der Schützen aus Pusterthal ein. Um 7 Uhr langten sie an und zogen in Begleitung des Empfangsausschusses unter dem Spiele der Musik durch die Laubengasse zur Schießstätte. Ein herzlicher Gruß des Redners hieß sie willkommen, und sich in Meran einzuwohnen.

Heute Morgens 6 Uhr eröffneten die Musik-Kapellen der Kaiserjäger und der Bürgergarde unter 27 Pöllerschüssen das Fest.

Um 10 Uhr rückten die Schützengesellschaften aus Bozen und Brixen ein. Letztere begleitete der hochw. Herr Kanonikus Hirn, als Feldpater im Befreiungs-Kriege und als Schützenfreund hochverdient. Der Empfangsredner, Hr. Oberschützenmeister Dr. Putz, begrüßte diese Schützen in kurzer Rede, forderte zur freudigen Festfeier auf, empfahl sich ihrer gewohnten thatkräftigen Nachbarschaft, und schloß mit einem „Hoch!“ auf Se. kaiserliche Hoheit den Erzherzog Johann.

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1851 im Überblick

Das Jahr 1851 war in Meran stark durch das von Erzherzog Johann geförderte öffentliche Leben und bedeutende Veranstaltungen geprägt, darunter das große Schützenfest im Mai mit über 1200 Teilnehmern. Daneben bestimmten religiöse Initiativen wie die Volksmission in Partschins sowie die Eröffnung neuer Wohlfahrtseinrichtungen wie der Kleinkinderwartanstalt das gesellschaftliche Geschehen. Kulturelle Anerkennung erlangte zudem der Bildhauer Franz Pendl durch die internationale Vermittlung seiner Werke. →

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"Großes Tiroler Schützenfest in Meran unter Erzherzog Johann." Der Bote für Tirol, 20. Mai 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/20.05.1851/153403/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-05-20-grosses-tiroler-schuetzenfest-in-meran-unter-erzherzog-johann