Schützenfest in Meran und universitäre Berufung von Dr. Albert Jäger
Die Ankunft der Schützengesellschaften aus Kaltern und Innsbruck zu einem Schießwettbewerb in Meran wird von feierlichen Reden und Ehrenbezeugungen für Erzherzog Johann und Kaiser Franz Joseph I. begleitet. Des Weiteren berichtet das Blatt über die bevorstehende Berufung des Meraner Gymnasialdirektors Dr. Albert Jäger an die Wiener Hochschule.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Innsbruck, 21. Mai. In der „Ostd. Post“ vom 18. dies ist unter den Wiener Tagesneuigkeiten folgendes zu lesen: „Wir vernehmen aus sicherer Quelle, daß der bekannte Historiograph Dr. Albert Jäger, dermalen Gymnasialdirektor in Meran, als Professor der österreichischen Staatsgeschichte an die Wiener Hochschule berufen sein soll.“
Meran, 19. Mai. (Korresp.) Heute rückte um 10 Uhr die zahlreiche Schützengesellschaft von Kaltern unter klingendem Spiele und Pöllerknall ein. Der Empfangsredner Dr. Lentner führte den Hauptmann und den Geistlichen auf die Bühne des Fahnenthurms, und hielt, das kunstreiche Steinbockhorn vor sich, folgende begeisterte Ansprache:
»Gruß Euch, Schützen aus Kaltern! Ihr seht hier das kostbare Geschenk, welches Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Johann dem Schießstande von Meran gemacht hat. Auf dem Fuße dieses Ehrenbechers steht der Spruch: „Ein guter Schütz, eine gute Büchs, ein scharfes Aug, ein starker Arm, ein fester Muth.“ Das Alles bringt Ihr, Kalterer mit! Eure Büchs ist gut; denn zum hohen Ehrenspiele führt der Schütz ja die beste Waffe mit. Euer Auge ist scharf! Vor Euch, Kalterer! Steht ja der hohe Schlern, der Berg von Tirol im Nibelungenliede hochgepriesen, auf den Ihr hinseht, und in weiter Fernsicht das Auge schärft. Euer Arm ist stark! Der Saft der Trauben am Kalterer See stählt ihn zur Kraft des Eisens. Euer Muth ist fest! Er ist ja historisch, Eier Muth, o Kalterer! Denn die Etschländer waren es, welche in der Schlacht bei Sempach 1386 sich um die Ehre des Angriffs auf die Schweizer stritten. So seid Ihr gute Schützen! da Ihr alles zum guten Schützen mitbringt, so werdet Ihr viel Schönes in Eure Heimat mitnehmen. Darum ein Hoch Euch Schützen aus Kaltern!
Der Schützenhauptmann empfing nun den Schützentrunk und brachte ein Hoch auf den Erzh. Johann, auf die Schützenvorstehung in Meran, dreimal Hoch auf unsern lieben Kaiser aus! – Jeder Schütz nahm nun den Schützentrunk.
Um 4½ Uhr begrüßte der Empfangsausschuß am Burgfrieden der Stadt jenseits der Passerbrücke mit einem Lebehoch die Schützengesellschaft aus Innsbruck. Unter hellem Jauchzen, Musik u. dem Krachen der Pöller ging der Zug zur Schießstätte.
Hr. Bürgermeister von Meran trat mit dem Führer der Schützen auf die Bühne des Fahnenthurms und sprach die bedeutsamen Worte: „Die alte Hauptstadt biethet den Schützen aus der neuen Hauptstadt Tirols ihren Gruß! Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Johann hat uns zu diesem ächt tirolischen Feste versammelt, um uns zu einigen und ein Denkmal seiner Liebe allen Tirolern zu setzten. Wir sollen uns beim friedlichen Schützenspiele einigen, um die Sicherheit der Kugel zu erringen und zu erproben, die sichere Kugel in´s Herz der Feinde zu senden. Allen Tirolern setzte der Erzherzog ein Denkmal der Liebe. Denn aus allen Gauen Tirols tragen schußfeste Schützen eine Bestgabe in die Heimat; diese Bestgabe bleibt das theure Andenken an die Liebe des Erzherzoges zu den Tirolern. Darum ein Hoch den Schützen aus der neuen Hauptstadt und vom Inn, daß sie die Weihe? des sichern Schützen mit sich nehmen und ein Denkmal der Liebe an den Erzherzog sich holen.“
Der Führer der Schützengesellschaft David Schönherr erwiderte in kräftiger Ansprache die Worte des Empfangsredners und brachte ein Hoch dem Kaiser, dem geliebten Erzherzoge Johann, dem Grafen von Meran, dieser Hoffnung Tirols, den begeisterten und gemüthlichen Schützenfreunden an der Etsch, die alles so sinnig anzuordnen wissen, endlich der großen, unbesiegten Armee. Mächtigen Wiederhall fanden diese Hoch´s in der ganzen, großen Begleitung.
Auch die Bregenzer Schützen sind bereits angemeldet.
Auch in diesem Monat
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Erzherzog Johann und das Freischießen in Meran
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1851 im Überblick
Das Jahr 1851 war in Meran stark durch das von Erzherzog Johann geförderte öffentliche Leben und bedeutende Veranstaltungen geprägt, darunter das große Schützenfest im Mai mit über 1200 Teilnehmern. Daneben bestimmten religiöse Initiativen wie die Volksmission in Partschins sowie die Eröffnung neuer Wohlfahrtseinrichtungen wie der Kleinkinderwartanstalt das gesellschaftliche Geschehen. Kulturelle Anerkennung erlangte zudem der Bildhauer Franz Pendl durch die internationale Vermittlung seiner Werke. →
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"Schützenfest in Meran und universitäre Berufung von Dr. Albert Jäger." Der Bote für Tirol, 21. Mai 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/21.05.1851/153404/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-05-21-schuetzenfest-in-meran-und-universitaere-berufung-von-dr-albert-jaeger