Schützenfest in Meran: Empfang der Schützen aus Nord-, Süd- und Welschtirol
Bericht über das Schützenfest in Meran im Mai 1851 mit dem feierlichen Empfang auswärtiger Schützenkompanien aus dem Oberinntal, dem Vinschgau, Lana, Dorf Tirol, Marling und dem Stubaital. Neben patriotischen Ansprachen zu Ehren von Kaiser Franz Joseph und Erzherzog Johann wird eine versöhnliche Begegnung zwischen einem deutschtiroler und einem wälschtiroler Schützen hervorgehoben.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 24. Mai. (Korresp.) Heute rückte eine Gesellschaft von Schützen aus Prutz, Ried und Vintschgau ein. Dem Herrn Schützenrathe Siller war das ehrenvolle Amt des Empfangsredners gewiesen. „Ihr Schützen aus Oberinnthal u. Vintschgau! Ich schlage die Ehre, Euch begrüßen zu dürfen, hoch an. Indessen für einen kleinen Mann ziemt sich eine kleine, kurze Rede. Unser Wunsch, Schützen, daß Ihr tief ins Schwarze schießen sollet, ist nicht lügnerisch, er ist aus aufrichtiger Seele gesprochen. Denn unser Herz beschränkt sich keineswegs auf die Mauern, auf den Burgfrieden der Stadt Meran, es reicht bis an die Marken des herrlichen, ruhmreichen, einigen Tirols, und umfängt mit der wahrsten Liebe alle Tiroler in der Nähe und Ferne. Wenn wir Eure Schwarzschüsse mit neidischen Blicken ansehen würden, so müßte eine solche Mißgunst schlecht abstechen gegen die hochherzigen Absichten des Erzherzogs Johann, der bei diesem Feste ganz Tirol einigen will, der allen Tirolern Denkmäler seiner alten Freundschaft geben will. Darum gebietet der Kugel, und schießt tief in die Kreise des Schwarzen, dann seid Ihr uns um so theurer.“ Dieser Rede, mit einem klangvollen Organe gesprochen, folgten die üblichen Toaste.
- 25. Mai. Heute um 11 Uhr wurde die zahlreiche Schützengenossenschaft von Lana empfangen. Herr Oberschützenmeister Dr. Putz und Dr. Theiner beehrten die Gäste mit der freundlichsten Ansprache. Dr. Theiner führte diese Schützen in das Schützenfest durch folgende Rede ein: „Seid uns herzlich willkommen, Schützen aus Lana! Se. kaiserl. Hoh. Erzherzog Johann bot uns eine schöne Gelegenheit, die Kunst des bewährten Schützen zu zeigen. Erprobt also heute das alte Geschick und zwingt mit scharfem Auge und festem Arme zum pünktlichsten Gehorsame das Blei, mit dem Ihr schon oft den Feinden den Kampf heißgemacht. Wenn wir aber das Eine thun, so dürfen wir das andere nicht lassen, und im Sinne des hohen Bestgebers unsere Herzen einigen zu einer Eintracht, zu einer Treue, die so rein werden soll, wie das Glas eines Fernrohrs, welches ohne Mackel und Blasen sein muß. Ich zweifle keinen Augenblick an Eurer aufrichtigen Brüderlichkeit, da Ihr sie im letzten Kampfe bewährt habt, als der Feind seine Fanggarne nach dem schönen jungfräulichen Tirol ausstreckte, so waret Ihr es, die glaubten, daß mit Augenzudrücken, mit Achselzucken und Geschehenlassen nichts geholfen sei. Ihr zoget an die Gränzmarke, den Boden des Vaterlandes zu hüten. Darum Euch Schützen aus Lana ein Hoch! Dem durchlauchtigsten Festgeber ein Hoch! Der Einigkeit, welche ein Ausfluß der reinsten Bruderliebe ist, ein Hoch!“ — Herr Gugger, Bezirksrichter von Lana, beantwortete diese freie Rede und brachte ein Hoch dem Erzherzoge Johann als Hausvater bei diesem Feste, ein Hoch der Hausmutter und dem hoffnungsvollen Sprößlinge beider! Ein helles Glückauf dem jugendlichen Kaiser zu seinem Werke der Einigung Deutschlands! Ein Lebehoch dem Erzherzoge Rainer, der im Stillen Wohlthaten spendend die Bande zwischen dem Kaiserhause und Volke fester bindet!
Eine Stunde später folgten die Schützen von Tirol. Dr. Lentner empfing sie mit bedeutungsvoller Ansprache. „Seid gegrüßt, Schützen von Tirol! Eure Wiege steht an den Mauern der hohen Burg, die dem Vaterlande den Namen gegeben. Würdig seid Ihr es auf diesem berühmten Boden zu siedeln, da Ihr jene Eigenschaften sorgsam gepflegt habt, die des Tirolers hoher Ruhm sind. Denn schirmend umstandet Ihr immer den Thron des Landesfürsten; im Frieden bebautet Ihr fleißig Euer Feld mit rüstiger Kraft; wenn aber von Eurem Hügel die Kreidenfener durch das Land leuchteten, und des Feindes Einbruch meldeten, so waret Ihr die ersten geschaart und gerüstet nach Gebühr die Feinde zu empfangen. Da Ihr Schützen von Tirol den Namen des Landes und des Dorfes tragt, so nehmt auch aus den Bestgaben eine Doppelte zum Andanken mit.“ — Herr Oberschützenmeister machte nach den üblichen Hochs folgende sinnreiche Bemerkung an die Tiroler: „Eure Wohnungen stehen am Fuße der Muttspitze. Die Mutt ist weiblich, Euer Muth aber ist männlich.“ Der Hauptmann brachte nun die übliche Erwiderung.
Um 1 Uhr rückten die Schützen aus Stubai und Marling ein. Die erstern, 15 an der Zahl, führten beide Purtscheller, Vater und Sohn, jeder mit einer goldenen u. silbernen Medaille geschmückt. Empfangsredner war Dr. Lentner. „Ihr unsere nähern Nachbarn aus Marling nehmt es doch nicht übel, wenn ich zuerst an die, welche aus der Ferne kommen, meine Worte richte. Nun, Ihr Männer aus Stubai, da ich Euch hier als Schützenbrüder willkommen heiße, freut es mich ungemein, daß Ihr so weit hergekommen über Berg und Thal, um an unserem Feste, welches uns der hohe bestgeber Erzherzog Johann bereitet hat, Theil zu nehmen. Wenn ich Euch ansehe, so glaube ich die grünen Wiesen und Matten eures schönen Thales vor meinen Augen zu haben. Ich fühle die frischen Lüfte, die über Oetzthal und Sellrain herkommen. Es freut mich doppelt, Euch als Schützenbrüder begrüßen zu können, weil Ihr die beiden ächten Eigenschaften des Schützen vereinigt, Fröhlichkeit und Kraft. Frohsinn lebt und webt ja in Eurer Brust, aus der die Hirtenlieder und Jodler tönen. Und stark seid Ihr wie Eure Berge und kalten Wasser! Wie könnte es anders sein, da Ihr mit gleicher Kraft den Hammer schwingt, und mit gleichem Muthe den Stutzen ergreift. Noch ein Drittes ist es, was mich besonders freut. Wir sehen hier ja, (auf die Pfurtscheller, Vater und Sohn zeigend) alte und junge Tiroler nebeneinander, Vater und Sohn, beide mit dem Zeichen der Treue gegen ihre Fürsten geschmückt hier anno 1797, hier anno 1848.
Ein neuer Beweis für die Wahrheit des Sprüchwortes unserer Väter: „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen.“ Denn der wackere Sohn zeigte sich würdig seines wackeren Vaters, wie alle Stubaier würdig ihrer Führer waren. Darum noch einmal: „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen.“
Schützen von Marling! Wir sehen täglich Euern Thurm vor uns, wir hören täglich die harmonischen Töne Eurer herrlichen Glocke. Es freut uns, daß Ihr gekommen seid, und wir rufen Euch ein herzliches Hoch entgegen! Der alte Pfurtscheller redete still zu Dr. Lentner, welcher laut die Worte des Vaters den Schützen zurief: Also hört Ihr Schützen, der Väter Ehre sei der Söhne Lehre. Ja, fiel der alte Vater selber ein, ja treu bleiben wollen wir unserm Kaiser, u. laßt es ja erst nicht aufs Aeußerste kommen, bis die Gefahr am höchsten steht. Der Kaiser kann uns nicht erst rufen gehen. Wir selber müssen Acht haben, wie es der Väter Brauch gewesen. Dieser Väter Ehre sei der Söhne Lehre. Es lebe hoch der Erzherzog Johann mit seiner ganzen Familie! Es lebe unser junger Kaiser! Es leben hoch unsere Schützenkameraden! Bei diesem Empfange war Erzherzog Johann, welcher sich äußerte, daß er sich lange schon freue, diesen alten Bekannten zu sehen, leider nicht gegenwärtig, da er seine Landsleute von Schönna heute zu Tische geladen hatte.
Eine überraschende Scene zeigte sich jetzt unseren Augen. Ein alter Wälschtiroler ging dem alten Stubaier zu, klopfte ihm auf die Achsel; umarmte und küßte ihn mit dem Feuer der Jugend, indem er zugleich das herzlichste ,,Mio caro“ dem deutschen Mitbruder sagte. Der alte Stubaier antwortete: „Wir wollen brüderlich zusammenhalten, essen und trinken, und miteinander recht lustig sein.“ Möchte diese tiefe Herzlichkeit der Deutsch- und Wälschtiroler, diese Eintracht ihrer Seele mit den beiden alten Männern nicht ins Grab gehen.
Die Zahl der eingeschriebenen Schützen beläuft sich heute auf 1000. Es sollen die Medaillen u. Vierer-Nägel bei der großen Zahl von Schwarzschützen anfangen zu fehlen. Erzherzog Johann heftet selber jedem Schützen diese Ehrenzeichen an die Brust. -
Ueber die Kompagnie aus Klausen und Feldkirch, wie über das Konzert des Hrn. Netzer Morgen Näheres.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1850er4 Schlagwörter
Einzug der Schützenkompanien beim Schützenfest in Meran
Bericht über den feierlichen Einzug verschiedener Schützenkompanien aus Feldkirch, Klausen, Partschins und Algund beim Schützenfest in Meran. Die Delegationen wurden mit Festansprachen empfangen, wobei die Zahl der registrierten Schützen bereits 1200 erreichte.
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Im Mai 1851 trifft Erzherzog Johann mit seiner Familie in Meran ein, um das feierliche Freischießen zu eröffnen. Ein prächtiger Festzug mit Bürgerwehr, Musikkapellen und Schützenkompanien aus ganz Tirol begleitet die Übergabe kostbarer Fahnen und Bestgaben am Schießstand.
- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Schützenfest in Meran und universitäre Berufung von Dr. Albert Jäger
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- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Großes Tiroler Schützenfest in Meran unter Erzherzog Johann
Im Mai 1851 richtet Erzherzog Johann anlässlich seines Einzugs auf Schloss Schenna ein großes Schützenfest auf dem Meraner Schießstand aus. Nach einem feierlichen Festzug durch die Stadt überreicht der Erzherzog einen kunstvollen Ehrenbecher aus Steinbockhorn an die Meraner Schützen und betont die Verbundenheit mit Tirol.
1851 im Überblick
Das Jahr 1851 war in Meran stark durch das von Erzherzog Johann geförderte öffentliche Leben und bedeutende Veranstaltungen geprägt, darunter das große Schützenfest im Mai mit über 1200 Teilnehmern. Daneben bestimmten religiöse Initiativen wie die Volksmission in Partschins sowie die Eröffnung neuer Wohlfahrtseinrichtungen wie der Kleinkinderwartanstalt das gesellschaftliche Geschehen. Kulturelle Anerkennung erlangte zudem der Bildhauer Franz Pendl durch die internationale Vermittlung seiner Werke. →
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"Schützenfest in Meran: Empfang der Schützen aus Nord-, Süd- und Welschtirol." Der Bote für Tirol, 27. Mai 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/27.05.1851/153409/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-05-27-schuetzenfest-in-meran-empfang-der-schuetzen-aus-nord-sued-und-welschtirol