Polemik zwischen dem „Messagiere tirolese“ und der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“
Der Bote für Tirol kommentiert die journalistische Auseinandersetzung zwischen dem „Messagiere tirolese“ und der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ über die Haltung Welschtirols im Revolutionsjahr 1848. Zugleich verlangen die Stadtkomitees von Trient und Rovereto die Offenlegung anonymer Autoren und fordern in einer Steuerfrage eine eigene italienische Kommission.
Vollständige Transkription
Tirol.
Innsbruck, den 1. Jän. Der Messagiere tirolese liegt jetzt in scharfem Kampfe mit der Allg. Augsburger Zeitung, ob der, seinen extravaganten, deutschfeindlichen Separationsgelüsten mit Nachdruck entgegentretenden Artikel „von der Etsch“, die von Zeit zu Zeit im gedachten Augsburger Blatte erscheinen.
Die neueste Nummer des Messagiere vom 30. Dez. bringt vorerst einen längern polemischen Aufsatz vom bekannten Professor Bertanza gegen einen solchen in Nro. 346 der Augsburger Allgemeinen enthaltenen Etschartikel, der als un vero libello incendiario, un miracoloso impasto di falsità ect. ect. bezeichnet wird, und unter Andern –– äußerst naiv –– die Stellung, welche Wälschtirol in seiner, dem deutschen Theil unserer Provinz feindlichen Fraktion während des lombardo-venetischen Aufruhrs und der Schilderhebung des verrätherischen Karl Albert der österreichischen Regierung gegenüber einnahm, als eine ganz unschuldige und loyale darzustellen beflissen ist.
Was diese letzte Behauptung betrifft, so sind wir der festen Ueberzeugung, daß, wenn in Wälschtirol der Aufruhr nicht ganz so wie im Lombardo-Venetischen zum Losbruche kam, dies wahrlich nicht der gut österreichischen Haltung der Wälschtyroler, –– rectius der als Repräsentanten der Stimmung Wälschtirols sich gerirenden Partei, als deren Verfechter Hr. Professor Bertanza auftritt, sondern lediglich der Furcht vor den Kanonen und Bajonetten unserer Heere, und vor den Stutzen unserer Landesschützen zuzuschreiben ist. An bösem Willen wenigstens von Seite der Preti und Signori hat es in Wälschtirol sicher nicht gefehlt. Vielleicht lag auch in der Besorgniß, daß sich auf den Beitritt der armen, von ihren Herrn geknechteten wälschtirolischen Landbevölkerung nicht so ganz zu verlassen sein möchte, wenn es darauf ankäme, gegen die österreichische Regierung loszuschlagen, ein Grund, der die wälschen Parteiführer bestimmte, nicht so ganz scharf aufzutreten, wie ihres Herzens Gelüsten entsprochen hätte. Gab es doch Leute, welche die Stimmung des wälschtirolischen Landvolkes gegen die Signori für eine so wenig günstige hielten, daß sie meinten, es brauchte wenig, um in Wälschtirol eine Wiederholung der bekannten galizischen Schreckensscenen vom Jahre 1846 hervorzurufen — quod absit a nobis.
Uebrigens trat die österreichfeindliche Gesinnung der sogenannten Patriotenpartei in Wälschtirol während jener unseligen Kampfesperiode demungeachtet klar und entschieden genug hervor, um keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, was von dieser Seite für Oesterreich zu hoffen gewesen wäre, wenn unsere Heere, statt zu siegen, unterlegen wären.
Weiters enthält das nämliche Blatt des Messagiere tirolese eine geharnischte Erklärung des comitato municipale von Trient, ddo. 26. Dez. folgenden Inhalts:
„Die Augsburger Zeitung, die schon seit längerer Zeit die Stellung einer traurigen Parteischrift gegen uns angenommen hat, bringt von Zeit zu Zeit für die Kreise Trient und Roveredo höchst infamirende Artikel „von den Ufern der Etsch.“ So wird in den Nummern 354 und 358, abgesehen von allem Uebrigen Trient eine verbrecherische aufrührerische Stadt genannt und man beschuldiget verschiedene Bürgerklassen staatsfeindlicher Korrespondenzen und Pläne. Verachtendes Schweigen war bisher die Antwort auf diese uns von Verworfenen ins Angesicht geschleuderten Beschimpfungen, deren Urheber sich unter dem Schutze des Geheimnisses verstecken. Aber dieses neue Lügengewebe kann der ihm zu Grunde liegenden verwerflichen Absichten wegen, nicht geduldet werden. Es wird daher die Redaktion der allg. Ztg. aufgefordert, die Verfasser jener Artikel bekannt zu geben, damit sie, wenn sie den Muth haben, ihre Anklagen offenen Visiers beweisen, widrigens wir die Redaktion selbst als gemeine Mitschuldige der Schändlichkeit ihrer Korrespondenten ansehen, und somit zur Verantwortung ziehen werden.
Roveredo, 29. Dez. Wir erhalten folgende Mittheilung: Das h. Finanzministerium hat angeordnet, daß, um den von den Komités von Trient und Roveredo vorgebrachten Beschwerden bezüglich der vom Gubernium in Innsbruck auf unsere Weine gelegten Steuer zu entsprechen, eine Kommission von allen Kreisen Tirols ernannt werden solle, um über die gegenständliche Angelegenheit gemeinsam zu unterhandeln und Vorschläge zu erstatten. Die beiden Komités haben nun, um gegen den Grundsatz der Nazionalität, der das gesetzliche Ziel ihrer Bestrebungen und Anstrengungen ist, nicht zu verstoßen, sich entschlossen, eine weitere Petition an das h. Ministerium zu richten, dahin gehend, daß, wie früher bei der Zehentfrage, so auch in diesem Falle den beiden italienischen Kreisen eine besondere Kommission gestattet werde, welche nach, über den Gegenstand der Frage gepflogener sachdienlicher Erhebung und Besprechung, unmittelbar an das Ministerium Bericht zu erstatten habe.
Die beiden Komités von Trient und Roveredo (Messag. tirol.)
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"Polemik zwischen dem „Messagiere tirolese“ und der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“." Der Bote für Tirol, 2. Januar 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/02.01.1849/152690/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-01-02-polemik-zwischen-dem-messagiere-tirolese-und-der-augsburger-allgemeinen-zeitung