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Zur Petition über die Entfernung deutscher Beamten aus den italienischen Landesteilen

Zusammenfassung

Bericht über eine vom Trienter vaterländischen Verein ausgehende Petition zur Abberufung deutscher Beamter aus den italienischen Kreisen Tirols. Der Verfasser beleuchtet die Sehnsucht der Beamten nach einer Rückkehr in ihre Heimat und warnt vor den Grundsätzen der Gegenseitigkeit in anderen Reichsteilen.

Vollständige Transkription

Südtirol, den 25. Dez. Man spricht hier seit einigen Tagen von einer, an das Ministerium gerichteten Petition um Entfernung der deutschen Beamten aus den zwei italienischen Kreisen, welche vom vaterländischen Vereine in Trient ausging, und auch den verschiedenen Gerichtsbezirken zur Sammlung von Unterschriften mitgetheilt wurde. Ob nun diese Petition dem Gesammtwillen der hiesigen Bevölkerung oder vielmehr den Separatgelüsten einiger mißvergnügter Beamten italienischer Zunge ihre Entstehung verdanke, dieß wollen wir dahin gestellt sein lassen, aber gewiß ist es nur im Interesse derjenigen, um deren Entfernung man petitionirt, von Herzen zu wünschen, daß diesem Gesuche gnädiges Gehör verliehen, und eine recht baldige Erledigung zu Theil werde.

Es kann selbst dem Wälschtiroler nicht unbekannt sein, daß mit Ausnahme von wenigen, die durch Familienverhältnisse an die italienische Scholle gebunden sind, nicht nur seit Monaten, sondern schon seit Jahren eine Zurückberufung auf den heimathlichen Boden der sehnlichste, der einzige Wunsch der dahier weilenden deutschen Beamten ist, und daß die Erfüllung dieses Wunsches größtentheils nur durch die, von den Oberbehörden getroffenen Maßregeln vereitelt wurde.

Wir wollen nun nicht auf die Ursachen dieses Heimwehes zurückgehen, und wollen uns nicht mit Entwicklung der Gründe abgeben, die eine Versetzung deutscher Beamten nach Südtirol rechtfertigen, und auch nicht den Umstand näher erörtern, daß eben Wälschtirol in Folge der Abneigung einer großen Zahl seiner Sprößlinge gegen den Staatsdienst, und gegen höhere Studien überhaupt eine solche Maxime selbst hervorgerufen hat, dieß sind Gegenstände, die schon zu oft beleuchtet wurden, als daß es nöthig wäre, noch Worte darüber zu verlieren, um sich damit die Vorwürfe der Unverträglichkeit zu erkaufen. Aber nur Eine Bemerkung sei uns vergönnt, nur Eine Frage erlauben wir uns an die Theilnehmer jener Petition zu stellen, nämlich, ob sie sich bei Unterfertigung derselben der Zahl ihrer Patrioti bewußt waren, die in andern Provinzen und selbst in Deutschtirol die angesehensten Stellen bekleiden, ob sie dabei bedachten, daß hinsichtlich dieser, von Seite der andern Provinzen und der übrigen Theile Tirols die strengste Reziprozität beobachtet werden würde?

Bei all der Spannung, die gegenwärtig zwischen den verschiedenen Nationalitäten herrscht, war keine deutsche Provinz, kein anderer Landestheil so frech, die Entfernung der dort angestellten Beamten wälschtirolischer Abkunft zu verlangen; aber das Ergreifen der gedachten Maßregel muß auch trotz der allgemeinen Achtung und Schätzung, die man diesen Beamten mit Recht zollt, eine ähnliche Erwiederung solcher nachbarlicher Zuneigung hervorrufen.

Wurde die Forderung im Interesse des Wohles der südtirolischen Bevölkerung begründet, so scheinen uns ein paar hundert Unterschriften keine genügende Gewährschaften für das Gesammtwohl zu biethen, und nicht den Ausdruck des Gesammtwillens des Volkes zu bilden; lag der Grund dazu in Ehrgeitze und in den Beförderungsgelüsten Einzelner, so verdienen diese das allgemeine Mitleid, daß sie ihr Spekulationsgut diesmal verlassen hat, und hielten es die betreffenden Bittsteller dennoch in der Wohlfahrt der Gesammtheit und im Interesse ihrer selbst gelegen, die Petition zu stellen, so hätten wir ihnen gerathen, dieselbe auch den hiesigen deutschen Beamten selbst zur Unterfertigung darzubiethen, denn an dieser hätten sie nicht zweifeln dürfen, und die Erreichung ihres Zweckes würde ihnen dadurch nur desto gesicherter.

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"Zur Petition über die Entfernung deutscher Beamten aus den italienischen Landesteilen." Der Bote für Tirol, 28. Dezember 1848. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/28.12.1848/152688/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1848-12-28-zur-petition-ueber-die-entfernung-deutscher-beamten-aus-den-italienischen-landes