Der Bote für TirolOriginalquelle ansehen

Vorbeugung von Unruhen um die Brauerei Schwarz in Bozen

Zusammenfassung

Ein Bericht aus Bozen schildert die Abwendung befürchteter Unruhen gegen die Pächter der Karlischen Brauerei. Durch das Eingreifen des Kreisamtes, der Nationalgarde und des k. k. Militärs konnte die öffentliche Ordnung vollständig gewahrt werden. Die Bürger verurteilen gewaltsame Selbsthilfe und setzen auf eine behördliche Beschwerde an das Ministerium.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Tirol.

Botzen, den 10. Nov. Zur Vermeidung von Entstellungen und Uebertreibungen unserer jüngsten Erlebnisse ersuche ich Sie folgende unparteiische Erzählung derselben in Ihr geschätztes Blatt aufzunehmen.

Die hiesigen Gebrüder Schwarz, Pächter der Karlischen Brauerei, hatten in letzter Zeit auf mehrfache Weise die Ungunst der nahen Bevölkerung auf sich gezogen, und den Behörden waren seit einigen Tagen verschiedene Anzeigen zugekommen, die auf gestern einen gewaltthätigen Ausbruch dieses Volksunwillens besorgen ließen.

Das k. k. Kreisamt forderte daher das hiesige provisorische Nationalgarde-Kommando auf, die nöthigen Maßregeln zu treffen, um etwaigen Unordnungen zu steuern, Personen und Eigenthum zu schützen.

Der Nationalgarde-Verwaltungsrath hielt es für seine Pflicht dieser Aufforderung zu entsprechen, und beschloß einstimmig beim ersten Tumult sämmtliche fünf Kompagnien vor dem Schießstandsgebäude zu versammeln und dort die weitern Verfügungen des k. k. Kreisamtes abzuwarten.

Um das gesammte Korps von diesen Dispositionen und deren pflichtgemäßen Zweck zu verständigen, wurde im großen Saale des Merkantilmagistrates auf vorgestern eine allg. Versammlung veranstaltet, in welcher zwar viele Garden ihren Unwillen über das Benehmen der Geb. Schwarz aussprachen, wobei aber die Ordnung und Disciplin nicht im geringsten verletzt wurde.

Auch der gestrige Tag verlief ganz ruhig. Die Gebrüder Schwarz hatten sich in aller Frühe von hier entfernt, vor der Karlischen Brauerei war k. k. Militär aufgestellt, und die öffentliche Ordnung wurde keinen Augenblick gestört.

Heute hörte man von allen Seiten die unüberlegter Weise stattgefundenen Drohungen mißbilligen, und alle Gutgesinnten sprechen offen ihren Abscheu gegen jeden Akt gewaltsamer Selbsthülfe aus, wogegen eine Vorstellung an´s Ministerium um Abhülfe mancher Uebelstände, wodurch die Aufregung hervor gerufen wurde, allgemein gebilligt wird.

Auch in diesem Monat

1848 im Überblick

Das Jahr 1848 war in Meran und Tirol von den revolutionären Umwälzungen, der verfassungsmäßigen Neuordnung und den Auswirkungen der italienischen Aufstände geprägt. Neben der militärischen Landesverteidigung und der Unterstützung verwundeter Soldaten standen die Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung sowie der politische Diskurs über nationale und regionale Fragen im Mittelpunkt. Das Jahr klang schließlich mit institutionellen Veränderungen, darunter dem Thronwechsel zu Kaiser Franz Joseph I., und einem sich verschärfenden Nationalitätenkonflikt aus. →

Zitieren & Teilen

"Vorbeugung von Unruhen um die Brauerei Schwarz in Bozen." Der Bote für Tirol, 12. Dezember 1848. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/12.12.1848/152679/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1848-12-12-vorbeugung-von-unruhen-um-die-brauerei-schwarz-in-bozen