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Eröffnung des kaiserlichen Freischießens in Meran

Zusammenfassung

Bericht über die feierliche Eröffnung des kaiserlichen Freischießens in Meran am 29. September 1850 unter Anwesenheit von Vizekönig Rainer und weiteren hochrangigen Gästen. Die Festrede von Oberschützenmeister Dr. Anton Putz beleuchtete die historische Bedeutung des Tiroler Schützenwesens.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, am 1. Okt. (Korresp.) Sie begreifen es wohl, daß man nicht alsogleich mit der Feder zur Hand sein kann, über Dinge zu berichten, bei deren Gestaltung man selbst thätigen Antheil nimmt, und darum verzeihen Sie, daß aus meinem heutigen Schreiben ein hinkender Bothe geworden. Am 29. Sept. begann hier, wie bekannt, das kais. Freischießen. Der Festzug, wovon Sie vor einigen Tagen einen Auszug aus dem Programm gegeben, setzte sich vom Vintschgauerthore nach 11 Uhr in Bewegung. Vor dem Amtsgebäude am Rennwege hatte die Bürgerwehr ein Carré gebildet, innerhalb dessen die kais. Hoheiten, der Vicekönig Rainer, die Vicekönigin, die Prinzen Rainer und Heinrich versammelt waren, umgeben von ihrem Gefolge, den k. k. Behörden, worunter auch der Hr. Kreispräsident Graf Fünfkirchen, und dem Gemeinderathe. Links und rechts am Eingange webten die schwarzrothgoldenen, grünweißen und rothweißen Festfahnen, getragen von 14 Studirenden, und im Hintergrunde standen 24 Knaben mit den übrigen Gewinnsten. Herr Bezirkshauptmann Kopp sprach von der Wichtigkeit des Festes und des Kaisers Gnade und bat Se. kais. Hoheit den Vicekönig, die Beste zu übergeben, welche Dr. Anton Putz, der Oberschützenmeister, mit warmem Danke entgegennahm. Eine Liedertafel, die sich aus den vorzüglichsten Sängern Deutschtirols dieser Tage gebildet, sang ein Weihelied, und der Zug verfügte sich nun in der Ordnung des Programmes unter wechselnder Blechmusik und Männergesang nach der Schießstätte. Unter den Schützengästen, die sich angeschlossen, sahen wir mit herzlicher Freude unsere lieben Nachbarn von Bozen in großer Anzahl mit Fahnen und Zielern, und selbst der italienische Theil hatte einen wackern Vertreter gesandt in dem Schützenmeister von Strigno, dem Grafen Firmian. Auf der Schießstätte mit ihren zahllosen flatternden Fähnchen, mit den sinnigen Sprüchen und den grünen Festons begann nun ein rühriges Leben und Treiben; die Fenster und die Altane wurden zum Rahmen für schaulustige Damen und Herren in feiner Toilette, und der Pavillon des Fahnenthurms nahm die kais. Hoheiten den Vicekönig, die Vicekönigin und Prinzen und die jugendlich schöne Prinzeß Wasa auf, in deren Umgebung wir jetzt auch Marschall Marmont, Grafen Wolkenstein, Gräfin Esterhazy und Gräfin Leyden, die berühmte Schützin, bemerkten. Nach der Ankunft am Schießplatze schwang ein Bauernjunge unter dem Schalle der Trommel und Schwögel die Fahne, ein Gebrauch, der wie so mancher schöner Ueberrest aus den Tagen der Romantik hier Landes noch in unsere flache moderne Zeit herüberragt. Der Oberschützenmeister Dr. Anton Putz trat nun in die Mitte des Carrés und würdigte in seiner lebendigen Redeweise die Bedeutung des Festes. Er wies auf das neuerstandene Schießhaus, auf seinem Giebel trage es seine Bestimmung: „Mit Gott für Kaiser und Vaterland!“ Die Inschriften auf der Verschalung, die Trophäen an den Streben und Wänden mit den Jahreszahlen sprächen es aus, was die Tiroler in ernsten Epochen gethan; die Zeiten der französischen Invasionen, die letzte ruhmvolle Vergangenheit in dem wälschen Kriege seien die Früchte dessen, was der Kaiser Max gepflanzt (1511), der Fürst, dessen Name im Munde des Volkes lebt immerdar.

Die Liebe des Volkes, oder wie die Sage erzählt, ein Engel sei es gewesen, der den erlauchten Schützen von dem Tode auf der Martinswand gerettet, aber auch dessen Sprößlinge haben dieses Dienstes nicht vergessen, und seien die Schutzgeister geworden für das Schützenwesen so oft es in der Gefahr schwebte zu zerfallen. Max der Deutschmeister (1665) und Leopold mit seinen Ständen (1704) hätten das Institut gekräftigt und weiter gebildet, und endlich habe Ferdinand der Gütige in das biedere Volk neuen Geist und neue Liebe zu seiner altbewährten Wehrkraft gelegt (1845). Und so habe denn seine Gnade das Kaiserschießen gegründet, ein Kampfspiel, auf dem der Schütze die errungene Fertigkeit in Handhabung der Waffe erproben möge, ein Fest des männlichen Wettstreites; aber nicht blos zu edlem Wettkampfe rufe es die wehrhaften Schaaren aus allen Gauen aus Ost und West, aus Nord und Süd zusammen, es rufe sie zu gemeinsamer Freude und Geselligkeit, um einen Kern zu bilden, daß sich an ihm ein rüstiges frohes Volksleben ansetze, um brüderlichen Sinn zu wecken und zu stärken, um das Band zur Einigkeit und Einheit fest und fester zu knüpfen für die Tage des Friedens; für die Tage der Gefahr! Und heute nun sei jener Augenblick gekommen, an dem dieses Nationalfest in dem Herzen Tirols, in Meran, zum ersten Male begangen werde, ein Fest, so gefeiert und geliebt von tirolischer Manneskraft, und so huldreich geschützt und gewährt durch die Gnade unseres ritterlichen Kaisers Franz Joseph, dem er ausbringe ein herzliches dreifaches Hoch: „Es lebe unser jugendlicher, konstitutioneller Kaiser!“ Aus tausend Kehlen erscholl der Hochruf, die Böller wurden gelöset, und die Liedertafel stimmte unter Musikbegleitung das Kaiserlied an, wozu Dr. J. F. Lentner einen neuen zeitgemäßen Text gedichtet hatte, den ich Ihnen im Anzuge übersende. *) Jetzt wurden die Schützenfahnen Merans u. der Bozner Schützengesellschaft am Fahnenturme aufgepflanzt und der Ehrenwein aus einem großen Trinkhorn gereicht, während die Liedertafel ein Feierlied sang. Zum Schlusse bestieg Dr. Putz die Rednerbühne und erklärte das kais. Freischießen von Meran für das Jahr 1850 eröffnet.

Am Abende war Serenade im Schlosse Winkel zu Ehren des Geburtsfestes Se. kais. Hoh. des Vicekönigs Rainer, wobei die Liedertafel mit ausgezeichnetem Beifalle mehrere schöne Chöre vortrug.

*) Wir werden dieses Kaiserlied sowie die übrigen Festgesänge in unserm nächsten Feuilleton bringen.

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"Eröffnung des kaiserlichen Freischießens in Meran." Der Bote für Tirol, 3. Oktober 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/03.10.1850/153215/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-10-03-eroeffnung-des-kaiserlichen-freischiessens-in-meran