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Abschluss des kaiserlichen Freischießens in Meran und Besuch Erzherzog Johanns

Zusammenfassung

Ein ausführlicher Bericht über den feierlichen Abschluss des kaiserlichen Freischießens in Meran im Oktober 1850. In Anwesenheit von Erzherzog Johann, Vizekönig Rainer und Prinz Heinrich fand die Preisverteilung samt Festansprachen statt, gefolgt von abendlichen Feierlichkeiten.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 14. Okt. Das war einmal ein Tag, wie ich hier noch keinen erlebte, ich sah und fühlte das erste Mal jenes gewisse Etwas, das man Volksleben nennt. Nichts Gemachtes konnte man in dem Vergnügen erblicken, Alles entwickelte sich aus sich selbst, und was um so wohlthuender wirkte, unser Landvolk, das sonst in unbeweglicher Masse bei Alledem was vorgeht höchstens den Antheil eines unbetheiligten Zuschauers übernimmt, war heute lebendig und selbstthätig geworden. Wie das nach dem Gabensaale sich drängte und die Fahnen und anderen Gewinnste mit freudigem Auge musterte, wie es den Kletterbaum umlagerte und die kecken Knaben, die nach den Besten emporstrebten, bald mit freundlichem Zuspruche, bald mit witzigem Tadel anspornte, wie es der anrückenden Musikkapelle nachströmte, und endlich den Fahnenthurm in der Runde umzog, sehnlich harrend auf den Augenblick, wo „die Herren von der Bühne predigen werden.“ Es war eine allgemein gefühlte, eine erhebende Feier, - es galt dem Schlusse des kaiserlichen Freischießens. Die dritte Nachmittagsstunde kam, die Stutzenschüsse waren verstummt, und das Gekrache der Pöller verkündete die Vertheilung der kaiserlichen Gaben. Die Altane und die Fenster des Schießhauses waren dicht besetzt von Damen und Herren aus Nah und Fern, auf dem weiten Platze wogte das Landvolk in seinem malerischen Sonntagsstaate und alsbald wehten die Bestfahnen im Halbkreise vor der Tribüne des Fahnenthurms, auf der die kais. Hoheiten, der Erzherzog Reichsverweser, Vizekönig Rainer und Prinz Heinrich, umgeben von Höchsideren Gefolge und den Behörden, Platz genommen hatten. Dr. Anton Putz, der Schützenmeister, gefolgt von einem Festordner, der das Trinkhorn trug, stieg auf die Bühne, und hielt eine Anrede, das Freischießen werde nunmehr nach des Kaisers Gnade in Friede und Freude geschlossen, und ein erlauchter Gast, ein vielbewährter Freund und Beschirmer des Schützenwesens erweise die hohe Ehre, die Preise an die wackern Gewinner zu vertheilen. Unter dem Klange der Musik und dem Knalle der Mörser traten auf Aufforderung eines Schützenrathes die Preisträger hervor und empfingen aus der Hand des Erzherzogs Johann die kaiserlichen Gaben. Erlauben Sie mir, daß auch ich Ihnen die tüchtigen Männer der Reihe nach vorführe:

Hauptbest Nr. 1: 1) Lorenz Meilinger von Toblach (der lustige Lenz). 2) Dr. Anton Putz, Oberschützenmeister von Meran. 3) Anton Oberheidacher von Bozen. Nachgelesen wird: Thomas Oberschneider von Bozen.

Hauptbest Nr. 2: 1) Johann Georg Prey von Niederdorf. 2) Peter Telser von Schlanders. 3) Elsler Michael von Meran. Nachgelesen werden: Joachim Unterplatzer von Kastellruth. – Christian Mayr von Kastellbell.

Hauptbest Nr. 3: 1) Bartlmä Salzmayr von Telfs. 2) Georg Mader von Steinach. 3) Christian Mayr von Kastellbell. Nachgelesen wird: Alois Pomela von Kurtatsch.

Hauptbest Nr. 4: 1) Mathias Tummler von Schlanders. 2) Joseph Hartler von Natters. 3) Joh. Gleirscher von Vulpmes. Nachgelesen werden: Joh. Bacher von Sillian. Joachim Unterplatzer von Kastellruth. Franz Huber von Andrian.

Die Weitfahne, eine Prämie für den von weitester Ferne zugereisten deutschen Schützen erhielt Dr. v. Franzius aus Danzig.

Das reich in Gold gestickte Band, ein Geschenk der Frau Bezirkshauptmännin Kopp, für jenen Meraner, der auf den vier Hauptbesten die meisten Schwarzschüsse traf, hatte erobert Dr. Anton Putz, der Oberschützenmeister, der überdieß auch eines der ersten Schleckerbeste davonträgt.

Fortan war großer Jubel unter den Preisträgern, und besonders der Oberschützenmeister überließ sich ganz und gar seiner Freude, in der er strahlenden Angesichts wieder auf die Bühne eilte, um unter den wärmsten Dankbezeigungen Lebehochs auszubringen auf den allerhöchsten Bestgeber, Se. Maj. den Kaiser, auf Erzherzog Johann, den Bestvertheiler, auf das vielgeliebte Haus Oesterreich, und alle die Schützen, die an dem Feste Theil genommen. Der EH. Reichsverweser trank aus dem Horne, während tausendstimmig das Hoch sich zu den Lüften hob, und als es wieder ruhig geworden, begann Hochderselbe mit klarer fester Stimme eine feierliche und doch so herzliche Ansprache, deren Worte nicht wiedergeben zu können ich von Herzen bedaure; doch sei es mir gestattet, Sie mit dem beiläufigen Sinne derselben bekannt zu machen:

„Ein alter Schütze erlebt die Freude, jenes Land wieder zu sehen, wo er das Schießen erlernt, ja es ist ihm vergönnt, in der Stadt Meran ein Schützenfest mitzufeiern, das so schön und so würdig begangen wird. Ich komme als der alte Genosse, aber ich finde auch das alte Tirol, es ist dasselbe, das den Wahlspruch unserer Väter, den wir auf unsere Enkel vererben wollen, festhält: Mit Gott für Kaiser und Vaterland! In diesem Spruche ist Alles gesagt, was ein tirolisches Herz empfindet, er war auch stets Mein Wahlspruch und ich weiß, Jeder, der auf diesem Platze steht, fühlt ihn mit Mir. Wir wollen daran festhalten, dann werden wir auch immer sein und bleiben was wir gewesen. Es ist jetzt Friede im Land, darum mögen wir uns erlustigen am Kampfspiele der Schützen, das ist ein Fest der Freude für uns Alle. Wir wollen hoffen, daß der Friede dauernd sei, doch wenn es anders käme, wenn wir unsere Grenzen, Berg´ und Thäler, Weib und Kinder schützen sollen, wenn uns der Kaiser ruft, dann werden wir ebenso in Eintracht zusammenstehen, wie jetzt in fröhlicher Zeit, und werden uns bewähren. – Hier ist der Ehrenwein, Ich bin erfreut an diesem festlichen Tag, an dieser geschmückten Stätte ihn Euch ausbringen zu können, tirolische Männer. Ich nehme ihn und trinke, und Jeder spricht es mir nach: Meinem Kaiser ein hoch! – Das Land Tirol, fest wie seine Berge, unerschütterlich, unveränderlich, das alte und das treue, lebe hoch! – Die Schützen von Tirol, meine lieben Gefährten in Freud und in Leid, hoch! – Die Stadt Meran, das Herz des Landes, hoch! (Jedem Spruche folgten stürmische Hochs.) Und nun meine lieben Schützen und Schützenfreunde: im nächsten Jahr, wenn im Mai Alles blüht, sehen wir uns wieder, da gebe Ich Mein Schießen. Ich bringe meinen Stutzen mit, und da wollen wir zeigen, was wir noch können, und so lade Ich Euch Alle freundlichst dazu ein. Behüt Euch Gott! Auf Wiedersehn!“

Lautes Rufen, Jodlen und Gejauchze hallt vieltönig durcheinander, und mit Mühe erringt der Oberschützenmeister das Wort, um seinen Dank zu wiederholen dem Erzherzog Johann, der das Fest besucht, die Gaben vertheilt, den Tirolern die Gesundheit ausgebracht und das edle große Versprechen gethan, den Meranern im Frühjahr ein Schießen zu geben. Jezt brachte er noch ein Hoch dem EH. Heinrich, dem durchlauchtigsten Grundsteinleger, worauf unter dem Schalle der Volkshymne die hohen Gäste von den anwesenden Behörden und vereinigten Ausschüssen in Höchstihr Hotel geleitet wurden. Etwas später zogen die Preisträger mit klingendem Spiele in ihre Wohnungen.

Des Abends 7 Uhr versammelte sich im Gasthofe zum EH. Johann eine äußerst zahlreiche Gesellschaft, in der wir zu unserem besonderen Vergnügen das zarte Geschlecht glänzend vertreten fanden. Die Fräulein Fanny Kink und Bianka v. Gasteiger, die vielgelobte Liedertafel mit ihren vorzüglichen Tenoristen Niederegger und Bassisten v. Weinhart, und der Pianist Klebelsberg wußten mit ihren Gesängen und Klängen die Gäste in einen solchen Zauberkreis zu bannen, daß ein bedeutendes Fähnlein erst mit dem Hahnenrufe in sein Lager heimkehren konnte. Ueber die Leichen der geköpften Champagner-Flaschen schritt es der Ruhe zu. Darnach mögen Sie die Lustbarkeiten und den Frohsinn, der da gewaltet, bemessen. Das war der Schluß des Festes!

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"Abschluss des kaiserlichen Freischießens in Meran und Besuch Erzherzog Johanns." Der Bote für Tirol, 18. Oktober 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/18.10.1850/153228/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-10-18-abschluss-des-kaiserlichen-freischiessens-in-meran-und-besuch-erzherzog-johanns