Besuch von Erzherzog Johann und Vorbereitungen zum Kaiserbesuch in Meran
Erzherzog Johann trifft unter feierlichem Empfang zum Landesschießen in Meran ein und besucht den Schießstand sowie Schloss Schenna. Zugleich wird die bevorstehende Ankunft von Kaiser Franz Joseph angekündigt, während Teilnehmerzahlen und Treffer des Schützenfestes vermeldet werden.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 11. Okt. Gestern als es schon Nacht geworden war, begann ein rühriges Leben auf der Passerbrücke; leuchtende Fackeln warfen ihr helles Licht auf die verschiedenen Gruppen der harrenden Menge über die hoch empor die grüne Ehrenpforte ragte mit ihren glänzenden Schilden und wallenden Fähnlein. Eine Abtheilung Bürgerwehr, die Musikkapelle, Trommeln und Schwögler standen auf beiden Seiten der Straße und dazwischen erblickte man die Mitglieder der vereinigten Ausschüsse mit ihrer Fahne. Es galt dem Empfange eines erlauchten Gastes, des vielgeliebten Erzherzogs Johann. Jetzt rollte der Wagen herbei: Bürgermeister Haller drückte zum Willkomm die Freude aus über den hohen Besuch unseres nationalen Festes und erging sich in dankbaren Erinnerungen dessen, was Se. kais. Hoheit für das tirolische Schützenwesen durch lange Zeitläufte so huldvoll gewirkt. Schließlich sprach er von der allseitigen Theilnahme der Schützen und hob besonders hervor, daß das patriotische, treue Fleimserthal viele seiner wackersten Bürger hieher gesendet, als deren Repräsentanten er den Hrn. Schützenhauptmann Agostini, den hochverdienten Kämpfer aus der letzten Vergangenheit vorzustellen sich erlaube. Der leutselige Erzherzog-Reichsverweser begrüßte den Herrn Hauptmann als einen alten Bekannten, dankte für die Aufnahme, die man Ihm bereite, und gedachte in kurzen Worten jener bewegten Zeit, wo Er in das Land gekommen, um das tirolische Aufgebot zu organisiren, dem Er sich so gerne an die Spitze stellte, hätten nicht höhere Pflichten Ihn auf eine andere Stelle gerufen. Nunmehr aber nach fast dreijähriger Trennung komme Er wieder und bringe den lieben Tirolern sein altes Herz! Unter Lebehochrufen der nachströmenden Menge und dem Klange der Volkshymne verfügte sich der hohe Gast in das nach seinem Namen benannte Hotel. Heute in den Vormittagsstunden beehrte der Erzherzog die Schießstätte, besichtigte aufmerksam die Räumlichkeiten und begrüßte hin- und wiedergebend in seiner einnehmenden Weise manchen der umstehenden Bekannten, worunter besonders einige Bewohner des Fleimser Thales bemerkbar waren. Im Gabensaale würdigte Hochderselbe die sinnige Ausschmückung, die treffenden Inschriften und Sprüche, und spendete vorzüglich zweien Scheiben ein herzliches Lob: in die Eine hatte Erzherzog Heinrich bei der Grundsteinlegung des neuen Schießstandes einen tiefen Vierer geschossen; die Andere, eine der heurigen Stechscheiben, trägt in Einer Landschaft das Schloß Tirol und das Wirthshaus am Sand mit der Inschrift:
„wie nachbarlich beim Stammschloß sich hebt das Haus am Sand,
So Volkestreu allzeit beim Fürstenthrone stand.“
Als der Ehrentrunk aus dem großen Büffelhorne gereicht wurde, meinte der Erzherzog: „das nächste Jahr, wenn Ich das Schießen gebe, müssen wir wohl aus einem schönern Horne, aus einem Steinbockhorn trinken; überhaupt werden die Herren Mir beistehen, um das Fest so schön als möglich geben zu können, und damit uns auch das Wetter begünstige, wählen wir eine etwas frühere Jahreszeit, etwa zu Anfang September.“
Sie begreifen wohl, welche tiefgefühlte Freude diese Worte des vielgeliebten Erzherzogs nachriefen. Heute Nachmittag besuchte Hochderselbe die Besitzung seines Sohnes, des Grafen von Meran, das Schloß Schenna.
Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph wird, wie die neuerlichst angekommenen Nachrichten melden, am 15. d. M. hier eintreffen *). Seiner Gnade verdankt der Schießstand ein in der jüngsten Zeit übersendetes Geschenk von 25 Stück Dukaten.
Das Einlagebuch, des eben abgeschlossen wird, weist die Zahl von 634 Schützen nach. Der vorgeschrittenen Jahreszeit und der Ungunst der Witterung während der ersten Woche ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß der Besuch nicht stärker ausfiel. Centrumschüsse auf den Hauptscheiben zählen wir bis jetzt 17. Wenn ich nicht irre, that ich im letzten Briefe Meldung von 6 Centrumschüssen und benannte die betreffenden 5 Schützen; Ich trage daher heute die übrigen nach, als: Georg Mader von Steinach, Bartlmä Salzmair von Telfs - dieser ritterte das Centrum -, Joseph Gleirscher von Vulpmes, Thomas Oberschneider von Botzen, Joachim Unterplatzer von Kastelruth, Joseph Hartler von Natters, Franz Huber von Andrian, Michael Elsler von Meran, Peter Telser von Schlanders, Lorenz Meitlinger von Toblach, Anton Oberhaidacher von Bozen. Die Namen der bezüglichen Schützen werde ich gelegentlich nachtragen. Das Schießen wird wahrscheinlich um einige Tage verlängert werden.
*) Wie bekannt, ist die Reiseroute geändert worden.
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"Besuch von Erzherzog Johann und Vorbereitungen zum Kaiserbesuch in Meran." Der Bote für Tirol, 14. Oktober 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/14.10.1850/153224/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-10-14-besuch-von-erzherzog-johann-und-vorbereitungen-zum-kaiserbesuch-in-meran