Feier des kaiserlichen Namensfestes und Schützenfest in Meran
Bericht über die Feierlichkeiten zum Namensfest von Kaiser Franz Joseph I. im Gasthof zum Erzherzog Johann in Meran mit zahlreichen Ansprachen sowie über den Auftakt des dortigen Schützenfestes.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 4. Okt. Gestern Abends 5 Uhr versammelte sich eine sehr zahlreiche Gesellschaft der k. k. und städtischen Behörde, der Schützen und Schützenfreunde im Gasthofe zum Erzherzog Johann und feierte das hohe Namensfest Sr. Majestät unseres Kaisers Franz Joseph. Der freundliche geräumige Saal, die reichliche vorzügliche Bewirthung und die muntern Töne der Musikkapelle, die sich auf dem Sandplatze aufgestellt hatte, waren ganz geeignet, die Heiterkeit des Festes zur Tafelfreude zu gestalten. Schon hatte sich reges Leben entfaltet, da trat Franz Putz in die Mitte des Saales und trug einen Prolog vor, *) an den der Oberschützenmeister Dr. Anton Putz einen Toast auf Se. Majestät den Kaiser, den hohen Bestgeber, anschloß. Unter wiederholten Lebehochrufen stimmten die Musikkapelle und sämmtliche anwesende Gäste das Kaiserlied an, worauf Herr Bezirkshauptmann Kopp die Trinksprüche auf das a. h. Kaiserhaus, namentlich Se. Majestät den Kaiser Ferdinand, den Begründer des neuen Schützenwesens, die kaiserlichen Hoheiten, den leutseligen Vicekönig Rainer und Erzherzog Heinrich, den vielerprobten Schützen; der Hr. Bürgermeister Haller auf Se. kaiserliche Hoheit den Erzherzog Johann, den treuen Gefährten der Geschicke Tirols und dessen erlauchten Sprößling, den hoffnungsvollen Grafen von Meran, ausbrachten. Diese Reihe schloß Dr. J. F. Lentner mit einer improvisirten begeisternden Ansprache, deren beiläufigen Sinn zu geben Sie mir wohl erlauben werden. „Ihm habe man die Freude gegönnt die Schützen und Schützenfreunde, die aus Nah und Ferne herbeigekommen, heute zu begrüßen und ihnen den Brudertrunk auszubringen, und so möge es ihm gestattet sein zu sagen, was die freundlichen Gäste zu unserm nationalen Feste mitgebracht: es ist „die Schützenlust – die Lust an der Masse!“ In der Lust des Mannes zeigt sich sein Charakter, dreimal gesegnet das Volk das seine Lust an der Waffe findet, das sein volksthümliches Fest mit den Waffen feiert. Wackeres Tiroler Volk, soweit dein Auge in die Vergangenheit zurückschaut, siehst dich im Waffenschmuck, mackellos und ehrenvoll. Gar manche Stämme wohnen hüben und drüben, ober und unter dir, doch die Waffe findest in ihrer Geräthschaft nicht. Dir nahm sie kein Fürst, wohl aber haben sie Söhne Habsburgs in schwerer wie in guter Zeit zu Tausenden sie in deine Hand gelegt. Ein Griff an die Wand, und du stehast da ein ganzer Mann!Wehe wer dem Kinde Waffen zum Spielen giebt; du aber bist ein erprobter Kämpe, du weißt das Spiel in seinem Ernste zu erfassen. Was du heute in harmloser Lust geübt, das bewährest treu und unerschrocken, wenn die Würfel blutig fallen. Zum Schlusse die Worte die auf einer unsrer Scheiben stehen: Was im Baum der Kern, das ist und soll das Schützenthum bleiben im Volke von Tirol. Und so trinke ich ein feierliches Hoch dem ernsten Spiel, der Schützenlust; ein dreifaches Hoch den liebwerthen Schützen und Schützenfreunden.“ Diese Worte, den Schützen so ganz und gar aus dem Herzen gegriffen zündeten allwärts und riefen einen unbeschreiblichen Enthusiasmus wach, der sich endlich mit lautem jauchzen schloß. Nunmehr wechselten Trinksprüche und feuriger Gesang der Liedertafel bis in vorgerückter Stunde das Fest schloß.
Die Witterung war bisher ungünstig und erst mit dem heutigen schönen Tage scheint die Einleitung getroffen zu sein, zu jenen herrlichen Herbsttagen, die Meran zu dieser Zeit besonders angenehm machen. Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die Nummer der angekommenen Schützen bisher erst gegen dreihundert aufstieg. Von Erzherzog Heinrich zählen wir zur Stunde 3 Schüsse und zwar lauter Schwarzschüsse, nämlich: zwei Dreier und einen Einser. Centrumschüsse fielen bisher auf dem Hauptscheiben sechs. Zwei schoß an einem Tage der jugendliche Christian Mayr von Kastellbell, einen Joseph Tummler von Schlanders der unter 12 Schüssen auf den Hauptbesteb einben einzigen außer dem Zuge lieferte und einen Zweier ritterte. Die übrigen sind Alois Pomela von Kurtatsch, Johann Becher von Sillian und Johann Georg Preu von Niederdorf. Von nichttirolischen Schützen bemerkten wir Fürst Salm und Gräfin Leiden.
*) Wir werden diesen Prolog im nächsten Feuilleton bringen.
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"Feier des kaiserlichen Namensfestes und Schützenfest in Meran." Der Bote für Tirol, 7. Oktober 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/07.10.1850/153218/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-10-07-feier-des-kaiserlichen-namensfestes-und-schuetzenfest-in-meran