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Verhandlungen über den Eisenbahnanschluss zwischen Österreich und Bayern

Zusammenfassung

Ein Bericht der Wiener Zeitung „Austria“ erörtert die Vereinbarungen zwischen Österreich und Bayern über den Bau grenzüberschreitender Eisenbahnlinien. Geplant sind Strecken von München nach Salzburg und Linz sowie eine Zweigbahn über Kufstein und das Inntal nach Innsbruck mit Ausblick auf eine Anbindung an die Adria.

Vollständige Transkription

Bozen, 14. Oktober. Wir haben der tirolischen Eisenbahnfrage wiederholt unsere Aufmerksamkeit zugewendet und konnten letzthin von dem gedeihlichen Fortgang der Angelegenheit und der lebhaften Theilnahme, die sie überall gefunden, berichten. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Staatsverwaltung die hochbetheiligten Interessen unseres Kronlandes dabei gebührend berücksichtigen werde, gaben wir uns auch der Hoffnung hin, daß von ihrer Seite dem Unternehmen keine Schwierigkeiten erwachsen würden, indessen wagten wir es aus verschiedenen Gründen doch nicht vorauszusagen, daß eine direkte Unterstützung von ihr zu erwarten stehe. Nun enttäuscht uns aber auf eine eben so angenehme als überraschende Weise ein Artikel in der aus amtlichen Quellen schöpfenden „Austria“: „über den Anschluß der österreichischen und bairischen Eisenbahnen.“ Wir ersehen daraus, daß die Vorsorge der Regierung bereits die Initiative in der Sache ergriffen, und dieselbe in den Bereich ihrer eigenen Aufgaben gezogen habe. Welche Hoffnungen bezüglich der baldigen Ausführung der Eisenbahnlinie durch Tirol sich daran knüpfen, braucht wohl keiner Erörterung, wir lassen den Artikel, der für unsere Zukunft so viel des tröstlichen enthält, und dessen Ansichten wir vollkommen theilen, hier selbst folgen:

Anschluß der österreichischen und baierischen Eisenbahnen.

Wien, 9. Oktober. Bei der Gründung des Systems der österreichischen Staatsbahnen wurde die Verbindung mit Süddeutschland und zunächst mit Baiern mittelst einer Westbahn bereits ins Auge gefaßt. Rasch ward der Bau der Süd- und der Nordbahn, welche von den Interessen der Monarchie am dringendsten gefordert waren, begonnen und weiter geführt. Auch mit Baiern wurden die Unterhandlungen behufs des Anschlusses der österreichischen Staatsbahn an die baierische eingeleitet, die eingetretenen welterschütternden Ereignisse jedoch waren nicht geeignet, den Fortgang derselben zu fördern. Nach wiederhergestellter Ruhe schien der Zeitpunkt gekommen, wo die österreichische Regierung neuerdings ihre volle Aufmerksamkeit dieser belangreichen Verhandlung zuwenden konnte. Inzwischen hatte sich die öffentliche Meinung in den hiebei zunächst betheiligten Städten dieses Gegenstandes bemächtigt und in richtiger Würdigung der großen Vortheile, welche durch einen Anschluß an die österreichischen Bahnen dem Verkehre Süddeutschlands und der österreichischen Gränzstädte zugehen müssen, auf das Zustandekommen der in der Richtung gegen Oesterreich auf baierischem Gebiete gelegenen Bahnstrecken hingewirkt. Die baierische Regierung konnte hierin Veranlassung und Aufforderung finden, den Bau eines Schienenweges zunächst in der Richtung von München nach Salzburg in Angriff zu nehmen. Der günstige Erfolg dieses Unternehmens war jedoch durch die Betheiligung der österreichischen Regierung mittelst der Fortsetzung dieser Bahn auf diesseitigem Gebiete bedingt, weßhalb die baierische Regierung hierüber die Anfrage stellte.

Wie wir eben vernehmen, hat nunmehr, den rechten Moment erfassend, die österreichische Staatsverwaltung sich entschieden, die baierische Regierung zu der Vornahme des Baues der Eisenbahn von München bis an die Gränze von Salzburg durch die Erklärung zu bestimmen, daß in diesem Falle die Bahn österreichischer Seits weiter bis nach Linz geführt werden würde. — Diese Zusage ward jedoch an eine — gewiß von baierischer Seite bereitwillig zu erfüllende — Bedingung geknüpft, welche die Vortheile dieser wichtigen Bahnverbindung auch einem andern Kronlande zuwendet. Es begehrte nämlich die österreichische Regierung, daß Baiern bei der Führung der erwähnten Bahnlinie von München nach Salzburg, welche Rosenheim berührt, von dort eine Zweigbahn bis an die nahe tirolische Grenze bei Kufstein anlege, welche die österreichische Regierung sich sohin verpflichte, durch das Innthal nach Innsbruck fortzusetzen.

Es bedarf keiner weiteren Erweisung, wie folgenreich die Ausführung dieses Doppel-Bahnbaues für die Belebung des Verkehres von Süddeutschland und von Oesterreich sich gestalten werde. Drei handelsthätige Städte: Salzburg, Linz und Innsbruck, treten dadurch in unmittelbare Eisenbahn-Verbindung mit einem großen Theile von Deutschland, deren Wirkungen der Lauf des Donaustromes bis nach Wien und Ungarn erstreckt. Aber noch sind Innsbruck und Linz nicht die gegebenen Endpunkte des großen deutschen Bahn-Netzes. Die Gewalt der Dinge und der drängende Impuls der Interessen strebt die allseitige Verbindung Süddeutschlands mit dem Gestade des adriatischen Meeres, dem wahren Ausgangspunkte des Welthandels, an. Bald werden, wir zweifeln nicht mehr daran, die stillen Thäler Tirols von der dampfschnaubenden Locomotive durchbraust werden, bald wird letztere den Weg über oder durch die Alpen finden, so wie sich die natürliche, kaum durch bedeutende Hindernisse erschwerte Verbindung der Salzburg-Linzer Bahnstrecke mit der großen südlichen Staatsbahn von selbst bilden muß. So knüpft sich an jene bedeutsame Erklärung der österreichischen Regierung und an das Entgegenkommen der baierischen eine Reihe froher Hoffnungen für die Vollendung einer der größten Aufgaben unseres Jahrhunderts, der Besiegung von Raum und Zeit und der friedlichen Eroberung auf dem Gebiete des Verkehres mittelst der Herstellung des über ganz Mittel-Europa gespannten Eisenbahnnetzes. Damit sich aber diese Hoffnungen verwirklichen, ist es unerläßlich, daß Ulm mit den baierischen Bahnen in Verbindung gesetzt werde, und der Anschluß der würtembergischen Bahnen an die badischen erfolge; denn, erst wenn die große Bahnverbindung Deutschlands das Becken des Rheines im Süden erreicht, wie es im Norden bereits geschehen ist, sind die Interessen Süddeutschlands gehörig gewahrt, und die Zwecke des Bahnnetzes vollkommen erfüllt. (Austria.)

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"Verhandlungen über den Eisenbahnanschluss zwischen Österreich und Bayern." Bozner Zeitung, 17. Oktober 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/17.10.1849/19939/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-10-17-verhandlungen-ueber-den-eisenbahnanschluss-zwischen-oesterreich-und-bayern