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Hinrichtung wegen Auftragsmordes in Meran

Zusammenfassung

Bericht über die Hinrichtung eines wohlhabenden Bauern und zweier Knechte in Meran, die wegen des Auftragsmordes an der Ehefrau des Bauern gehängt wurden. Der Verfasser verurteilt die heuchlerische Frömmigkeit der Täter und hinterfragt den abschreckenden Wert öffentlicher Hinrichtungen.

Vollständige Transkription

Meran, 16. Oktober. Gestern wurden hier drei Männer aus der Umgegend, zwei Dienstknechte und ein vermöglicher Bauer, wegen vollbrachten bestellten Mordes mit dem Strange bestraft. Die Gemordete war des Bauers Gattin und Mutter von sieben unmündigen Kindern. Gutmüthig und etwas geistesschwach wie sie war, duldete sie seit Jahren von ihren Hausgenossen die größten Verunglimpfungen, meinte selbst nach den bedrohlichsten Mißhandlungen denen sie die letztere Zeit ausgesetzt war dem Zuspruche ihres Seelenarztes Folge leisten zu müßen und verharrte im Hause ihrer Quäler bis sie durch einen der Knechte den lange vorbereiteten Tod fand. Eine mit dem Bauern auf vertrautem Fuße stehende junge Magd die beim Abgehen der Bäurin an ihre Stelle zu treten Aussicht hatte wanderte auf zehn Jahre in das Strafhaus. — Die Beflissenheit mit der das Verbrechen lange Zeit überdacht worden, und die mannigfachen Versuche das arme Weib zur Verzweiflung zu bringen oder auf andere Art aus dem Wege zu räumen eröffnen uns einen traurigen Blick in die Verdorbenheit von Leuten die einer Klasse angehören bei der man nach der gewöhnlichen Auffassung strenge Religiosität zu finden glaubt, und unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, daß mit der Beobachtung der äußerlichen frommen Uebungen die wahre innere Frömmigkeit nicht nothwendig zusammenhange. In Beziehung auf die Art der Vollstreckung der Strafe glauben wir bemerkt zu haben, daß die Zuschauermasse den traurigen Akt der Gerechtigkeit sich zur Spektakelsache machte und jenen Eindruck nicht aufnahm, den die Vertheidiger der Abschreckungstheorie einer derartigen Vollziehung gerne beilegen möchten. Um wie viel würdiger faßte der antike Staat die Bedeutung der Lebensstrafe auf, der dem Verbrecher den Giftbecher reihen ließ. Denn das Erschütternde, Furchtbare dieser Strafe liegt nicht in der äußern Vollziehung, sondern darin, daß die Gerechtigkeit die höchste Macht sei, der im Kollisionsfalle nichts widerstehen dürfe und jedes individuelle Recht und Wohl weichen müße.

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"Hinrichtung wegen Auftragsmordes in Meran." Bozner Zeitung, 20. Oktober 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/20.10.1849/19940/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-10-20-hinrichtung-wegen-auftragsmordes-in-meran