Topographie: Beschreibung der Umgebung von Meran (Teil 3)
Die historische Beschreibung erläutert Kirchen und Schlösser der Meraner Umgebung, darunter St. Valentin in Mais, St. Katharina in der Schart bei Hafling sowie die Burg Juval. Zudem werden ortsgeschichtliche Ereignisse von der Spätantike über das Mittelalter bis zu den Napoleonischen Kriegen geschildert.
Vollständige Transkription
Anhang.
Beschreibung der Umgebung von Meran. 3/4
(Fortsetzung.)
Mit Interesse blickt man bei der Rückkehr auf die ehrwürdige tirolische Stammburg zurück; das Auge sieht nochmals auf seine Umgebungen hin; südwestlich ragt es über die steilen Stufen der Weinpflanzungen empor; auf der Nordseite umgiebt es der weit über das Schloß hinauf und hinein sich ziehende furchtbare Bergschlund, gleich jenseits wieder die grünen Felder der sogenannten Farmerhöfe, und über ihnen die schief gegen Westen, weit zwischen Wäldern und Schluchten aufsteigenden Muthhöfe mit ihren steilen Wiesen und Galtmähdern; endlich die von dem Schlosse aus kaum in 4 Stunden erreichbare, kahle und schroffe Muttspitze.
Kurz, ehe man von Botzen aus Meran erreicht, erblickt man in der Ferne rechts, ganz isolirt von den zerstreuten Edelsitzen und Wohnhäusern von Mais, am Fuße eines hohen amphitheatralischen Rebenhügels das Kirchlein des h. Valentin, welches Venantius Fortunatus auf seiner Rückreise vom Grabe des h. Martin zu Tours schon im 6. Jahrhunderte besuchte. Hier endete der h. Rhätier-Apostel Valentin um das Jahr 470 seine irdische Wanderschaft. Um das Jahr 740 versetzten die Longobarden seine irdischen Reste von Mais nach Trient, und im Jahre 769 der Herzog Thissilo von Baiern von dort nach Passau.
In diesem lieblichen Thale entdeckt man zu oberst auf dem östlichen Hochgebirge ein Kirchlein in einer kleinen Vertiefung und schweinbaren Ebene, zwischen zwei noch etwas höhern Bergrücken, der h. Katharina geweiht. Man heißt es von dieser seiner steilen Lage St. Katharina in der Schart. Es liegt 2 gute Stunden von Meran. Von dort führen zwei Wege: östlich über Alpen und Jöcher nach Sarnthal, einer südlich über Vöran nach Mölten rc.
Das Kirchlein ist gerade so alt, als die Landesherrschaft der Grafen von Tirol. Es wurde nämlich zur Zeit erbaut, als Albert, der letzte Graf vom Schlosse Tirol, der erste Graf vom Lande Tirol wurde. – Der Bischof Egno von Brixen weihte es im Jahre 1251 am 19. August ein. Im folgenden Jahre 1252 gab der nämliche Bischof einem Klausner einen Sammelbrief heraus, worin er die Christgläubigen unter Versprechung von Ablassen aufmunterte, die neu erbaute Kirche mit Geschenken, besonders mit Kirchengeräthschaften, zu unterstützen, und zum Bau einer Klause für diesen Sammler selbst beizusteuern. Ob die noch ¾ Stunden von der h. Katharina entfernte Kuratie-Kirche des h. Johannes des Täufers in Hafling, die nun eine Filiale der St. Katharinen-Kirche ist, damals schon gestanden habe, ist noch unentschieden, da in keinem dieser beiden Diplome davon Meldung geschieht, sondern in dem letztern nur der Pfarr- und Mutterkirche in Mais am Fuße des Berges Erwähnung gemacht wird. Die Einweihungs-Urkunde wird noch in dem Widum zu Hafling aufbewahrt. Sie ist datirt vom 5. November 1252.
Vermög einem am St. Johannes-Abend 1413 zwischen den geistlichen Herren von Stams, welche damals nur noch die Oekonomie in Mais verwalteten, und ihrem Pfarrer zu Mais mit der Gemeinde Hafling errichteten Vertrage mußte der Pfarrer die Seelsorge daselbst in Zukunft durch einen Hülfspriester excurrendo versehen. Bis dahin also mußten die Bewohner dieses Hochgebirges zur Pfarrkirche in Mais herab kommen, in der ein glaublich im Jahre 1400 gemachter Anbau noch jetzt die Haflinger Kapelle heißt. Zur Zeit der Reformation Luthers erhielt Hafling, und somit auch die St. Katharinen-Kirche in der Schart einen eigenen stabilen Seelsorger. Schon am Freitag vor St. Simon- und Judastag 1536 wurde zwischen dem Abte von Stams, Pelagius, und dem damaligen Pfarrer in Mais, Simon Gaßler, einer-, – dann der Gemeinde Hafling andererseits, eine Uebereinkunft getroffen, kraft welcher unter andern die Kirche des h. Johannes die ordentliche Seelsorg-Kirche seyn, zu St. Katharina aber an gewissen Tagen Messe gelesen und gepredigt werden soll. Diese Uebereinkunft genehmigte Ferdinand I. durch eine Urkunde vom 9. Dezember 1526, dann auch der Fürstbischof von Trient, der berühmte Kardinal Bernard von Cles, welcher unterm 8. September 1527 den von der Gemeinde Hafling nebst zwei andern, dem Abte von Stams vorgeschlagenen, von demselben ausgewählten und dem Bischof vorgestellten Priester Magnus Michael als ersten Kuraten daselbst einsetzte. Zur Dotation übergab die Gemeinde ihrem neuen Seelsorger unter andern einen zinsfreien Hof, die Wegscheide genannt. Dort wohnte er, bis im Jahre 1803 der neue Widum (Pfarrhaus) fertig war.
Im Jahre 1797 zog ein Theil des vom Generalmajor Loudon kommandirten österreichischen Korps mit vielen Tiroler-Schützen an der St. Katharinen-Kirche vorbei, über Vöran und Mölten nach Jenesien, zu dem entscheidenden Schlage, der die Franzosen zwang, in der darauf folgenden Nacht vom 3. auf den 4. April die Stadt Botzen zu verlassen, worauf bald die gänzliche Befreiung des Landes vom Feinde folgte. Es mußten die Kanonen auf den Schultern der wackern Landesvertheidiger über die engen und steilen Wege auf den Kampfplatz gebracht werden. Im Jahre 1809 kam eine bei 1000 Mann starke französische Kolonne am 23. November von Jenesien her nach Hafling, und übernachtete daselbst. Am 24. zog sie von St. Katharina herab in Meran ein.
Drei Stunden oberhalb Meran, auf der Straße nach Mals, gleich außer dem Dorfe Naturns, kömmt man an die Schnalser-Brücke, die das Burggrafenamt vom Vinstgau scheidet. Dort strömt aus dem engen Thal, das am Eingange kaum 5 Klafter breit ist, zwischen hohen Felsenwänden der Schnalsbach hervor. Noch dießseits hart an dem Berge rechts, links an dem Bache, führt ein schmaler Fußsteig in eine Wildniß, wo kein Baum mehr sproßt, kein Vogellied mehr ertönt, und wo man zwischen den steilen und morschen Gebirgswänden kaum mehr einen schmalen Streif des blauen Himmels über sich hat. Der Fußpfad ist höchst beschwerlich und gefährlich. Ober dem Haupte drohen mürbe Steinmassen, zu den Füßen bei jedem Fehltritte der vorbei rauschende Bach ein furchtbares Grab. Darum heißt dieser Steig mit Recht der Verbotene. Erst nach einer guten halben Stunde wird der Pfad breiter und sicherer; freier athmet der beängstigte Wanderer. Bald sieht man auf der Höhe der gegenüber stehenden Thalseite die verfallene Burg Jufahl. *) Dießseits erweitert sich die Fläche, man betritt wieder blumenreiche Wiesen, labt sich am Anblicke von wogenden Aehrenfeldern, Fruchtbäumen, von der Kirsche bis zur Kastanie, selbst einigen Weingärten. In einer starken Viertelstunde kommt man zu einem Wohnhause mit einem Zugebäude; oberhalb dessen Thüre liest man die Worte: Hier ist Ladurn.
*) Das oberwähnte Jufahl war einst ein landesfürstliches Lehen. Ludwig von Brandenburg vergab es im Jahre 1349 an Erhard v. Halben; Erzherzog Friedrich 1424 an die v. Lebenberg. Im Jahre 1526 hatten es die Triebler inne. Von ihnen erstand es 1540 Hans Swiker Sinkmoser, Kellner zu Tirol. Dieser verwendete große Summen zur Verschönerung desselben zwischen den Jahren 1546 und 1554. An den vielen noch übrigen Frescogemälden von einer gar nicht schlechten Hand ist mehrmal die Jahrszahl 1550 angebracht. Im nämlichen 16. Jahrhunderte brachte es Christoph Sigmund v. Hendl an sich; bei dessen Nachkommen verblieb es bis 1815, wo es mit den vielen dazu gehörigen Grundstücken um 13,680 fl. veräußert wurde.
(Beschluß folgt.)
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"Topographie: Beschreibung der Umgebung von Meran (Teil 3)." Der Bote für Tirol, 16. September 1822. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/16.09.1822/149868/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1822-09-16-topographie-beschreibung-der-umgebung-von-meran-teil-3