Aufruf zur Unterstützung der Unwettergeschädigten in Algund und Gratsch
Nach schweren Unwettern im Juli 1850 in den Gemeinden Algund und Gratsch ruft die Redaktion des Tiroler Boten zu Spenden für die verarmten und obdachlos gewordenen Bewohner auf. Die eingegangenen Beiträge sollen über die Bezirkshauptmannschaft Meran verteilt werden.
Vollständige Transkription
Aufruf
zur Unterstützung der durch die Elementarereignisse im Monate Juli 1850 schwer beschädigten Bewohner der Gemeinden Allgund und Gratsch nächst Meran.
Tiroler! Niemals ließet Ihr den Ruf um Hilfe unbeachtet verschallen, mochte er aus was immer für einem Theile unseres Landes ertönen.
Gedenket denn auch Euerer schwer heimgesuchten Brüder und Landsleute in den Gemeinden Allgund und Gratsch nächst Meran, welche, wie Ihr aus den öffentlichen Blättern wißt, durch die Elementarereignisse des Monats Juli d. J. so sehr beschädigt worden sind.
Furchtbar entlud sich über sie die zerstörende Gewalt der Elemente; mehrere Menschenleben fielen der schrecklichen Heimsuchung als Opfer; Trümmerhaufen bezeichnen kaum kenntlich die Stellen, an denen sich freundliche Wohngebäude erhoben hatten; der Viehbestand vieler Wirthschaften ist vernichtet; unwirthbares Steingerölle überdeckt die kurz zuvor blühenden Weisen, die ausgedehnten Weingüter jener Gemeinden.
Jahrelange mühsame Strebsamkeit der Bewohner ist dadurch nicht nur um ihre heurigen Früchte gebracht, auch die Hoffnung für die Zukunft sind auf Jahre hinausgeschoben; inzwischen aber sind die Unglücklichen dem Nothstande preisgegeben, und leider gar manche von ihnen an den Bettelstab angewiesen.
Tiroler! verlaßt Eure Landsleute nicht in dieser großen Noth! Ihr kennt sie, ihren Fleiß und ihre Ausdauer, ihr wißt, daß sie, gleich Euch, nicht eher um fremden Beistand bitten, als wenn sie sich selbst zu helfen nicht mehr vermögend sind.
Laßt darum ihre Hoffnung auf Euere Hilfe, ihr Vertrauen auf Euere Wohltätigkeit, laßt ihre Zuversicht auf landsmännische Unterstützung, ihren einzigen Trost im Unglücke, nicht auch zu nichte werden. Vergeßt ob der fernen Unglücklichen und Bedrängten, die auch Euerer Theilnahme sich erfreuen, Euere nahen Brüder, Euere Landleute nicht!
Jede noch so kleine Gabe ist willkommen; wo viele Kräfte sich vereinen, wird ja auch die kleine mächtig.
Die Redaktion des Tiroler Bothen ist bereit, milde Beiträge entgegenzunehmen, dieselben mit den Namen der Geber zu veröffentlichen und sohin an die löbliche k. k. Bezirkshauptmannschaft in Meran zur Vertheilung zu übersenden.
Der Verfasser dieses Aufrufes übermachte der Redaktion 10 fl. CM. Zur Deckung der Inserationsgebühren, mit der Widmung des Restes für obigen Zweck. Indem wir unsern Dank dafür aussprechen, freuen wir uns, dies hoffentlich segenreiche Sammlung eröffnen zu können mit diesen
. . . . . . . .10 fl. CM.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Überschwemmungen im Bezirk Meran und Spendenaufruf für Algund und Gratsch
Nach schweren Regenfällen führen die Etsch und Gebirgsbäche zu verheerenden Überschwemmungen im Bezirk Meran sowie zur Zerstörung mehrerer Brücken auf der Vinschger Poststraße. Zugleich wird über die Folgen der verheerenden Mure vom Juli in Algund und Gratsch berichtet, für deren geschädigte Bewohner eine tirolweite Hilfssammlung eingerichtet wurde.
- Bozner Zeitung1850er4 Schlagwörter
Verhandlungen am Bezirksgericht Bozen und Unwetterschäden bei Gratsch und Algund
Bericht über Verurteilungen wegen Diebstahls, Raufhandels und Ehrenbeleidigung am Bozner Bezirksgericht im August 1850. Zugleich wird über Unwetterschäden bei Gratsch und Algund berichtet, wo Bergbäche Poststraßen und eine Brücke bei Forst zerstörten.
- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Feier des kaiserlichen Geburtsfestes in Meran
Anlässlich des Geburtstages von Kaiser Franz Joseph I. fanden in Meran ein feierliches Hochamt und ein Te Deum statt. Das Bürgerschützenkorps begleitete die Feierlichkeiten mit Salven auf dem Kirchplatz und einem anschließenden Festzug durch die Stadt.
- Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter
Genehmigung des Obergymnasiums in Meran
Direktor P. Albert Jäger teilt mit, dass das Ministerium die Eröffnung des Obergymnasiums in Meran genehmigt hat. Der Unterricht inklusive der achten Gymnasialklasse soll am 8. September 1850 beginnen, womit Gerüchte über den Fortbestand der Anstalt entkräftet werden.
- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Kaiserlicher Besuch in Meran
Ausführlicher Bericht über den mehrtägigen Besuch von Kaiser Ferdinand und Kaiserin Maria Anna bei Erzherzog Rainer in Meran im August 1850. Neben Festempfängen, Ausflügen nach Schloss Tirol und Schenna spendete das Kaiserpaar Gelder an flutgeschädigte Umlandgemeinden und städtische Hilfsbedürftige.
1850 im Überblick
Das Jahr 1850 war in Meran geprägt von administrativen Neuerungen wie der Erhebung zur Bezirkshauptmannschaft sowie bedeutenden Fortschritten im Bildungswesen durch die Etablierung des Obergymnasiums. Schweren Naturkatastrophen durch Unwetter und Murenabgänge im Sommer standen kommunale Meilensteine wie die Konstituierung der ersten freien Gemeinde gegenüber. Ergänzt wurde das öffentliche Leben durch offizielle Besuche des Kaiserpaares und von Mitgliedern des Erzherzogshauses. →
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"Aufruf zur Unterstützung der Unwettergeschädigten in Algund und Gratsch." Der Bote für Tirol, 19. August 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/19.08.1850/153176/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-08-19-aufruf-zur-unterstuetzung-der-unwettergeschaedigten-in-algund-und-gratsch