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Kaiserlicher Besuch in Meran

Zusammenfassung

Ausführlicher Bericht über den mehrtägigen Besuch von Kaiser Ferdinand und Kaiserin Maria Anna bei Erzherzog Rainer in Meran im August 1850. Neben Festempfängen, Ausflügen nach Schloss Tirol und Schenna spendete das Kaiserpaar Gelder an flutgeschädigte Umlandgemeinden und städtische Hilfsbedürftige.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 26. Aug. II. MM. Kaiser Ferdinand und die Kaiserin Maria Anna sind auf einem Besuch zu Ihrem Oheim dem Durchlauchtigsten Herrn Erzherz. Rainer, Höchstwelcher zu unserer allgemeinen Freude einen mehrmonatlichen Aufenthalt in dem nahe bei der Stadt gelegenen Schlosse Winkel zu nehmen geruhte, nach Meran gekommen.

Am 22. um ¼ nach 11 Uhr Vormittags verkündete das Leuten der großen Glocke vom Stadtpfarrthurme das Herannahen des geliebten Kaiserpaares, und um halb 12 Uhr wurde Allerhöchstdasselbe unter dem Läuten aller Glocken und dem Knallen der Pöller vor dem Absteigquartier „zum Erzherzoge Johann“ von der k. k. Bezirkshauptmannschaft, dem k. k. Bezirksgerichte, der Geistlichkeit der Stadt Meran und der umliegenden Gemeinden Mais, Allgund und St. Peter, von dem Stadtmagistrate und dem städtischen Gemeindeausschusse sowie von den Gemeindevorstehern von Partschins, Allgund, Gratsch, Tirol, Ober- und Untermais und von Schenna und Marling ehrfurchtsvollst empfangen. - Der Bürgermeister der Stadt Meran sprach Sr. Maj. dem Kaiser das „Willkomm“ aus, und Mädchen aus der Pension des englischen Fräulein-Instituts überreichten unter deutschen, französischen und italienischen kurzen Ansprachen Ihrer Majestät der Kaiserin einen Strauß und einen Namenszug – und Sr. Majestät dem Kaiser einen Kranz – von Blumen. Zum feierlichen Empfange waren auf dem Platze vor dem Absteigquartier auch die städtische Bürgergarde und eine Kompagnie Bauernschützen in ihrer schmucken Nationaltracht mit 2 Kapellen aufgestellt. Sobald sich II. MM. am Fenster zeigten wurde von den beiden Kapellen abwechselnd die Volkshymne gespielt, und sodann das beliebte Fahnenschwingen produzirt.

Hierauf geruhten Se. Majestät der Kaiser die Aufwartungen anzunehmen, und der Herr Bezirkshauptmann Franz Kopp hat Allerhöchstdemselben sofort die Beamten der Bezirkshauptmannschaft und des Bezirksgerichtes, die Geistlichkeit und den Stadtmagistrat mit den übrigen Gemeindevorstehern vorgestellt. Der Herr Bezirkshauptmann, der H. Bezirksrichter, der hochw. H. Dekan, der Bürgermeister und die beiden Hauptleute der paradirenden Kompagnien hatten sodann die Ehre zur Tafel gezogen zu werden.

Nach derselben machten Se. Majestät in Begleitung Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer und Sr. erlauchten Söhne einen Ausflug nach dem Stammschlosse Tirol. Abends bei der Zurückkunft war der große Platz vor dem Absteigquartiere beleuchtet und die Kapelle brachte eine Serenade.

Am 23. Nachmittags besuchten Se. Maj. Brandis bei Lana, eine Besitzung Allerhöchstihres Obersthofmeisters des Hrn. Grafen v. Brandis unter Erzherzoglicher Begleitung.

Am 24. war großes Diner bei Sr. kais. Hoheit dem Hrn. Erzherzoge Rainer im Schlosse Winkel, und nach demselben zogen die h. Herrschaften nach dem Schlosse Schenna, um diesen Besitz Sr. kais. Hoh. des Hrn. EH. Johann zu besehen.

Den Sonntag 25. weiheten II. MM. dem Herrn mit vor- und nachmittägigem Kirchenbesuche, und am Abende wurde den Allerhöchsten Herrschaften ein Fackelzug mit Serenade gebracht. Nach dem Absingen der Volkshymne ertönten lange allgemeine Vivats auf die kais. Majestäten und das Allerdurchlauchtigste Kaiserhaus.

Heute um halb 10 Uhr Vormittags traten II. MM. wieder die Rückreise über Botzen nach Innsbruck an, da Elementarereignisse die Brücken und Straßen über Vintschgau stark zerstört hatten.

Zur Abschiedsbegrüßung waren alle Behörden und die Geistlichkeit unter der Leitung des Hrn. Bezirkshauptmannes versammelt, und die Stadt Meran hörte aus seinem Munde mit Beruhigung die ihm Allerhöchst übertragenen Zufriedenheitsäußerungen mit dem daigen Aufenthalt der kais. Majestäten, an welche auch eine Hoffnung geknüpft werden darf, daß die Allerhöchsten Herrschaften Meran nicht zum letzten Male mit Ihrer Gegenwart beglückt haben.

Der Glanzpunkt sowohl bei dem Empfange II. MM. als auch während des Aufenthaltes und bei Allershöchstderselben Abreise war die Erlauchte Familie des Herrn Erzherzogs Rainer, Höchstwelcher die Stadt Meran auch das Glück verdankt, daß sie das geliebte Kaiserpaar so lange in ihren Mauern verehren konnte.

Kaiser Ferdinand der Gütige und die allverehrte Kaiserin Anna baten, wie überall, nach dem Zuge Ihres Herzens Ihr Hiersein auch durch Gaben der Milde bezeichnet, und dem Hrn. Bezirkshauptmann 400 fl. CM. für die durch Elementarereignisse verunglückten Gemeinden Algund und Gratsch, und 200 fl. CM. für Hausarme der Stadt Meran, dann auch noch 100 fl. CM. für die Musikkapellen übergeben lassen.

Unsere Liebe, Verehrung und Dank folgen auf der Rückreise dem edlen Kaiserpaare und unser Gebet steiget zum Himmel: lange - lange noch erhalte er Ferdinand und Anna!

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"Kaiserlicher Besuch in Meran." Der Bote für Tirol, 30. August 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/30.08.1850/153186/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-08-30-kaiserlicher-besuch-in-meran