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Überschwemmungen im Bezirk Meran und Spendenaufruf für Algund und Gratsch

Zusammenfassung

Nach schweren Regenfällen führen die Etsch und Gebirgsbäche zu verheerenden Überschwemmungen im Bezirk Meran sowie zur Zerstörung mehrerer Brücken auf der Vinschger Poststraße. Zugleich wird über die Folgen der verheerenden Mure vom Juli in Algund und Gratsch berichtet, für deren geschädigte Bewohner eine tirolweite Hilfssammlung eingerichtet wurde.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 16. August. Ein neuerliches großes Unglück hat gestern den Bezirk Meran betroffen. In Folge der lange angedauerten heftigen Regengüsse ist die Etsch zu einer so furchtbaren Höhe angeschwollen, daß dieselbe bereits drei größere Brücken auf der Poststraße nach Vintschgau, nämlich die Schnalser-Brücke bei Staben, Plima-Brücke zwischen Latsch und Goldrain und endlich die schöne Brücke bei der Forst, eine Stunde oberhalb Meran, fortgerissen, und die schönsten Felder und Weingüter überschwemmt hat. Schrecklich sind insbesondere die durch den Schnalser Bach verursachten Verheerungen und bedeutend der erlittene Schaden. Namentlich wurde die Gemeinde Allgund auch von diesem Elementarereignisse wieder schwer heimgesucht, indem die fürchterlich angeschwollene Etsch die Steinarche am linken Ufer bei Forst in der Länge von mehr als 20 Klaftern durchbrach, und mit unaufhaltbarere Gewalt in die Felder und üppigen Weingärten von Allgund sich stürzte. Leider ist in der Nähe ein neuer Durchbruch der Etsch zu befürchten, wenn es nicht der angestrengten Menschenkraft gelingen sollte, dieses fürchterliche Unglück noch abzuwehren. Auch in Tschengels, im Distrikte Schlanders, lauten die Nachrichten sehr betrübend, indem der dortige Wildbach mit furchtbarem Ungestümme gestern früh 7 Uhr in die dortigen Auen, Moosgründe und einige Wiesen eingebrochen ist, und selbst das Dorf Thschegels gefährdet hat. Glücklicher Weise ist jedoch kein Menschenleben ein Raub des Nichts verschonenden Elementes geworden.

Die Komunikation auf der Poststraße nach Vintschgau ist ganz unterbrochen, und dürfte durch einige Tage so bleiben dürfen.

Gleichzeitig mit Obigem enthalten wie nachfolgende Mittheilung aus

Algund, 12. August. Das große Unglück, welches ein Wolkenbruch mit Hagel durch einen fürchterlichen Erd- und Felsensturz über die beiden Nachbargemeinden Algund und Gratsch bei Meran in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli gebracht hat, ist schon in öffentlichen Blättern besprochen und zur allgemeinen Kenntniß geführt worden.

Es ist daher nicht mehr nöthig, diese Schauderscene noch einmal zu beschreiben, wie in diesen beiden schönen Dörfern mehrere Häuser und Wirthschaftgebäude mit aller darin befindlichen Habe in wenigen Minuten so verschwunden sind, daß man gar die Spur nicht mehr erkennt, wo sie Abends zuvor noch gestanden haben. Auch das Vieh konnte theilweise nicht gerettet werden, und sogar 9 Menschenleben hat man zu beklagen. Die schönsten Weingelände und die fruchtbarsten Wiesengründe liegen in weitem Umfange unter furchtbaren Felstümmern begraben, oder sind zu fast nimmer zu bebauenden Wasserrünsten und Geröllfurchen geworden. Die riesigen Nuß- und Kastanienbäume sind entwurzelt, geknickt, und liegen entästet als wilder Verbau weit von ihrem Stadtorte auf dem sonst schönen, nun zur Wüstenei gemachten Boden.

Der Gesammt-Schade übersteigt den Betrag von 300,000 fl RW. Manche Besitzer sind dadurch ganz verarmt, manche dahin gebracht, daß sie ohne Hülfe sich nicht mehr erschwingen können und auch die Wohlhabendern sind in ihrer Häuslichkeit tief erschüttert.

Der Herr Statthalter zu Innsbruck fand in Berücksichtigung dieser Verhältnisse, und weil Hülfe so dringend nöthig ist, eine Sammlung milder Beiträge im ganzen Kronlande Tirol zu bewilligen, und der Herr Bezirkshauptmann zu Meran hat die Einleitung begünstiget, daß eigene Gemeinde-Abgeordnete von Algund und Gratsch im Lande herumreisen und die Spenden der Wohltäter in Empfang nehmen dürfen.

Diese Abgeordneten sind nun auf dem Wege, um allenthalben im tirolischen Vaterlande Herzen des Mitleides und Gemüther jener himmlischen Begabung aufzusuchen, die gerne helfen wie sie können, und gerne geben wo es noth thut.

Mögen Alle bedenken, die von diesen Abgeordneten um Unterstützungsbeiträge gebeten werden, wie schwer es denen falle, jetzt selber um Hülfe bitten zu müssen, die bei dem Unglücke Anderer so oft und so gerne gegeben haben; Mögen sie bedenken, daß sie mit ihren Gaben unverdientes großes Unglück lindern, und mögen sie bedenken, daß sie wankenden und erschütterten Wirthschaften damit aufhelfen, die sonst zu Grunde gehen und immer nur Wohlthätern zur Last bleiben müßten, während sie durch jetzt gespendete Hülfe selber wieder zu Wohlthätern gekräftiget und aufgerichtet werden können, wenn Andere im Unglücke im Hülfe zu bitten kommen. Ein vor kurzem nachgefolgter Hagelschlag hat diesen beiden unglücklichen Gemeinden einen neuen Schaden von mehreren tausend Gulden in den Weinbergen gebracht!! (Wir verweisen auf den Aufruf am Ende unseres heutigen Blattes).

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter

    Feier des kaiserlichen Geburtsfestes in Meran

    Anlässlich des Geburtstages von Kaiser Franz Joseph I. fanden in Meran ein feierliches Hochamt und ein Te Deum statt. Das Bürgerschützenkorps begleitete die Feierlichkeiten mit Salven auf dem Kirchplatz und einem anschließenden Festzug durch die Stadt.

  • Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter

    Genehmigung des Obergymnasiums in Meran

    Direktor P. Albert Jäger teilt mit, dass das Ministerium die Eröffnung des Obergymnasiums in Meran genehmigt hat. Der Unterricht inklusive der achten Gymnasialklasse soll am 8. September 1850 beginnen, womit Gerüchte über den Fortbestand der Anstalt entkräftet werden.

  • Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter

    Kaiserlicher Besuch in Meran

    Ausführlicher Bericht über den mehrtägigen Besuch von Kaiser Ferdinand und Kaiserin Maria Anna bei Erzherzog Rainer in Meran im August 1850. Neben Festempfängen, Ausflügen nach Schloss Tirol und Schenna spendete das Kaiserpaar Gelder an flutgeschädigte Umlandgemeinden und städtische Hilfsbedürftige.

1850 im Überblick

Das Jahr 1850 war in Meran geprägt von administrativen Neuerungen wie der Erhebung zur Bezirkshauptmannschaft sowie bedeutenden Fortschritten im Bildungswesen durch die Etablierung des Obergymnasiums. Schweren Naturkatastrophen durch Unwetter und Murenabgänge im Sommer standen kommunale Meilensteine wie die Konstituierung der ersten freien Gemeinde gegenüber. Ergänzt wurde das öffentliche Leben durch offizielle Besuche des Kaiserpaares und von Mitgliedern des Erzherzogshauses. →

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"Überschwemmungen im Bezirk Meran und Spendenaufruf für Algund und Gratsch." Der Bote für Tirol, 19. August 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/19.08.1850/153176/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-08-19-ueberschwemmungen-im-bezirk-meran-und-spendenaufruf-fuer-algund-und-gratsch