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Verheerendes Unwetter über Gratsch und Algund

Zusammenfassung

Ein schweres Unwetter mit Hagel und Wolkenbruch löste in Gratsch und Algund verheerende Murenabgänge aus. Mehrere Anwesen wurden zerstört und forderten Todesopfer sowie Vermisste, während weite Teile der landwirtschaftlichen Flächen verwüstet wurden.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 7. Juli. Ein schreckliches Unglück hat heute Nachts um 1 Uhr die beiden Gemeinden von Gratsch und Allgund in der Nähe von Meran betroffen.

Ein fürchterliches Ungewitter, welches mit starkem Hagel und einem Wolkenbruche begleitet war, hat sich über die obgenannten beiden Dörfer entladen.

Mit Blitzesschnelle rollte eine Erdlavine über den so genannten Kirchergraben, rasirte gänzlich den Kircherhof, und einen Stadel seines Nachbarn, und überschüttete die schönen fruchtbaren Aecker und Weingärten mit hohem Schlamme und einer Masse ungeheurer Steine.

Leider forderte da fürchterliche Element auch mehrere Menschenopfer. Vier weibliche Leichname und zwei andere noch lebende Personen wurden bereits herausgegraben, vier Männer werden noch vermißt.

Dem Eigenthümer des Hofes ist es gelungen, mit vieler Anstrengung und Geistesgegenwart sich aus der über ihn gefallenen Lavine zu retten.

Noch fürchterlicher und ausgedehnter jedoch sind die Verheerungen welche das schreckliche Ungewitter in Allgund angerichtet hat. Zwei Häuser, nämlich der Steinhuberhof sammt Stadel und Stallung und mehrere Stücke Vieh, so wie auch das alte Armenhaus wurden ein Raub des Nichts verschonenden Elementes.

Die schönsten Weingärten und Aecker sind gänzlich verwüstet. Zum Glücke hat man jedoch hiebei nur ein einziges Menschenleben zu bedauern.

Der Gesammt-Schaden kann noch nicht mit Bestimmtheit angegeben werden; doch beläuft sich derselbe sicherlich auf einen sehr hohen Betrag.

Der k. k. Bezirkshauptmann – Kopp.

Nach Privat-Berichten soll sich der durch das Ungewitter angerichtete Schaden auf circa 200,000 fl. belaufen.

Auch in diesem Monat

  • Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter

    Schweres Unwetter und Vermurungen im Meraner Raum

    In der Nacht auf den 7. Juli 1850 richtete ein verheerender Wolkenbruch in Algund, Gratsch, Plarsch und St. Peter schwere Schäden an. Muren zerstörten mehrere Gebäude sowie die Kirche in Gratsch, forderten Menschenleben und verwüsteten die landwirtschaftlichen Kulturen.

  • 1850er4 Schlagwörter

    Bekanntmachung.

    Auf Grund der vorausgegangenen Wahlen der vom Gesetze vorgeschriebenen Ausschüsse fand heute Vormittag die Wahl der neuen Meraner Gemeindevorstehung statt. Zum Bürgermeister wurde Herr Valentin Haller, zu Räthen Herr Handelsmann Verdroß, Herr Güterbesitzer Alois Putz und Herr Kaufmann Alois Kirchlechner berufen. Meran, 3. Juli 1850. Der k. k. Bezirkshauptmann Kopp.

  • Der Bote für Tirol1850er4 Schlagwörter

    Eröffnung des k. k. Bezirksgerichts in St. Leonhard in Passeier

    In St. Leonhard in Passeier wird die Eröffnung des k. k. Bezirksgerichts mit Böllerschüssen, einem Festgottesdienst und Reden feierlich begangen. Bezirksrichter Sebastian von Isser und die lokalen Honoratioren begehen den Anlass gemeinsam mit der Bevölkerung bei Scheibenschießen und einem abendlichen Mahl.

  • Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter

    Bergung der Todesopfer nach dem Erdrutsch in Gratsch

    Nach einem verheerenden Wolkenbruch in Gratsch bei Meran wurden die sterblichen Überreste der vier noch vermissten Personen geborgen, darunter ein 15-jähriger Junge. Die Unwetterkatastrophe forderte damit insgesamt neun Menschenleben.

1850 im Überblick

Das Jahr 1850 war in Meran durch wichtige administrative Neugliederungen wie die Erhebung zur Bezirkshauptmannschaft und die Konstituierung der ersten freien Gemeinde geprägt. Gleichzeitig prägten infrastrukturelle und bildungspolitische Entwicklungen das Stadtbild, während Naturkatastrophen wie der schwere Wolkenbrüch im Juli und der Brand in Obermais große Schäden verursachten. Auch überregionale Themen wie die Ankunft von Erzherzog Rainer und Eisenbahnplanungen standen im Fokus der Berichterstattung. →

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"Verheerendes Unwetter über Gratsch und Algund." Der Bote für Tirol, 10. Juli 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/10.07.1850/153143/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-07-10-verheerendes-unwetter-ueber-gratsch-und-algund