Schwere Unwetterkatastrophe in Gratsch und Allgund
In der Nacht zum 8. Juli 1850 führten schwere Wolkenbrüche über Algund und Gratsch zu verheerenden Murgängen. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört, Kulturgründe verwüstet und mehrere Menschen getötet oder verschüttet.
Vollständige Transkription
Tagesbericht.
Bozen, 8. Juli. Ein schreckliches Ungewitter verheerte in der verflossenen Nacht die Gegend von Gratsch und Allgund. Wir entnehmen über den Vorfall, bei dem leider auch der Verlust von Menschenleben zu beklagen ist, einem uns gütigst mitgetheilten Privatbriefe folgendes.
Gestern Abends halb 7 Uhr entlud sich ein fürchterlicher Wolkenbruch mit Hagelschauer über den Bergen ober Allgund; der davon reißend angeschwollene Grabbach richtete alsbald die entsetzlichsten Verheerungen an. Der Gewalt des mit Steinen und Bäumen angefüllten Wassers vermochte keine Schutzmauer, kein Haus zu widerstehen. Das alte Armenhaus und das alte Strutzerhaus ist im Schutte begraben, das Wohnhaus, Stall und Stadel des Steinhuber steht nicht mehr. Die schönsten, fruchtbarsten Güter sind von der Muhr überschüttet, und mit ungeheuern Steinen bedeckt; von der Tschaupmühle bis über die Landstraße hinaus stehen die Weingüter und Wiesen verwüstet da. Ein altes Weib ward unter den Trümmern des Armenhauses begraben.
Ein zweiter Wolkenbruch, der um Mitternacht in den Gebirgen ober St. Peter sich entlud, sandte den verheerenden Strom in der Richtung gegen Gratsch; in der Nähe des Hauses des Johann Kircher, des bekannten Scheibenschützen, schien der Muhrbruch sich zu sperren; die Leute des Kircher, die beständig dem Strome gewehrt hatten, glaubten er habe eine andere Wendung genommen und gingen nach Hause. Sie sollten bald schrecklich enttäuscht werden. Nach einigen Minuten erfolgte ein Krach und der zur Thüre stürzende Besitzer, dem die vorbeirollende Fluth schon den Weg versperrte, hatte nur noch Zeit mit dem Rufe: Bethet, wir sind verloren, zurückzueilen, als unter dem Andrange der Muhr auch schon das Haus zusammenbrach und die 12 darin befindlichen Menschen im Schutte begraben wurden. Von ihnen rettete sich der Besitzer Joh. Kircher durch eigene Anstrengung; sein Knecht, und zwei Schwestern wurden lebend, letztere jedoch bedeutend beschädigt ausgegraben. Todt ausgegraben wurden die alte Mutter mit drei Töchtern. Vermißt werden zwei Brüder des Besitzers, der Bruder der Mutter, und ein Tischlergeselle, der auf Arbeit sich dort befand. (Neueren Berichten zufolge hat man von ihrem Leben noch Gewißheit und hofft sie zu retten.)
Das Unglück ist herzerreißend. Gratsch ist bis zur Unkenntlichkeit verwüstet.*)
*) Die Redaktion fordert alle edelmüthigen Menschenfreunde zu milden Beiträgen für die Unglücklichen auf, und erklärt sich bereit, selbe entgegenzunehmen und an den Bestimmungsort abzuführen.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1850er4 Schlagwörter
Verheerendes Unwetter über Gratsch und Algund
Ein schweres Unwetter mit Hagel und Wolkenbruch löste in Gratsch und Algund verheerende Murenabgänge aus. Mehrere Anwesen wurden zerstört und forderten Todesopfer sowie Vermisste, während weite Teile der landwirtschaftlichen Flächen verwüstet wurden.
- Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter
Schweres Unwetter und Vermurungen im Meraner Raum
In der Nacht auf den 7. Juli 1850 richtete ein verheerender Wolkenbruch in Algund, Gratsch, Plarsch und St. Peter schwere Schäden an. Muren zerstörten mehrere Gebäude sowie die Kirche in Gratsch, forderten Menschenleben und verwüsteten die landwirtschaftlichen Kulturen.
- 1850er4 Schlagwörter
Bekanntmachung.
Auf Grund der vorausgegangenen Wahlen der vom Gesetze vorgeschriebenen Ausschüsse fand heute Vormittag die Wahl der neuen Meraner Gemeindevorstehung statt. Zum Bürgermeister wurde Herr Valentin Haller, zu Räthen Herr Handelsmann Verdroß, Herr Güterbesitzer Alois Putz und Herr Kaufmann Alois Kirchlechner berufen. Meran, 3. Juli 1850. Der k. k. Bezirkshauptmann Kopp.
- Der Bote für Tirol1850er4 Schlagwörter
Eröffnung des k. k. Bezirksgerichts in St. Leonhard in Passeier
In St. Leonhard in Passeier wird die Eröffnung des k. k. Bezirksgerichts mit Böllerschüssen, einem Festgottesdienst und Reden feierlich begangen. Bezirksrichter Sebastian von Isser und die lokalen Honoratioren begehen den Anlass gemeinsam mit der Bevölkerung bei Scheibenschießen und einem abendlichen Mahl.
- Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken1850er4 Schlagwörter
Bergung der Todesopfer nach dem Erdrutsch in Gratsch
Nach einem verheerenden Wolkenbruch in Gratsch bei Meran wurden die sterblichen Überreste der vier noch vermissten Personen geborgen, darunter ein 15-jähriger Junge. Die Unwetterkatastrophe forderte damit insgesamt neun Menschenleben.
1850 im Überblick
Das Jahr 1850 war in Meran durch wichtige administrative Neugliederungen wie die Erhebung zur Bezirkshauptmannschaft und die Konstituierung der ersten freien Gemeinde geprägt. Gleichzeitig prägten infrastrukturelle und bildungspolitische Entwicklungen das Stadtbild, während Naturkatastrophen wie der schwere Wolkenbrüch im Juli und der Brand in Obermais große Schäden verursachten. Auch überregionale Themen wie die Ankunft von Erzherzog Rainer und Eisenbahnplanungen standen im Fokus der Berichterstattung. →
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"Schwere Unwetterkatastrophe in Gratsch und Allgund." Bozner Zeitung, 10. Juli 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/10.07.1850/20015/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-07-10-schwere-unwetterkatastrophe-in-gratsch-und-allgund