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Zur Geschichte der Pfarrer auf Tirol

Zusammenfassung

Historischer Abriss über die Pfarre Tirol und vier ihrer bedeutenden Pfarrherren des 15. und 16. Jahrhunderts, die zugleich bischöfliche Würden in Chur, Brixen und Trient erlangten. Dargestellt werden die Lebenswege von Ulrich Putsch, Leonhard Wiesmayr, Cristoforo Madruzzo und Beat von Porta sowie ihre kirchenpolitische und lokale Bedeutung für Meran und Umgebung.

Vollständige Transkription

Anhang.

Geschichte.

Einige Pfarrer auf Tirol. 1/3

Die Pfarre Tirol, einstmal auch die fürstliche Prälatur genannt, faßt nebst dem Dorfe und dem alten Fürstensitze oder Hauptschlosse Tirol, die Stadt Meran und die Gemeinde Riffian in sich, zusammen 4156 Seelen. 1) Sie ist auch darum merkwürdig, weil sie unter ihren Pfarrherren nebst vielen Domkapitularen mehrere Bischöfe zählt, nämlich fünf auf dem bischöflichen Stuhle zu Chur, wohin sie ursprünglich gehörte; zwei, beinahe drei auf dem zu Brixen, dem sie 1808 provisorisch zugetheilt wurde, und einen auf dem zu Trient, dem sie seit 1818 angehört.

Ulrich Putsch, aus Donauwerth in Schwaben geboren, Kanzler des Herzogs und Landesfürsten Friedrich IV. oder mit der leeren Tasche, Domherr von Trient und Brixen, war Pfarrer beim h. Johann dem Täufer auf Tirol und Erzdiakon im Vinsthgau wenigstens schon vor dem Jahre 1419. In diesem Jahre, am 22. Herbstmonat, brach der Passeier See aus und zerstörte das von dem Grafen von Tirol, Herzog Meinhard II. im Jahre 1271 gestiftete Spital an Meran vollends. Im Jahre 1427 um das Fest Allerheiligen wurde Ulrich zum Bischofe von Brixen gewählt. Den 19. Jänner 1428 erhielt er die päpstliche Bestätigung, und darauf in der Kirche des hl. Georgs des Größern zu Venedig die bischöfliche Weihe. Nach verschiedenen widrigen Schicksalen starb er plötzlich den 29. August 1437.

Leonhard Wiesmayr aus der Erzdiözese Salzburg, Doktor des Kirchenrechtes, Kanzler des Erzherzogs Sigmund, Domherr von Chur und Brixen, wurde im Jahre 1446 zum Pfarrer auf Tirol ernannt. Den 8. Juni desselben Jahres schickte der erwählte Bischof von Trient, Theobald v. Wolkenstein, ihn mit dem Abte von St. Georgen, Johann Teyrl, zum Kirchenrate nach Basel. Dort erhielt er von dem Bistumsverweser von Chur, dem Bischof von Konstanz, Heinrich, die bischöfliche Einsetzung den 28. des besagten Monats und Jahres. Schon 1450 den 14. März wählten ihn die Domherren von Brixen zu ihrem Bischof. Da ihm Papst Nikolaus V. nicht gewogen war, mußte Leonhard dem für diesen bischöflichen Stuhl bestimmten Kardinal Nikolaus v. Cusa weichen. Ihn dafür einstweilen wenigstens einigermaßen zu entschädigen, machte ihn der Landesfürst Erzherzog Sigmund zum Salzmaier in Hall. Den 5. März 1453 wurde er durch die einhellige Wahl des Domkapitels zu Chur Bischof alldort. Sehr viel vermochte er bei dem Kaiser Friedrich III., dessen geheimer Rath er war. Im Jahre 1457 visitirte er sein geliebtes Vinstgau, und weihte auf dieser apostolischen Reise am ersten Sonntag des Advent das Kirchlein zum h. Kreuz, insgemein zur h. Helena genannt, auf der Tell ein. 2) Seine weiteren Bemühungen für das Wohl seiner Kirche hemmte der Tod am 12. Juni des folgenden Jahres.

Christoph Freiherr v. Madrutz, auf dem gleichnamigen Familienschlosse unfern von Trient geboren, erhielt die Pfarre Tirol durch die Resignation seines älteren Bruders Nikolaus im Jahre 1529, da er erst siebzehn Jahre alt war und noch zu Bologna studirte. Die bischöfliche Einsetzung erteilte ihm der Fürstbischof von Chur, Paulus Ziegler, während dessen Aufenthaltes in dem Städtchen Glurns am 4. März 1533. Schon 1531 war er Domherr und vier Jahre später Domdekan zu Trient geworden, obschon er noch erst Subdiakon war. Seine Würden wurden 1536 mit einem Kanonikate des Erzbistums Salzburg und 1537 mit einem an der Domkirche zu Brixen vermehrt. Um diese Zeit, da der römische König Ferdinand I. Landesfürst, und der berühmte Kardinal und Fürstbischof von Trient, Bernard v. Cles, dessen Hofkanzler und Statthalter in unserem Vaterlande war, zwischen 1531 und 1539, eröffnete ein bei einem heftigen Ungewitter aus dem Hochgebirge herabstürzender Wildbach jene schauerliche Spalte, welche noch gegenwärtig das Dorf von dem Schlosse Tirol trennt. Madrutz hatte wahrscheinlich die Pfarre Tirol nie gesehen. Die Seelsorge allda verwaltete er durch den Priester Anton Weinreich; die Temporalienverwaltung besorgte der edle Ritter Andreas v. Knillenberg zu Reichenbach in Mais. Da Christoph 1539 auf den Sitz des h. Vigilius als Bernards v. Cles Nachfolger erhoben wurde, entsagte er der Pfarre Tirol. Im Jahre 1542 folgte er auch dem Fürstbischof Christoph v. Fuchs auf dem bischöflichen Sitze zu Brixen nach. Zwei Jahre später erhielt er vom Papst Paulus III. den Kardinalshut. Auch die Kaiser Karl V. und Ferdinand I. schenkten ihm, wie seinem Vorfahrer, ihr volles Zutrauen und beehrten ihn mit wichtigen Aufträgen. Unter ihm begann 1545 der allgemeine h. Kirchenrath zu Trient. Anno 1567, vier Jahre nach dem Schlusse der Kirchenversammlung, legte der Kardinal Christoph die beiden Bisthümer Trient und Brixen in die Hände des h. Vaters Pius V. nieder. Im Jahre 1570 übernahm er noch den Hirtenstab von Porto im Kirchenstaate, den gewöhnlich einer der sechs ältesten Kardinäle führt. Den 7. Juli 1578 endete er seine verdienstvolle Laufbahn zu Tibur. Seine Asche ruht seit 1581 in der Madrutzischen Kapelle zu Rom.

Beat, aus dem edlen Geschlechte der v. Porta aus Davos in Graubünden, Pfarrer in Feldkirch, wurde 1565 von der Mehrzahl der Domkapitularen zum Bischofe von Chur erwählt. Erst nach besiegten vielen Hindernissen konnte er von seiner Kirche Besitz nehmen. Mit Flammeneifer unterstützte er die Bemühungen des h. Kardinals Karl v. Borromä, den Fortschritten der Irrthümer Zwingls in Rhäzien Einhalt zu thun und dem traurigen Zustande des Aufruhrs und der Verwirrung zu steuern. Doch endlich sah er sich genöthigt, dem Drange zu weichen. Er floh in die ihrem h. Glauben und ihrem Landesfürsten treu gebliebenen Thäler Tirols, in die alt-chur-rhäzische Fürstenburg. 3) Da entsagte er 1581 dem Bisthume mit Vorbehalt einer Pension von 400 fl. Aber nicht im geschäftslosen Müßiggange wollte er da seine noch übrigen Tage verleben. Er erbath sich und erhielt vom Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. als Patron die Pfarre Tirol. Mit dessen Genehmigung verband er sich am 12. Hornung 1590 gegen den Stadtmagistrat von Meran, an der Pfarrkirche zum h. Nikolaus daselbst immer drei Priester, und zwar Deutsche, zu halten und durch dieselben täglich die Frühmesse lesen, ein Amt singen und an den gebothenen Tagen das göttliche Wort verkünden zu lassen. Noch im nämlichen Jahre wurde er hinüber gerufen in das Land des ewigen Friedens – nicht in Fürstenburg, sondern im Dorfe Tirol. 4)

(Fortsetzung folgt.)

1) Für diese drei Gemeinden wird alle Sonn- und gebothenen Feiertage nach der Vorschrift der Kirche für jede Pfarre das Amt der h. Messe in der Pfarrkirche auf Tirol applizirt.

2) Typus Hist. recens. Parochorum Tirolis et Merani. Ms.

3) Fürstenburg: ein ehedem fürstbischöflich churisches Schloß bei Burgeis im Obervinschgau.

4) Ein Haus und Hof auf Tirol heißt noch beim Biad. Der Bischof und Pfarrer Beat soll darin gestorben sein und ihm den Namen gegeben haben. Noch heute findet man in diesem Hause ein Zimmer, das schön ausgetäfelt, im Oberboden mit vergoldeten Rosen verziert ist, und in der Mitte das v. Mohrische Wappen von Schnitzarbeit hat. Dazu führt eine Stiege von Stein mit einem Eisengeländer.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter

    Einige Pfarrer auf Tirol (Fortsetzung)

    Fortsetzung der historischen Abhandlung über die Pfarrer von Tirol, mit dem Epitaph von Bischof Beatus a Porta in Riffian und der Amtszeit von Fürstbischof Johann Flugi von Aspermont. Dargestellt werden Flugis Übernahme der Pfarre Tirol 1610, die Einweihung der Meraner Kapuzinerkirche sowie das Wirken der Jesuiten.

1827 im Überblick

Das Jahr 1827 war im Meraner Raum durch eine Verbindung von regionaler Geschichtsforschung, kirchlichen Ereignissen und wichtigen Infrastrukturinitiativen geprägt. Während publizistische Beiträge die Historie bedeutender Adelssitze und kirchlicher Würdenträger aufarbeiteten, brachten bischöfliche Visitationen und kaiserliche Feierlichkeiten das öffentliche Leben zusammen. Gleichzeitig trieb Bürgermeister Ferdinand Stickler mit den Planungen für die Jaufenpassstraße die wirtschaftliche Belebung der Region voran.

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"Zur Geschichte der Pfarrer auf Tirol." Der Bote für Tirol, 13. Dezember 1827. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/13.12.1827/150415/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1827-12-13-zur-geschichte-der-pfarrer-auf-tirol