Einige Pfarrer auf Tirol (Fortsetzung)
Fortsetzung der historischen Abhandlung über die Pfarrer von Tirol, mit dem Epitaph von Bischof Beatus a Porta in Riffian und der Amtszeit von Fürstbischof Johann Flugi von Aspermont. Dargestellt werden Flugis Übernahme der Pfarre Tirol 1610, die Einweihung der Meraner Kapuzinerkirche sowie das Wirken der Jesuiten.
Vollständige Transkription
Anhang.
Einige Pfarrer auf Tirol. 2/3
(Fortsetzung.)
Beats Rest wurden, glaublich auf sein Verlangen hin, in der Filialkirche zu U. L. Fr. in Riffian beigesetzt. Dieß bezeugt ein mittelmäßig großes, sehr gut erhaltenes Monument aus weißem Marmor an der rechten Seitenmauer dieser Kirche mit folgender Inschrift:
EPITAPHIUM BEATI EPISCOPI CURIENSIS.
HIC JACET ARTE PLATO, JACET HIC CATO TULLIUS ORE,
QUI SIDIUL ALCIMEDON ARTE, ET APPLLES ERAT.
HIC PIETATE GRAVIS, NULLI PROBITATE SECUNDUS,
HIC DOCUIT SANA RELIGIONE GREGEM.
NE VENERIS NEVE BACHI CAPERETUR AMORE,
LASSARE EST SOLITUS MEMBRA LABORE GRAVI.
NUNC TANDEM HIC PLACIDE REQUIESCUNT OSSA BEATI,
CUI GENUS A PORTA NOMINA CLARA DEDIT.
CORPUS ALIT VERMES, PUTREFACTAQUE MEMBRA
SEPULCHRO
IN CINERES ABEUNT, SPIRITUS ASTRA PETIT.
ANNO M.D.XC.
Ober dieser Inschrift sieht man das Wappen in erhabener Arbeit: einen geviertheilten Schild; in dessen oberen rechten und unterem linken Felde ist der churische Steinbock, in den entgegengesetzten Feldern auf einem Postamente eine offene Pforte mit aufgesperrten Thürflügeln; darüber schwebt der Fürstenhut mit herabhängenden Quasten.
Johann Flugi von und zu Aspermont, der ältere, früher Pfarrer zu Feldkirch und Domherr, dann Domdekan zu Chur, wurde Bischof den 1. Hornung 1601 und als solcher den 29. Juli desselben Jahres zu Luzern konsekrirt. Damals wüthete noch immer die heftigste Gährung gegen die Katholiken in den drei Bünden. Der h. Missionär Fidelis v. Sigmaringen fiel unter den Mordschwertern und Keulen der Verblendeten; der selige Erzpriester von Valtelin, Nikolaus Ruska, gab auf der Folter seinen Geist auf; Kaspar Baselga, Schloßshauptmann von Fürstenburg, Georg Bellino v. Bellfort, österreichischer Landvogt in Prätigäu, Pompejus v. Planta und noch viele andere Priester und Laien starben nach überstandenen Foltern auf den Blutgerüsten des christlichen Heldentodes für den h. Glauben ihrer Väter. 1) Der Bischof selbst kam öfter in die äußerste Gefahr. Die meiste Zeit mußte er sich außer Rhäziens Gränzen aufhalten. Ihm in dieser bedrängten Lage seine Theilnahme und Willfährigkeit zu bezeugen, verlieh ihm der Landesfürst Erzherzog Maximilian der Deutschmeister die ihm durch das Ableben des Pfarrers Romedius Benedikti heimgefallene Pfarre Tirol. 2) Seinen herzlichen Dank hierüber drückte er in einem Schreiben an den Erzherzog, dessen Aufsatz noch vorfindig ist, unter andern also aus: „Also thue ich mich gegen E. Fl. Dt. der gnadt so sie mir mitt conferirung angedeuter Pfarr gnedigist erzaigt demuetigist bedanken, wil auch mein müglichen fleiß anwenden, das derselbigen also ab- und beygewartet werde, darab E. Fl. Dt. ein gnedigistes begnügen tragen sollen, und wo ich darneben solche stattliche ansehenliche gnadt vmb E. Fl. Dt. und den gantzen Hochloblichen Hauß von Oesterreich die teg meines Lebens hinwieder verdienen khan, sollen dieselben mich allzeit als Iren getrewen diener befinden.“ Er entschuldigt sich dann, daß er gegenwärtig Chur nicht verlassen könne, versichert aber, daß er für die Verwaltung der Pfarre bereits gehörig gesorgt habe. Dann fährt er fort: „Soll auch sonderlich und bevorab diese pfarr — in rechter gebürlicher ordnung, und haltung schuldiger und pflichtiger Gotzdienst versorget und verweset werden, das ich es gegen den almechtigen Gott, und auch E. Fl. Dt. verantworten khüne. Deren mich zue beharrlichen Erzfürstlichen Gnaden demüetigist befehlendt. Datum Chur den 20. Decembris A. 1610. E. Fl. Dt. dienstwilliger Caplan Joan. Eps. Curiens.“ — Schon unter dem 16. des vorhergegangenen Monats hatte der Bischof seinen Vikar im Vinstgau, den Domherrn, und wenigstens noch vor dem Jahre 1620 Domdekan von Chur, Kaspar Sayn, bisherigen Pfarrer von Schluderns, zu seinem Stellvertreter auf Tirol ernannt, doch mit dem ausdrücklichen Vorbehalte: „Da wier uber lang oder khurz daselben Persönlich zu residieren gesinnet, quocunque tempore soll er alsdann von der pfarr abzuziehen, und wier ime pro rato temporis ein billig Abtrag omnium expensarum, muy, fleiß und arbeit zu bezalen schuldig sein.“ — Den nachtheiligen Mißverständnissen, welche schon seit einiger Zeit zwischen der Stadt Meran und ihrem Pfarrer auf Tirol obgewaltet hatten, ein Ende zu machen, gieng der Fürst-Bischof Johann den 6. Jänner 1611 einen neuen Vertrag mit dem Stadtmagistrate ein. — Im Jahre 1617 den 29. Oktober weihte er die neu erbaute Kapuziner-Kirche zu Meran zur Ehre des h. Bischofs Maximilian ein. — Auch die Jesuiten hatten damals in Meran ein gemiethetes Missionshaus. Den 15. August 1623 führten sie daselbst die Marianische Kongregation ein, deren erste Mitglieder Nikolaus v. Knillenberg, Christoph v. Zöttl, Johann Leonhard Gadold von Seeloshausen, Benedikt v. Mammingen, Benedikt Hueber von Maur, Adam Kleinhans von Labers, und der damalige Pfarrs-Verwalter von Meran, Johann Leben, waren. Aber vergebens bewarben sich die Väter der Gesellschaft Jesu, P. Christoph N. und P. Georg Moser, die Pfarre Tirol und hiemit einen festen Sitz zu erhalten. Sehr bedauert mußten sie nach einem wenigstens fünfjährigen Aufenthalte Meran wieder verlassen, und nach Trient zurückkehren. — Entkräftet durch das hohe Alter (er zählte 78 Jahre), durch viele Arbeiten und Leiden, legte der Fürst-Bischof Johann alle seine Würden nieder, und gelangte gleich darauf zur ewigen Ruhe den 1. Herbstmonat 1627.
(Beschluß folgt.)
1) Eichhorn. Epistus Curiensis. p. 174 — 194.
2) Entnommen aus Urkunden Archivii olim Flugiani in castro Knillenberg
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- Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter
Zur Geschichte der Pfarrer auf Tirol
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"Einige Pfarrer auf Tirol (Fortsetzung)." Der Bote für Tirol, 17. Dezember 1827. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/17.12.1827/150416/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1827-12-17-einige-pfarrer-auf-tirol-fortsetzung