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Überschwemmungen im Pustertal und im südlichen Tirol

Zusammenfassung

Ungewöhnlich lang anhaltende Regenfälle verursachten im Dezember 1825 schwere Überschwemmungen im Pustertal und im südlichen Tirol. Neben Zerstörungen durch den Toblacher Bach, die Etsch und die Fersina bei Trient wurden zahlreiche Straßen und Brücken beschädigt sowie der Postverkehr unterbrochen.

Vollständige Transkription

Tirol.

Innsbruck, den 14. Dezember. Von dem Pusterthale und dem südlichen Tirol erhalten wir traurige Nachrichten über die Verheerungen durch das Austreten der Bäche und Flüsse aus ihren Ufern. Ganz ungewöhnliche und mehr als eine Woche andauernde heftige Regengüsse verursachten dasselbe. Wir können bis jetzt hier nur Einiges, was uns aus vorläufigen Berichten bekannt wurde, mitteilen. Im Pusterhtael wurden einige Häuser von den tobenden Fluthen des Toblacher Baches weggerissen, und nur durch die angestrengtesten Bemühungen konnte er wieder in sein Rinnsal geleitet werden. Mehrere Brücken waren in Gefahr, indessen wurde nur eine zerstört; die Straßenverbindung ist vielfältig unterbrochen. Auch die lockern Gebirge drohen an manchen Orten abzustürzen. Der Etschstrom trat beinahe überall aus seinen Ufern und überströmte die Gegend und selbst einen Theil der Stadt Trient. Die mit einem großen Kostenaufwand verdämmte Fersina durchbrach bei Trient, wo sie sich in die Etsch ergießt, diese Dämme und richtete große Verheerungen an. Aehnliche vorläufige Nachrichten haben wir von dem aus Vallarsa herabströmenden Lenobache, und die an denselben angelegten Fabriksgebäude erlitten großen Schaden. Die Straßen stehen an vielen Orten noch unter Wasser, und wurden stark beschädigt. Noch immer hält der Regen an, was eine auffallende Erscheinung in dieser Jahreszeit ist, mit der die in unseren Gegenden herrschende trockene Witterung und der nur auf den hohen Gebirgen liegende Schnee im höchsten Grade kontrastiren. Wir besorgen, leider, ähnliche Berichte auch von anderen südlicher gelegenen Gegenden zu erhalten. Infolge dieser Elementar-Ereignisse sind die Posten aus Italien zum Theil sehr verspätet, zum Theil noch gar nicht in Innsbruck eingetroffen.

1825 im Überblick

Das Jahr 1825 war im Meraner Raum und in Tirol stark von infrastrukturellen Meilensteinen wie der Fertigstellung und Erprobung der Stilfserjoch-Passstraße sowie von wichtigen kommunalen, kirchlichen und bildungspolitischen Entwicklungen geprägt. Gleichzeitig dokumentieren behördliche Ausschreibungen, Nachrufe auf verdiente Persönlichkeiten und Berichte zum lokalen Wirtschafts- und Kulturleben das vielschichtige gesellschaftliche Gefüge dieser Epoche.

Zitieren & Teilen

"Überschwemmungen im Pustertal und im südlichen Tirol." Der Bote für Tirol, 15. Dezember 1825. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/15.12.1825/150207/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1825-12-15-ueberschwemmungen-im-pustertal-und-im-suedlichen-tirol