Geschichtliche Nachrichten über die Familie von Paravicini und ihre Ansitze Rundeck und Rametz in Mais
Eine historische Abhandlung zur Einwanderung und Genealogie der aus Graubünden stammenden Adelsfamilie von Paravicini in Mais sowie zur Besitzgeschichte der Edelsitze Rundeck und Rametz. Dargestellt werden die Familiengeschichte des 104-jährigen Bernhard Freiherr von Paravicini und die lückenlose Besitzfolge beider Ansitze seit dem 14. bzw. 17. Jahrhundert.
Vollständige Transkription
Anhang.
Nekrolog der Ursulinerin Maria Thersia.
Der Vater dieser verdienten Schul- und Ordensfrau, Bernhard Freiherr von Paravicini de Capellis, kam am Anfang des verflossenen Jahrhunderts von Valtelin oder Graubünden nach Mais, wo sich schon früher die ursprünglich bündnerischen Freiherren v. Flugi, die Edlen v. Planta und v. Mohr niedergelassen hatten. Im Jahre 1714 kaufte er den Edelsitz Rundeck in Obermais; auch das Schloß Rametz mit dessen Gütern und dem damals dazu gehörigen Stifterhof brachte er an sich.
Noch in seinem Vaterlande hatte er sich verehelicht mit einer Edlen v. Belusi, und nach ihrem Tode mit Veronika v. Planta v. Wildenberg und Rametz. Diese seine zweite Gemahlin brachte er mit sich hieher. Nach ihrem Ableben verlobte er sich das dritte Mal mit Maria Anna Freiin v. Flugi v. Aspermont und Knillenberg den 25. Hornung 1727. Nach vier Jahren entriß ihm der Tod auch diese. Bereits schon 82 Jahre alt, aber noch ganz munter und rüstig, schritt er zur vierten Ehe mit dem jungen Fräulein Maria Anna Freiin v. Zinneberg. Zwei und zwanzig Jahre lebte er mit ihr in einer zufriedenen und gesegneten Verbindung.
Seine einzige Tochter aus der ersten Ehe trat in das tausendjährige Benediktiner-Nonnenstift Münster im Münsterthale, wo sie unter dem Namen Regina Gott in stiller Abgeschiedenheit diente, und ein Alter von mehr dann 80 Jahren erreichte.
Kinderlos war die zweite Ehe.
Die zwei, welche ihm seine dritte Gemahlin geboren hatte, starben in ihrer Unmündigkeit.
In seiner vierten Ehe wurde er noch mit zwölf Kindern erfreut, deren letztes, eine Tochter, mit Namen Katharina, erst einen Monat nach dem Hinscheiden ihres Vaters zur Welt kam. Von diesen verblichen sechs in ihrer Blüte. Von den drei erwachsenen Söhnen starben Franz und Bernhard als k. k. Offiziere. Johann Nepomuck, verehelicht mit Frau Maria Theresia, gebornen v. Bataglia de Pont´ Alto, verwittweten v. In der Maur, starb als Herr v. Rundeck 1813 mit Hinterlassung zweier Töchter. Von seinen Schwestern überlebte die Mutter Theresia zu Bruneck alle ihre Geschwister bis auf eine noch lebende ungeehelichte Schwester. Die jüngste, Katharina, starb als Wittwe in Eppan, nachdem sie das erste Mal mit Herrn v. Bernwerth in Innichen, das zweite Mal mit Herrn v. Berghammer verehelicht war.
Der Vater, Bernhard Freiherr v. Paravicini, Herr von Rundeck und Rametz, entschlief zu Meran, wo er gewöhnlich den Winter zubrachte, 1770, in dem hohen Alter von 104 Jahren.
1. Rundeck, ehedem ein gemeines Landgut zwischen den Schlössern Rottenstein, Rosenstein und Reichenbach in Obermais, verdankt dem Edlen Hanns Jakob Mohr von und zu Lichteneck, erzherzogl. Rath, gewesenen Hauptmann und Pfleger zu Trasp, seinen Namen und sein Emporkommen. Er erbaute das Schlößschen, hieß es Rundeck, und erhielt für dasselbe, seiner Verdienste wegen, die Rechte und Freiheiten eines Edelsitzes, für sich die Erlaubniß, sich für immer davon schreiben zu dürfen, vom Erzherzoge Leopold, als er noch Bischof von Straßburg und Passau, zugleich Administrator der gefürsteten Stifter Muhrbach und Luders war, gerade vor 200 Jahren. (Geben zu Ensisheim den 3 ten Tag Monats Martii nach Chr. G. 1625.)
Im Jahre 1667 war Rundeck einer der Edelsitze der Freiherren v. Mammingen.
Den 15. Oktober 1714 überließ es Dorothea, die hinterlassene Wittwe des Ferdinand v. Kühpach zu Ried, Zimmerlehen und Haßlach, eine geborne Klainhans v. Labers und Mihlrain, mit Einstimmung ihres von der Landeshauptmannschaft an der Etsch verpflichteten Anweisers, des Herrn Christoph Benedikt Zöttl von und zu Grießenstein, des H. R. Reichs Ritter und Herrn zu St. Valentin, ihres Sohnes, des Herrn Joseph Anton v. Kühpach, und ihres Aigen, des Herrn Philipp Jakob Hueber, Freiherrn von und zu Maur, kaufweise dem vorbelobten Freiherrn v. Paravicini; 3000 fl. Hauptsache und 100 fl. Leutkauf bezahlte derselbe sogleich darauf, den Ueberrest mit 1000 fl. und 50 fl. Zinse das folgende Jahr. Dieß beurkundete als Gezeug und Kommissionsschreiber an Meran, Herr Peter Bataglia, der Rechte Doktor. (Beschehen zu Meran den 23 sten September 1715.)
2. Rametz (in mehreren Urkunden liest man Rometz), ein altes Schloss auf einem schönen und fruchtbaren Rebhügel am Fuße des Berges Labers, von Obermais getrennt durch den aus der nahen und schauerlichen Bergschlucht kommenden, oft kaum sichtbaren, oft schrecklich verheerenden Naiferbache, der da seinen Namen verliert, und sich nach ungefähr einer Stunde unter dem Namen Rametzbach in die Etsch mündet.
In alten Urkunden von 1320, 1340 und noch 1372 erscheint Konrad der Rametzer als Zeuge.
Im Jahre 1352 verlieh der Landesfürst Ludwig von Brandenburg ein diesem Schlosse nahes Weingut dem Johann v. Rametz zum Lehen. Dieser war damals Richter zu Meran nach dem Peter v. Aur, und 1348 Zeuge bei einer Kaufserrichtung.
Im Jahre 1417 schlossen Jakob v. Rametz, Dorfmeister, und Peter Geinhart, Probst der Kirchen und Heiligen in Mais, im Namen aller Edlen und Nichtedlen daselbst einen Vergleich mit dem Bruder Jodok Pistor, Konventualen von Stams und Offizialen in Mais.
Nach der Landmatrikel schrieb sich eine Linie der Landesedlen Aichner v. Rametz. Ulrich Aichner v. Rametz war unter den Maiser Edlen, die 1536 dem Pfarrer Simon Gaßler, nachhin Abt in Stams, das Zeugniß ihrer vollen Zufriedenheit ausfertigten und besiegelten.
Vom Jahre 1594 bis 1623 erscheint in den Pfarr-Büchern von Mais öfter „der Edl Junkher Augustin Quaranta v. Rametz.“ Er war landesfürstlicher Kelleramtsverwalter zu Tirol an Meran.
Bald darauf kam es an die Edlen v. Planta, die auch auf dem Schlosse Greifen saßen. Einer derselben ruht in der Kirche zu U. L. Fr. Maria Trost in Mais. Auf seinem Grabe liest man: „Hic jacet illustrissimus D. D. Rudolphus Planta in Wildenberg et Ramez, Eques Auratus, Serenissimo D. D. Archiduci Aust. Leopoldo sel. memoriae quondam a Consiliis, Capitaneus arcis Trasp, Gubernator Vallis Tollinae et Grisoniae inferioris, cum Conjuge dulcissima D. Margaretha Planta, nata Traverza de Ortenstein, quae obiit X. die Martii Anno MDCXXXVIII. Quorum animae in Domino requiescant. Amen.“
Seine Erben waren die Edlen, nun Grafen v. Travers. Johann v. Travers überließ durch einen Vergleich vom 5. Dezember 1694 die Hälfte einer 24 Tagmahd haltenden Wiese von Rametz auf dem Sinich dem Freiherrn v. Schneeburg zu Rubein.
Von denen v. Travers brachte der Freiherr Bernhard v. Paravicini das Schloss Rametz mit dem Stifterhof an sich. Unter dem 27. April 1741 wurde ihm hierüber von Anton Martin Voglmayr v. Thier- und Hochenburg, Freiherrn zu Ferklehen rc., oberösterreichischer Regimentsrath und Keller zu Tirol rc., die grundherrliche Verleihung ausgefertigt.
Nach seinem Tode verkaufte der Vormund der minderjährigen Kinder, Herr v. Sagburg zu Meran, das Schloß und die noch damit vereinbarten Güter dem Bauersmanne Michael, Vater des gegenwärtigen Besitzers, Vigil Alber.
1825 im Überblick
Das Jahr 1825 war geprägt von bedeutenden infrastrukturellen Fortschritten wie der Fertigstellung und Erprobung der Stilfserjoch-Passstraße, die den Handelsverkehr zwischen Tirol und der Lombardei stärkte. Gleichzeitig prägten kommunale Ereignisse, administrative Neubesetzungen, das kirchliche und schulische Leben sowie verheerende Überschwemmungen durch langanhaltende Regenfälle im Dezember das Zeitgeschehen. Landesweite Berichte über Wirtschaft, lokale Ressourcen und Persönlichkeiten ergänzen das Bild dieser Epoche. →
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"Geschichtliche Nachrichten über die Familie von Paravicini und ihre Ansitze Rundeck und Rametz in Mais." Der Bote für Tirol, 17. November 1825. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/17.11.1825/150199/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1825-11-17-geschichtliche-nachrichten-ueber-die-familie-von-paravicini-und-ihre-ansitze-run