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Nekrolog für Maria Theresia Freiin von Paravizini (Ursulinin in Bruneck)

Zusammenfassung

Ausführlicher Nachruf auf Maria Theresia (Sidonia) Freiin von Paravizini (1755–1824), gebürtig aus Obermais, die fast fünf Jahrzehnte lang als Ursulinin und Schullehrerin in Bruneck wirkte.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrologe. 2/2

(Beschluß.)

II.

Maria Theresia (nach dem Taufnamen Sidonia), aus der hochadelichen Familie der Freiherren von Paravizini, erblickte das Tageslicht zu Obermais nächst Meran den 2. August 1755. Ihre religiösen und sorgfältigen Eltern, Bernhard Freiherr von Paravizini, aus Mailand gebürtig, und Anna Freyin von Zinneberg, *) verwendeten auf die Erziehung ihrer Tochter alles Mögliche, und schickten sie im fünfzehnten Altersjahre zuerst auf drei Jahre in das Frauenkloster zu Münster in Graubündten, dann im Jahre 1774 in das Erziehungs-Institut nach Bruneck. Hier entwickelten sich nun jene schönen Eigenschaften, die in der Folge so gute Früchte trugen. Mit Ausschlagung glänzender Heiraths-Anträge, die ihr gemacht wurden, wählte sie den Ursulinerordens-Stand, und legte am 21. Oktober 1776 das geistliche Kleid an, dann am 1. März 1779 mit Dispens von sechs Monaten des Alters, die sie von Ihrer Majestät der Kaiserin Theresia selbst auf inständiges Bitten erhielt, die Ordensgelübde ab.

Von dieser Zeit ihrer Einkleidung an bis zehn Tage vor ihrem Tode, nämlich über 47½ Jahre lang, widmete sie sich ununterbrochen dem Unterrichte der weiblichen Jugend, auch während der sechs Jahre, in denen sie das Amt der Speisemeisterin, und der eilf Jahre, in denen sie jenes der Hauspräfektin besorgen mußte, und zwar dreizehn Jahre lang als Kostmeisterin im Erziehungs-Institute, die übrige Zeit als Klassenlehrerin in der Stadt-Mädchenschule, die sie zugleich die letzten neunzehn Jahre hindurch als Präfektin leitete.

Wie viel sie in dieser Sphäre gethan habe, ist unbeschreiblich. An den Schultagen blieb sie noch nach den gewöhnlichen vier Schulstunden bei den Kindern in der Schule, wohin sie selbe auch an Vakanztagen, wenn sie konnte, einlud, und sie auf eine angenehme Art beschäftigte. In der Schule bei den Kindern seyn, war ihr Vergnügen, worüber sie alle Beschwerlichkeiten, selbst körperliche Leiden vergaß. Aber auch die Kinder hiengen ganz an ihr, und giengen so gern zu ihr in die Schule, daß man manches halb kranke wieder nach Hause schicken mußte.

Selbst in ihrem vorgerückten Alter, bei ihren öfteren Unpäßlichkeiten, war sie immer fröhlich, frei von Vorurtheilen für das Alte, fügte sich willig in die neuen Schulverordnungen, und befolgte jeden Wink ihrer Schul-Behörde. Ueberhaupt besaß sie die Tugenden der Demuth und des Gehorsams im vollkommenen Grade. Sie bat sich im Kloster die niedrigsten Arbeiten aus, kehrte die Schulzimmer, reinigte selbst vernachläßigte Schulkinder und lehnte die im Jahre 1796 auf sie gefallene Wahl einer Oberin mit unausgesetztem Flehen von sich ab. Die gegenwärtige würdige Oberin versichert, daß sie während ihres vierzehnjährigen Amtes der Mutter Theresia nie einen Wink zu wiederholen nöthig hatte.

Nebst diesen Tugenden hatte sie noch vorzüglich den Geist der Andacht, denn sie benützte jeden Augenblick, der ihr von den andern Berufsgeschäften übrig blieb, zum Gebethe, dem sie auch viele Nachtstunden opferte, und während aller Arbeiten war ihr Herz immer bei Gott. Nie kam eine Klage aus ihrem Munde; sie war mit allem, auch der kargsten Kost zufrieden, und den Strengheiten, die sie gegen sich übte, mußte öfters von der Oberin Einhalt gethan werden. Kurz, sie war nicht nur eine ausgezeichnete Schullehrerin, sondern auch eine echte Ordensperson, die ihren Beruf sehr hoch schätzte, und täglich dafür dankte, ja noch in ihrer letzten Krankheit einem Herrn in Bruneck danken ließ, daß sein Vater sie dahin begleitet hatte.

Einen Monat vor ihrem Tode, nach der Beerdigung einer ihrer Mitschwestern, gieng sie zur Oberin, dankte ihr für alle ihr erwiesene Liebe herzlich, und sagte, daß sie bestimmt die erste im Kloster diesen Weg zu gehen sey (welches wirklich geschah), setzte auch bei, daß sie nun auf der Welt nichts mehr zu thun habe, indem die ihr beigegebene Gehülfin Xaveria sie in der Schule ganz ersetzen werde.

Ihr letztes Krankenlager dauerte nur zehn Tage, während welchen die Schulmädchen ungeheißen von einer Kirche in die andere giengen, ihre Wiedergenesung zu erbitten. Mit christlich frommen Gesinnungen, wie sie gelebt hatte, starb sie sanft den 5. April 1824. Bei ihrem zahlreichen Leichenzuge weinten die Schulmädchen fast alle, auch viele Erwachsene, deren Lehrerin sie gewesen war, und noch wird ihre Grabstätte von dankbaren Herzen häufig besucht.

Heil der warmen Jugendfreundin, die im Stillen so wohlthätig wirkte — der echten Ordensperson, die eine so gründliche Tugend besaß! Segnen werden ihr Andenken viele Familien, zu deren Glück sie durch die Jugendbildung der Mütter wesentlich beitrug. Auch der Einsender dieser Notizen verdankt ihr viele angenehme Stunden, die ihm durch ihre unverdrossenen und wirksamen Bemühungen in der Schule veranlaßt wurden. Vielleicht wird ihre echt christliche Tugend einst mit der Zeit noch mehr und allgemeiner gewürdigt werden.

*) Das freiherrlich Zinnebergische Geschlecht stammt von den Edlen von Franzin her, welche das Prädikat von Zinneberg, oder Zwinneberg — einem im gräflich Brandisischen Gerichte Tisens liegenden Schlosse — führten, und da dieses Geschlecht in den Freiherrenstand erhoben wurde, mit Weglassung des Namens Franzin, sich Freiherren von Zinneberg zu Weissenheim, Mareith und Campan nannten. Ein Bruder der Mutter dieser Klostersfrau, Ignatz, war Domherr zu Brixen und Pfarrer in Telfs 1726.

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"Nekrolog für Maria Theresia Freiin von Paravizini (Ursulinin in Bruneck)." Der Bote für Tirol, 20. Oktober 1825. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/20.10.1825/150191/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1825-10-20-nekrolog-fuer-maria-theresia-freiin-von-paravizini-ursulinin-in-bruneck