Über den Bildhauer Rainalter in Bozen und den Vinschgauer Marmor
Ein zeitgenössischer Bericht würdigt das Talent des Bozner Bildhauers Rainalter und hebt die hohe Qualität sowie die Kostenvorteile des heimischen Vinschgauer Marmors gegenüber Carrara-Marmor hervor. Der Text plädiert für eine stärkere Nutzung lokaler Ressourcen und Kunstwerke zur Verschönerung von Kirchen und öffentlichen Räumen in Tirol.
Vollständige Transkription
Anhang.
Ein vaterländischer Künstler, der mehr Aufmerksamkeit und Beschäftigung verdient, als er bisher gefunden hat, ist der Bildhauer Rainalter zu Botzen, von dessen Geschicklichkeit die Büste Sr. Maj. des Kaisers von weißem Vinschgauer Marmor auf der Schießstätte zu Botzen, die kleinen schönen Statuen an den Springbrunnen des gräfl. Sarntheinischen Gartens daselbst von ähnlichem Marmor, und die Statuen von Holz in dem niedlichen, kleinen, zugleich pomologisch merkwürdigen Garten des Hrn. Moser zu Botzen sprechende Beweise sind. Ueberhaupt ist die Liebe und der Geschmack für marmorne plastische Kunstwerke, die doch zur Verschönerung unserer Kirchen und anderer öffentlichen Gebäude, und unserer Städte und Ortschaften ganz vorzüglich geeignet wären, bisher nie sehr groß gewesen, woran freilich die größern, mit Werken dieser Art verbundenen Kosten die Hauptschuld tragen mögen. Indessen besitzen wir im Lande einen vortrefflichen, zu jeder Art Bildhauer-Arbeiten ungefähr eben so sehr geeigneten weißen Marmor, als es jener von Carrara ist, und da der letztere nur mit sehr großen Kosten erlangt werden kann, ist dagegen der unsrige in jeder erforderlichen Masse mit verhältnismäßig unbedeutendem Aufwande zu haben, so, daß plastische Werke von schönem Marmor schon darum bei uns ohne Vergleich wohlfeiler als in andern Ländern verfertigt werden könnten. Vielleicht bedarf es nur der Erinnerung und eines kleinen Anstoßes, um dem Geschmacke bei uns auch in diesem Stücke eine andere und bessere Wendung zu geben.
1825 im Überblick
Das Jahr 1825 war im Meraner Raum stark von bedeutenden Infrastrukturprojekten und administrativen Entwicklungen geprägt. Im Vordergrund stand dabei die Eröffnung und schrittweise Ingebrauchnahme der neuen Passstraße über das Stilfser beziehungsweise Wormser Joch als wichtige alpenländische Handelsverbindung. Daneben spiegeln die Verpachtung der Egarts-Bade-Anstalt, lokales Stiftungswesen sowie offizielle Gedenk- und Trauerfeiern den gesellschaftlichen und institutionellen Alltag dieser Epoche wider. →
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"Über den Bildhauer Rainalter in Bozen und den Vinschgauer Marmor." Der Bote für Tirol, 29. September 1825. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/29.09.1825/150185/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1825-09-29-ueber-den-bildhauer-rainalter-in-bozen-und-den-vinschgauer-marmor