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Nekrolog auf den Maler Johann Josef Karl Henrici (Schluss)

Zusammenfassung

Der letzte Teil des Nekrologs beleuchtet das tragische Spätleben des Malers Johann Josef Karl Henrici in Bozen. Nach dem Verlust seiner Kinder und dem Erblinden zog sich der Künstler zurück, vernichtete einen Großteil seines Werkes und lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod im Jahr 1823.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 3/3

(Beschluß.)

Allein so vieles auch nach allen diesen Umständen sich vereinigt hatte, um ihn zu einem glücklichen Sterblichen zu machen, so hart und traurig war doch sein Los in der letzten, ungefähr das Drittel seines langen Lebens füllenden Periode. Der größte Theil seiner vielen Kinder war ihm schon in früher Jugend gestorben; einer seiner ersten Söhne hatte zwar das Jünglingsalter erreicht, im Zeichnen und Mahlen schon gute Fortschritte gemacht, und, wie der Vater oft von ihm rühmte, eine vorzügliche Anlage und Neigung für das Fach der Architektur gezeigt; doch er entlief aus dem väterlichen Hause, und zwar, wie man zu Botzen allgemein sagte, wegen der übertriebenen Härte, mit der er vom Vater behandelt worden, wurde gemeiner Soldat in einem kaiserlichen Regimente, und starb nicht lange darnach in einem Militärspitale. Nach dem Jahre 1790 zählte H. noch zwei Kinder, eine nicht glücklich verheirathete Tochter, die bald kinderlos gestorben ist, und einen Sohn, der schon sehr brav mahlte, wie er denn im Jahre 1796, ungefähr dem achtzehnten seines Alters, von der Zeitgeschichte seines Vaterlandes und von Patriotismus ergriffen, zwei größere Stücke, Gefechte der Tiroler gegen die Franzosen vorstellend, mit vielem Beifalle entworfen und in Oel ausgeführt hat. Als der Feind im Monate März 1797 nach Botzen und noch weiter vordrang, zog der junge Mann sich mit den Landesvertheidigern in die Gebirge zurück, wo er, von einem Nervenfieber befallen, ebenfalls gestorben ist. Seine Eltern sahen sich, ungeachtet ihres großen Ehesegens, auf einmal ganz kinderlos, und wie sehr sie das schmerzte, bedarf keiner Schilderung. Sie suchten einige Zeit sich durch den Gedanken zu trösten, daß ihr oben erwähnter, aus dem Hause entwichener älterer Sohn doch noch leben könnte, indem sie nun von seinem Tode keine vollkommen zuverläßige Nachricht haben wollten, und sie gaben sich, wiewohl vergeblich, viele Mühe, von seinem Leben noch etwas in Erfahrung zu bringen.

Ungefähr um dieselbe Zeit hatte Henrici, der, in Folge einer von seinen mehreren Sonderlichkeiten, an einem hellen Sommertage um die Mittagszeit einen Spaziergang gemacht hatte, als er nach Hause kam, sich an dem einen Auge ganz erblindet gefunden. Von dieser Zeit an nahm auch die Sehkraft seines zweiten Auges immer mehr ab, so daß er bald nicht mehr mahlen konnte, und sein letztes Stück, eine h. Magdalena, unvollendet zu lassen gezwungen war. In wenig Jahren war er auch am zweiten Auge ganz blind. Dazu kam, daß der ohnehin kleine Zirkel seiner Freunde sich bald ganz auflöste, indem einige gestorben, andere anderswohin versetzt worden sind. Man kann sich nicht verwundern, daß bei allen diesen Unfällen seine Laune immer trüber ward; er wurde in hohem Grade mürrisch und beinahe menschenscheu. Sonderbar ist, daß er sich von einer Art Haß gegen seine künstlerischen Arbeiten ergriffen zeigte. Er äußerte große Freude, als die von ihm in Fresko gemahlte Saaldecke auf der Schießstätte zu Botzen herab gefallen ist, und er erklärte öfter, einen ansehnlichen Beitrag dazu geben zu wollen, wenn man sein Fresko in der Kapelle der Pfarrkirche zu Botzen übertünchen, und die Kapelle von einem andern Künstler ausmahlen ließe; er zerriß seine Zeichnungen, und schnitt sein eigenes, von ihm selbst gut gemahltes Porträt in Stücke. Seinen nicht unbeträchtlichen Vorrath von Gemählden, theils eigenen, theils Originalen oder Kopien von fremden Meistern, und seine Kupferstiche hat er größtentheils verschenkt, und es schien ihm daran zu liegen, sich von Allem, was ihn an seine Kunst erinnern konnte, je eher je lieber loszumachen. Sehr natürlich aber war, daß er seine Realitäten, über die er nicht mehr die gehörige Aufsicht führen konnte, verkauft hat.

So lange seine gute Frau lebte, wurde sein Schicksal von ihr noch sehr erleichtert. Sie blieb ihm immer zur Seite, las ihm die Zeitungen und Anderes vor, und führte ihn in die Kirche und auf Spaziergänge. Aber er überlebte sie um mehr als vierzehn Jahre, und er blieb nun bloß auf die Dienste einer getreuen Magd beschränkt, die alle seine Launen ertrug, für seine ganze Pflege sorgte, und ihn, da er die letzten Jahre seines Lebens beinahe ganz lahm geworden war, in die Kirche und auf kleine Spaziergänge mehr schleppte als führte. Der arme Mann hat mehr als das Viertel eines Jahrhunderts in der Blindheit zugebracht, und gleichsam sich selbst überlebt; er war in Botzen selbst beinahe vergessen und unbekannt geworden; denn die Stadt war in dieser Zeit großen Theils durch ein neues Geschlecht bevölkert worden. Er starb den 27. Oktober 1823, im 87sten Jahre seines Alters. Er ließ noch ein Vermögen von ungefähr 9000 fl. sogenannter Reichswährung, und darunter bei dritthalb tausend Gulden an Baarschaft zurück, und er starb ohne Testament, obwohl er keinen ihm bekannten gesetzlichen Erben hatte. Man hatte erwartet, er würde seine Dienstmagd Maria Remp (sie verdient genannt zu werden), die ihm über 42 Jahre ununterbrochen für einen geringfügigen Lohn treu gedient hatte, großmüthig bedenken; aber es geschah nicht, und man sagt, er habe seinen Beichtvater, der ihn hieran erinnerte, aufgebracht hiervon schweigen geheißen. Man müßte dem alten Manne darob zürnen, wenn man nicht mit allem Grunde annehmen könnte, daß dieses sein Benehmen nur auf die Rechnung einer aus dem hohen Alter und seinen vielen Leiden entstandenen Geistesschwäche zu schreiben sey.

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"Nekrolog auf den Maler Johann Josef Karl Henrici (Schluss)." Der Bote für Tirol, 28. Oktober 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/28.10.1824/150089/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-10-28-nekrolog-auf-den-maler-johann-josef-karl-henrici-schluss