Der Bote für TirolOriginalquelle ansehen

Nekrolog des Malers Karl Henrici (1. Teil)

Zusammenfassung

Ein ausführlicher Nachruf würdigt das Leben und Schaffen des im Herbst 1823 in Bozen verstorbenen Malers Karl Henrici. Nach seiner Flucht aus Schlesien vor dem preußischen Militärdienst und Lehrjahren in Prag, Wien, Venedig und Verona ließ er sich in Bozen nieder. Der erste Teil des Lebenslaufs beleuchtet Henricis Werdegang, seine Ausbildung und seine Arbeitsweise als produktiver Künstler.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 1/2

Im Herbste des verflossenen Jahres starb zu Botzen der Mahler Karl Henrici, ein Künstler, dessen Werke in den Kirchen und noch mehr in Privathäusern von Tirol in großer Anzahl gesehen werden, und dessen Kunsttalente es allerdings verdient haben, daß von ihm umständlichere Nachrichten aufbewahrt werden.

Er war zu Schweidnitz in Schlesien den 25. Jänner 1737 geboren. Sein Vater, Johann Henrici, ein guter Porträtmahler, war sein erster Lehrer im Zeichnen und Mahlen; desselben Absicht scheint aber nicht gewesen zu seyn, diesen Sohn eigentlich für die Kunst zu erziehen; denn dieser wurde in die dortigen Gymnasial-Schulen der Jesuiten geschickt, die er alle mit ausgezeichnetem Fortgange durchlaufen hat.

In der Zeit seiner Kinderjahre war seine Vaterstadt von der österreichischen unter die preußische Oberherrschaft gekommen, und beim Beginnen seines Jünglingsalters war der siebenjährige Krieg im Anzuge. Das preußische Heer wurde verstärkt, und Karl H. war bereits zur Aushebung für den Artillerie-Dienst bestimmt. Sein Vater, der in seinen jüngeren Jahren als Feld-Trompeter im österreichischen Heere gedient hatte, und noch immer die höchste Anhänglichkeit an das Haus Oesterreich nährte, konnte den Gedanken nicht ertragen, daß sein Sohn gegen Oesterreich streiten würde; er wolle ihn, sagte er, lieber todt, als in preußischer Montur sehen. Der junge Mensch mußte sich, vom Vater mit Gelde nothdürftig unterstützt, heimlich über die Gränze nach Böhmen flüchten. Und wirklich war er für seinen Vater von dieser Zeit an beinahe wie gestorben. Er kam nie wieder in seine Heimath zurück, und wagte es auch nur selten, und bei sehr guter Gelegenheit, dem Vater von sich Nachricht zu geben.

Er arbeitete anfangs längere Zeit bei einem Theater-Mahler zu Prag; der Gang des ausgebrochenen Krieges machte aber, daß er sich in Böhmen nicht mehr sicher glaubte. Er gieng nach Wien, wo er bei Paul Troger und Michael Angelus Unterberger ein Unterkommen zu finden vergeblich versucht, und dann nach Grätz, Laibach und Agram, wo er bei verschiedenen Mahlern durch einige Zeit gearbeitet hat. Er begab sich später, das Bedürfniß einer mehrern Ausbildung fühlend, über Triest nach Venedig, wo er sich längere Zeit aufhielt, die Meisterwerke der Mahler der venezianischen Schule in den Kirchen, Pallästen und Gallerien fleißig besah und studirte, und nebenher durch das Mahlen von Miniatur-Porträten sich den Unterhalt verdiente. Er klagte hernach öfter, daß er damals durch das viele Miniatur-Mahlen sich sehr die Augen geschwächt habe. Er gieng sohin auf die venezianische Terraferma über, besuchte da mit derselben Absicht und Beschäftigung einige Städte, und kam endlich nach Tirol und bis Botzen. Hier fand er gute Aufnahme bei dem Mahler Mathias Twinger, einem vorzüglich im Kopiren geschickten Manne, bei welchem er gegen zwei Jahre in Kondition geblieben ist, worauf ihn der Magistrat der Stadt als Mahler und Einwohner von Botzen aufgenommen, und er sich mit Twingers Tochter M. Rosa verehelichet hat.

Da er so zur Selbstständigkeit gelangt war, bedachte er, ob er wohl bei seiner Kunst eben so mit Ehre, als mit Vortheil bestehen könnte, und er konnte sich nicht verhehlen, daß es ihm an einem gründlichern Studium noch sehr fehle. Darum begab er sich, schon verehelicht, auf beinahe ein Jahr in die Schule des damals berühmten Karl Cignaroli nach Verona, und später noch einmal auf ungefähr eben so lange Zeit in jene des ebenfalls sehr hoch geachteten Veroneser Mahlers Boscorati. Er sprach in der Folge vorzüglich von dem letzteren, und von der Liebe und Theilnahme, mit der derselbe sich seiner Ausbildung angenommen hat, mit großer Hochachtung und Dankbarkeit.

Er mahlte dann zu Botzen mit immer steigendem Beifalle, und war beinahe ununterbrochen vollauf beschäftigt. Er war sehr arbeitsam, und mahlte zugleich mit ungemeiner Fertigkeit, wie ihn denn seine Freunde manchmal im Scherz Luca fa presto nannten, nach einem aus Vasari wegen seiner großen Fertigkeit bekannten italienischen Mahler. Durch diese Eigenschaften verschaffte er sich ein gutes Einkommen, obwohl er für seine Gemählde sehr billige Preise bestimmte, und eben die leichten Preise machten, daß es ihm an Bestellungen auf neue Gemählde, selbst auch aus andern Ländern, beinahe niemals gebrach. Ich erinnere mich unter andern, daß er ein bestelltes Altarblatt für eine Kirche in Kroatien gemahlt hat.

Er unterzog sich beinahe jeder Art von Mahlerei; nur Landschaften habe ich von ihm beinahe gar nicht gesehen. Dagegen hat man viele Porträte, bei denen man ihm aber vorwarf, daß vorzüglich jene von jüngern Personen zu sehr schmeichelten, zum Nachtheile der Haupt-Eigenschaft eines Porträtes, des richtigen Treffens. Ueberhaupt haben seine Bilder alle eine eigene Lebhaftigkeit, dabei viel Gefälliges und Anziehendes, eine gewisse Grazie, und, man möchte sagen, etwas Galantes, wozu auch das, in die Manier von Cignaroli streifende Kolorit viel beiträgt. Diese Art zu mahlen war ihm so zur Natur geworden, daß man wirklich in seinen Gemählden von ernsthaften Gegenständen manchmal zu wenig Ernst finden will. Darum sind auch seine Konversationsstücke, Maskeraden u. d. gl., deren er viele gemahlt hat, vielleicht jene von seinen Arbeiten, die die vorzüglichste Schätzung verdienen. Es ist nicht zu läugnen, daß man an seinen Werken bei näherer Prüfung auf manchen Zeichnungsfehler stößt, was dem Mangel eines solidern Unterrichts in seiner frühern Jugend zuzuschreiben ist. Aber gerade bei Stücken der Art, wie wir so eben meldeten, macht das Gefällige des Ganzen, daß man derlei einzelne Fehler gern übersieht. (Fortsetzung folgt.)

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter

    Nekrolog auf den Maler Carl Henrici (Fortsetzung)

    Dieser zweite Teil des Nekrologes beschreibt das vielseitige künstlerische Schaffen des Maler Carl Henrici in Bozen und Umgebung. Neben seinen Altarbildern, Fresken und allegorischen Arbeiten wird auch auf seine Persönlichkeit, seinen Lebensstil und die Ehrenbezeugung durch den Bozner Magistrat eingegangen.

  • Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter

    Nekrolog auf den Maler Johann Josef Karl Henrici (Schluss)

    Der letzte Teil des Nekrologs beleuchtet das tragische Spätleben des Malers Johann Josef Karl Henrici in Bozen. Nach dem Verlust seiner Kinder und dem Erblinden zog sich der Künstler zurück, vernichtete einen Großteil seines Werkes und lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod im Jahr 1823.

1824 im Überblick

Das Jahr 1824 war in Meran und Umgebung von hochrangigen Besuchen, der Pflege des regionalen Erbes und touristischen Entwicklungen geprägt. Erzherzog Franz Carl bereiste die Region und traf dabei auf Weggefährten von Andreas Hofer, dessen in St. Leonhard feierlich gedacht wurde. Gleichzeitig zeugen Berichte über die historische Wildschweinjagd, die Würdigung lokaler Persönlichkeiten wie Jakob Ulrich Pirchstaller sowie die Modernisierung der Egart-Badanstalt von einem wachsenden gesellschaftlichen und touristischen Leben.

Zitieren & Teilen

"Nekrolog des Malers Karl Henrici (1. Teil)." Der Bote für Tirol, 21. Oktober 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/21.10.1824/150087/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-10-21-nekrolog-des-malers-karl-henrici-1-teil