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Nekrolog auf den Maler Carl Henrici (Fortsetzung)

Zusammenfassung

Dieser zweite Teil des Nekrologes beschreibt das vielseitige künstlerische Schaffen des Maler Carl Henrici in Bozen und Umgebung. Neben seinen Altarbildern, Fresken und allegorischen Arbeiten wird auch auf seine Persönlichkeit, seinen Lebensstil und die Ehrenbezeugung durch den Bozner Magistrat eingegangen.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nekrolog. 2/3

(Fortsetzung)

Sehr beliebt sind auch seine Madonnen, deren man, nebst andern Bildern von Heiligen, gleichfalls sehr viele findet. Einige derselben verdienen wirklich großes Lob, an andern aber setzt man wieder den Mangel der gehörigen Würde aus, und daß sie zu sehr in das Galante fallen. Dasselbe gilt von seinen Bildnissen heiliger Märtyrinnen und anderer weiblichen Heiligen. Ich berühre bei diesem Anlasse die Anekdote, daß er einem alten Geistlichen, seinem Freunde, der bei ihm zwölf Bilder, die zwölf Apostel, bestellt hatte, dafür zwölf schöne heilige Jungfrauen, Katharina, Barbara u. s. w. gemahlt und zugeschickt hat, welcher Scherz als Künstler-Bizarrerie am Ende doch gut aufgenommen wurde.

Viel Talent zeigte er in allegorischen Kompositionen, vorzüglich in jenen eines satyrischen Inhalts, was er in einigen Staffelgemählden dieser Art, und auf mehreren hölzernen Scheiben zu großen Freischießen, auf welchen allegorische Vorstellungen überhaupt sehr gewöhnlich sind, bewiesen hat. Es war ihm nicht leicht eine Arbeit zu geringfügig, und so hat er sich auch nicht geweigert, solche Scheiben, und auch kleine Bilder auf Pergament und Papier für Gebeth- und Stammbücher zu mahlen.

Auch größere Werke, mehrere Blätter zu Kirchen-Fahnen und einige Altarblätter hat er geliefert. Alle Altarblätter der neuen Kirche zu Neustift im Thale Stubay sind von ihm; eben so zwei Blätter in den Seitenaltären der Kuratie-Kirche zu Aldein im Landgerichte Neumarkt. Andere als diese sind mir nicht bekannt. Nicht minder war er auch Fresko-Mahler. In dieser Art ist von ihm die Gnaden-Kapelle in der Pfarrkirche zu Botzen, die Kirche zu Steineck, und, was wohl die vorzüglichste seiner Arbeiten in Fresko ist, den Saal in dem ehemals Paul v. Menzischen Hause zu Botzen ausgemahlt. Sehr geschickt war er ferner in Architekturstücken, wovon er mehrere Beweise auf Staffelgemählden hinterlassen hat. Besonders geschätzt war in dieser Rücksicht das von ihm gemahlte sogenannte heilige Grab in der Kapuziner-Kirche zu Botzen.

Auf vielen, doch keineswegs auf allen seinen Gemählden, haben sich in der Folge die Farben sehr gebleichet, vielleicht weil sie gar zu leicht aufgetragen, hauptsächlich aber wohl, weil nicht gute und dauerhafte Farben gewählt waren. Er hat diesen Fehler öfter selbst anerkannt, aber dadurch entschuldiget, daß es ihm ungemein schwer wurde, bessere Farben zu überkommen, eine Klage, die, wie er versicherte, auch von andern Mahlern in Italien, wie in Deutschland, oft gehöret werde.

Henrici war ein Mann von vielem Geiste und großen Anlagen zur Kunst. Wäre ihm in seiner Jugend das Glück des Unterrichts in einer gründlichen Kunst-Schule zu Theile geworden, er würde sich sehr wahrscheinlich zu einem sehr vorzüglichen Ruhme erschwungen haben. Immerhin gehört er in die Klasse der sehr guten und geschickten praktischen Mahler, und viele seiner Werke werden immer geschätzt bleiben. Er hatte unter andern das Vergnügen, sein Verdienst auf eine sehr auszeichnende Art dadurch anerkannt zu sehen, daß der Herzog von Kurland auf seiner Durchreise ihn besucht, einige seiner vollendeten Gemählde gekauft, und ihm einige Zeit darauf die Stelle eines Hofmahlers, wenn er seinen Wohnsitz nach Mietau verlegen wollte, unter sehr günstigen Bedingungen angeboten hat. Seine günstige häusliche Lage in Botzen bestimmte ihn, den Antrag abzulehnen; doch schmeichelte es ihm immer, wenn seine Freunde ihn öfter den herzoglich kurländischen Hof Mahler nannten. Der Magistrat zu Botzen hat ihm im Jahre 1788 dadurch einen Beweis der Würdigung seines Verdienstes gegeben, daß er aus eigenem Antriebe ihm die sogenannte Gewerbesteuer, die ein Mahler zu Botzen nach alter Sitte gleich jedem gemeinen Handwerker zur städtischen Kasse zu zahlen hatte, als eine eines so vorzüglichen Künstlers unwürdige Abgabe erlassen hat. Wenn diese schon nur wenige Gulden für jedes Jahr betrug, war der aus dem angeführten Beweggrunde bewilligte Nachlaß derselben zu jener Zeit für ihn eine Ehrenbezeugung, die ihn ungemein erfreuet hat.

Er war in der Geschichte der Kunst wohl bewandert, unterhielt sich mit seinen Freunden viel aus derselben, sprach aber am liebsten und öftesten von dem Mahler der Grazien, Correggio, zu dessen Schülern und Nachahmern er gern gezählt seyn mochte. Er hat diesem großen Künstler ein eigenes Gemählde gewidmet, das einen Churfürsten von Sachsen, von den Großen seines Hofes umgeben, vorstellt, wie er vor der in eine prächtige, mit Edelsteinen gezierte Rahme eingesetzten berühmten Nacht von Correggio voll Bewunderung sitzt; oben in den Wolken hat die Göttin Pallas den Schatten von Correggio herbei geführt, damit er das schöne Schauspiel sehe, und seinen hohen Ruhm, von welchem ihm, so lange er lebte, nach der gemeinen Erzählung, so wenig zu Theil geworden ist, wenigstens nach seinem Tode genieße.

Henrici lebte sehr zurückgezogen; er machte höchst selten Besuche, und nie sah man ihn in Gast- oder Kaffeehäusern; dagegen fanden sich in seinem Arbeitszimmer häufig einige Kunstfreunde ein, durch deren Anwesenheit er sich im Mahlen nicht stören ließ. Er fuhr, wenn auch ein größerer Zirkel ihm zusah, fort zu mahlen, und nahm dabei an allen auch noch so verschiedenen Gesprächen Antheil. Er war in solchen Zirkeln sehr heiter und ein angenehmer Gesellschafter, der das Gespräch durch Belesenheit und Anekdoten, und durch witzige, öfter auch beißende Einfälle zu beleben wußte. Man beschuldigte ihn dagegen, daß er im Umgange mit seiner Familie sich sehr verschieden, nämlich sehr herrisch, launenhaft und mürrisch betragen habe. Dem ungeachtet hat er mit seiner bescheidenen Frau, die ihn sehr hoch schätzte, und seinem Eigensinne und seinen Launen auf kluge Art nachzugeben verstand, bei 50 Jahre in einer friedlichen Ehe gelebt; denn sie ist ihm erst den 27. März 1809 gestorben, nachdem sie ihm eilf Söhne und vier Töchter geboren hatte. Dabei hatte er sich durch seinen Fleiß und durch genaue Wirthschaftlichkeit zu gutem Wohlstande erschwungen. Er hatte sich unter andern in der Gegend von Botzen drei Weingärten, und in der Stadt selbst ein Haus gekauft, und dieses auch großen Theils neu erbaut. (Beschluß folgt.)

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter

    Nekrolog auf den Maler Johann Josef Karl Henrici (Schluss)

    Der letzte Teil des Nekrologs beleuchtet das tragische Spätleben des Malers Johann Josef Karl Henrici in Bozen. Nach dem Verlust seiner Kinder und dem Erblinden zog sich der Künstler zurück, vernichtete einen Großteil seines Werkes und lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod im Jahr 1823.

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1824 im Überblick

Das Jahr 1824 war in Meran und Umgebung von hochrangigen Besuchen, der Pflege des regionalen Erbes und touristischen Entwicklungen geprägt. Erzherzog Franz Carl bereiste die Region und traf dabei auf Weggefährten von Andreas Hofer, dessen in St. Leonhard feierlich gedacht wurde. Gleichzeitig zeugen Berichte über die historische Wildschweinjagd, die Würdigung lokaler Persönlichkeiten wie Jakob Ulrich Pirchstaller sowie die Modernisierung der Egart-Badanstalt von einem wachsenden gesellschaftlichen und touristischen Leben.

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"Nekrolog auf den Maler Carl Henrici (Fortsetzung)." Der Bote für Tirol, 25. Oktober 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/25.10.1824/150088/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-10-25-nekrolog-auf-den-maler-carl-henrici-fortsetzung