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Zur Geschichte der Pest in Meran und im Vinschgau in den Jahren 1635 und 1636

Zusammenfassung

Der Bericht beleuchtet die Ausbreitung der Pest im südlichen Tirol in den Jahren 1635 und 1636 mit besonderem Fokus auf Meran, Partschins und das Vinschgau. Durch kriegerische Wirren und Truppenbewegungen getragen, wütete die Seuche in den Gemeinden, woraufhin strenge Schutzsperren und Quarantäneordnungen erlassen wurden. Der Text dokumentiert historische Quarantänemaßnahmen und lokale Vorfälle wie die Tötung des Ferdinand von Mamming durch einen Dorfkordon.

Vollständige Transkription

Anhang.

Geschichte. 1/2

Die Geschichte geht über die Pest, welche in den Jahren 1635 und 1636 im südlichen Tirol wüthete, mit leiser Erwähnung vorüber. Eben darum lohnt es die Mühe, einige Züge aus dieser Epoche auszuheben. Statt allen übrigen Orten müssen, weil nur davon Urkunden und Nachrichten bekannt sind, die Stadt Meran und das Dorf Partschins gelten.

In Graubünden herrscht die Pest schon seit einiger Zeit. Unglücklicher Weise macht Frankreich mit Schweden und Graubünden gemeinschaftliche Sache wider Oesterreich. Der französische Herzog Rohan setzt sich 1632 mit Kriegsvolk im Engadin fest, und bedrohte, vereinigt mit den Bündtnern, das Vintschgau mit einem Einfalle. Man mußte zur Schützung des Landes fremde Hülfe herbei rufen, und im Jahre 1634 das Vintschgau mit einer Anzahl spanischer Soldaten belegen. Die kriegerischen Bewegungen längst der ganzen Etsch in Tirol machten es unmöglich, die Landesgränzen nach Erforderniß zu bewachen; vielleicht brachte das fremde Militär selbst den Keim der Seuche mit sich in´s Land. Genug; am Ende des Jahres 1634 verheerte sie bereits das obere Vintschgau, und spukte auch schon in der Gegend von Bozen. Ein daselbst den 25. Februar 1635 zusammen getretener Stände-Ausschuß vermochte nicht mehr das Uebel zu hemmen; es schritt immer vorwärts, und am 22. Februar desselben Jahres zeigte sich die Sterblichkeit das erste Mal zu Meran. Vornehmere Leute wollten der Gefahr durch die Flucht entgehen; allein die Bauern der noch nicht angesteckten Gemeinde hatten an den Dorfgränzen einen unerbitterlichen Kordon gezogen, der Jeden ohne Rücksicht zu Boden streckte, der sich ihm über das vorgesteckte Ziel nahte. Ein Opfer dieser Maßregel wurde der edle und gestrenge (strenuus) Herr Ferdinand v. Mamming. Er vermaß sich, bei Velmau in Algund am 30. September das Ziel zu überschreiten. Die Bauern sahen ihm ein Weilchen mit schweigendem Unmuthe zu, winkten ihm, und schossen ihn, da er dessen nicht achtete, todt nieder. Die Bewohner Merans mußten sich nun unter die Macht des Schicksals schmiegen. Vom 23 September bis 24. Dezember 1635 hatte die Seuche 58 aus ihnen weggerafft, worunter man jene bemerkte, die sich mit dem unmittelbaren Krankendienste angeben mußten, den Siechenpfarrer, die Seichenmutter, die Auswärter und Todtengräber. Befiel die Sache in einem Hause die Eltern, so ergriff sie auch die Kinder; und umgekehrt. Auch Algund konnte sich vor der Ansteckung nicht mehr schützen; seine nahe und offene Lage gegen die Stadt machte alle Vorsicht und allen Fleiß unzulänglich. Nun verhinderte der Winter den Fortschritt der Krankheit.

Wie auf einer Insel im todten Meere standen im ganzen Vintschgau nur noch die zwei Gemeinden Partschins und Naturns unbelastet vom Siechthume da. — Schon im Jahre 1634 hatten sie ihre Wachtposten an der Schnalser- und Ziegel-Brücke auf der Tell ausgestellt. Die Lage dieser Brücken, welche eine genauere Sperre zuließ, und die vom Schnalserthale und der Zielalpe hervordringende scharfe Luft machten diesen Gemeinden gute Hoffnung, dem Unheile, das ihre Nachbaren traf zu entkommen. Indessen vernachläßigte man nicht, auch für den entgegengesetzten Fall Anstalten zu treffen, und gewisse Verhaltungsregeln festzusetzten, die noch unter der Aufschrift: „Prestenordnung,“ vorhanden sind.

Da die Religiosität so vieles zur Beruhigung der Gemüther beiträgt, wird Anfangs verordnet: „Menigelichen soll alspaldt zu der Beichte, und Communion sich schikhen, bei deme auch Jeder nach sein Vermügen des Allmuesens nit vergessen. Auch alle Freytag ain Gotsdienst anzustellen, der solle durch Jeden Hausvater oder Hausmueter vleissig besuecht werden bey Straff. Täglichen ain Petstundt zu Mittag, oder Abents, wie man sich vergleicht, aufzustellen, auch bey Straff soll Jeder Hausvater, und Hausmueter seine Khinder, Ehehalten, Dienstleit, und Inngheisen von allen sündlichen laster ab, unnd zu der Gottesforcht wenden rc.“ Nun folgen die Sanitätsverfügungen: „Sollen 2. 3 oder 4 Erbere, taugliche, unnd Vertraute Mannspersonen ausgeschloßen werden mit Gewalt auf alle vor, und nachgeende Puncten Jr Obdacht zu geben, ob Si gehalten werden, unnd sich sonnsten zu beratschlagen Zu erkhaufen allerlei Victualien, Proviant, unnd andere Sachen. An Päß von Steig und Straßen etliche guete, Erbere, getreue, beleßne Wachter zu bestellen, und zu Bezahlung derselben ain Anlag nach Anschlag der versieurten Knecht machen. Alles herrenlos wießigeendes frembds gesindl fortzuweisen, Aber die Inhaimbischnen Armen Petler, die sich plos mit dem Almuesen erneren mueßen, und sich mit khainer Arbeit betragen thünnen, sollen beschriben, unnd im Friden, auch Sterbenszeiten von gemainen Seckhl erhalten werden. Sollen 3 oder mer Mannspersonen verordnet werden, und was Si Argkhwenigs ainiger Infection, oder annderer abscheihlichen Krankhaiten befinden, dasselbig dem Dorfmaistern und Ausschüßen anzaigen. Auch alle Hausleith zu haltung gueter Saubrigkait, und Abtueung des Unlusts zu ermanen. Es sollen auch Todtenlßl, und Arzt verordnet werden, sie sollen sich mit notwendiger Arznei befaßt machen. Verrer sollen 2, 3, oder4 Todtengraber, 2, 3, oder 4 Weiber zu Auswarterin, auch ain Hebamen bestellt werde. Im fal diese geferliche Sucht etwo einreißet, soll volgendes dasselb Hauss alsbald gespert, unnd die Innficierten in die dazu bestelten Heuser durch die verordneten Trager getragen, die andern aber, so noch unificiert, sollen auch in ain sonndere Wonung geordnet, und die Thenigen, so mit dergleichen Personen ainige Conversation gehalten, oder sich eingemischt heten, sollen auch ain Zeitlang eingeboten werden. Aufn Winter Prestheuser, und aufn Sumer Hütten hindan so weith es nach Glegenheit sein khan zu bestellen, und zu pawen. Sollkhainer, so sich auf pesserung befind, ohne Vorwissen aus dem Presthaus begehen, doch sollen Innen auch sondre Wonung bestelt werden. Die Auswarter, und Auswarterinen sollen zu den noch uninficierten, aber dennocht abgeonnderten Personen, nit geen, sondern bei denen Krankhen verharrn, und dieselben abgesonderten sollen innen seibs helffen, bissauf ordentliche Quarantia. Zu Obernanntwort und empfahung des Proviands und annderer Notturft sollen 2, 3, oder 4 Mannspersonen verordnet werden, die sollen das Provianndt inn- und uninficierten angesonderten Personen auf ain gemeßnes Zil überanntworten, von weiten hindann mit den Auswarterinnen die notdurft, wie es mit denen Inn- und Uninficierten beschaffen frag halten, damit dayber die bebürt verordnet werden müg. Sollen ober die Zil des Ungewitters halben Tachung gemacht werden. Taugliche Ort und Gelegenhaiten zur Begrebnus auszuflecken.“

Man sieht, daß in jenen, obwohl noch ziemlich rohen und ungebildeten Zeiten, die Polizei-Anstalten auch auf dem Lande nicht ganz unbekannt waren. Es trat aber auch bald die Nothwendigkeit ein, sich ihrer zu bedienen. (Beschluß folgt.)

Auch in diesem Monat

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    Die Pest von 1636 im Burggrafenamt

    Ein historischer Rückblick beschreibt den Ausbruch und Verlauf der Pest von 1636 in Naturns, Partschins und Meran. Trotz fehlender Sterberegister in Partschins wird über das Ausmaß der Seuche und das spätere Erlöschen der Epidemie im Jahr 1637 berichtet.

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1824 im Überblick

Das Jahr 1824 in Meran und Umgebung war geprägt von hochrangigen Persönlichkeitsbesuchen, wie dem von Erzherzog Franz Carl, sowie von regionalem Gedenken an historische Figuren wie Andreas Hofer, den Maler Carl Henrici und den Künstler Jakob Ulrich Pirchstaller. Gleichzeitig dokumentieren Berichte die Weiterentwicklung der lokalen Infrastruktur für den Tourismus durch die Renovierung der Egart-Badanstalt sowie tragische Naturereignisse im Hochgebirge. Das gesellschaftliche Leben verband somit traditionelle Erinnerungskultur mit zeitgenössischen Entwicklungen.

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"Zur Geschichte der Pest in Meran und im Vinschgau in den Jahren 1635 und 1636." Der Bote für Tirol, 9. Dezember 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/09.12.1824/150101/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-12-09-zur-geschichte-der-pest-in-meran-und-im-vinschgau-in-den-jahren-1635-und-1636