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Nachrichten über den Lese- und Musikverein in Meran

Zusammenfassung

Ein Bericht über die Entwicklung des Lesevereins und des Musikvereins in Meran im Jahr 1824. Nach Rückschlägen und dem Tod des Förderers Freiherr von Biesport brachte eine Darbietung von Webers Freischütz neues Leben in die gesellschaftlichen Vereine.

Vollständige Transkription

Anhang.

Nachrichten über den Lese- und Musikverein in Meran.

Um die Mitte des vergangenen Monats haben die musikalischen Abendunterhaltungen und Uebungen unsers Musikvereins wieder begonnen. — Der Abgang einer Lehranstalt, um nicht ganz fremd zu bleiben in der Geschichte unserer Zeit, in den Fortschritten der Wissenschaften und der Kunst, und überhaupt in der geistigen und moralischen Kultur des Menschen, ward bei uns schon lange um so härter und lebhafter gefühlt, als sich in kleinen Städten ohnedieß weniger Hülfsmittel zur Erweiterung des Verstandes und zu einer so viel möglichst allseitigen Bildung darbieten.

So gelang es denn den gemeinschaftlichen Bemühungen derer, die ein dringendes Bedürfniß nach dieser Nahrung des Geistes fühlten, einen Leseverein empor zu bringen, der sich eines sehr zahlreichen Beitrittes aus allen Ständen unsers Städtchens erfreute, und seines edlen Zweckes wegen auch von der hohen Landesstelle mit Beifall begnehmigt wurde. — Dieser schöne Sinn blieb aber in seinem ersten Aufschwunge bei diesem Einen Zwecke nicht stehen, sondern setzte sich noch zum Ziele, ein dauerhaftes, geselliges Band durch Kunstgenuß um den gebildeteren Theil unsers Städtchens zu schlingen, und somit das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. So entstand beinahe gleichzeitig mit dem Leseverein ein Musikverein. — Wie schwach die Kräfte der ausübenden Mitglieder auch seyn mögen, und ein vollendeter Kunstgenuß wohl noch in weiter Ferne liegen mag, so war´s doch recht erfreulich und erhebend, zu bemerken, wie Alle gleicher Eifer und ein schönes Streben nach immer höherer Vervollkommnung beseelte, und wie denn auch wirklich die Musik-Produktionen immer mehr und mehr der Gelungenheit sich naheten. — Doch im Verlaufe dieses Jahres — ist´s ja ein Schaltjahr, von dem ein lang verjährter Aberglaube unserer Väter überhaupt nichts Gutes prophezeiht? — schüttelte irgend ein böser Geist, ein Feind des Wachsens und Gedeihens, seine eiserne Hand über das junge Leben dieser Vereine, und griff unhold in unsere frohen Hoffnungen. Denn gleich zu Anfang dieses Jahres wurde der Verein einer Hauptstütze durch den Tod des königl. baierischen Ober-Appellations-Rathes Freiherrn von Biesport beraubt. Es ist zwar hier nicht der Ort, und liegt auch außer meinen Kräften, die Manen des Verewigten durch eine ausführliche Erwähnung seines Lebens und seiner Tugenden nach Verdienst und Würden öffentlich zu ehren; die kleine Abschweifung wird man mir aber gerne vergeben, wenn ich nur im Allgemeinen sage, daß die Klage um ihn eben so allgemein war, als wie um einen Mann, der der Nation angehört. Er hat sich durch stilles Wohlthun in der segnenden Erinnerung der Armen unserer Gegend ein eben so unauslöschliches Denkmahl erbaut, als in den Herzen Aller, die ihn kannten, durch sein liebevolles Benehmen, seinen schönen Sinn, und durch seinen erheiternden, lehrreichen Umgang. Aber ganz vorzüglich traf dieser Verlust den gesellschaftlichen Verein, dessen thätigster Beförderer der uns Allen Unvergeßliche war. Seiner Verwendung und seinem Ansehen verdanken wir es hauptsächlich, daß auch die Damen seit drei Jahren nun an den Abendunterhaltungen des Musikvereins Theil nehmen; denn seinem feinen Tone entgieng die Bemerkung nicht, daß die zarten Frauen über die geselligen Vergnügungen einen eigenen Reiz verbreiten, und ohne sie der Genuß des Schönen das Herz nur halb befriediget. — Jedoch war es dieß Unglück nicht allein, daß uns dieß allverehrte Mitglied nämlich durch leider zu frühen Tod entrissen ward; der Leseverein, wofür ein mäßiges Abonnement festgesetzt ist, verlor noch mehrere Mitglieder, die doch sonst eifrige Besucher desselben waren, selbst durch freiwilligen Austritt! — Wenn gleich kein ähnlicher Austritt den Musikverein traf — im Gegentheile hat sich heuer die Zahl der Mitglieder um einige Musikliebhaber vermehrt — so ward doch seit dem Wiederbeginne im vorigen Monate nicht mehr die ehemalige Energie und Lust, nicht mehr das ehemalige Leben bei den musikalischen Produktionen bemerkbar — vielleicht bloße Folge des wenig zahlreichen Besuches von Seite der nicht ausübenden Mitglieder; denn mächtig wirkt ein zahlreiches Auditorium auf die Freude und Aufgelegtheit dessen, der in Worten oder Tönen zu ihm spricht. - Siehe da! Gestern, wie mit einem Zauberschlage, gelang es dem genialsten, herzlichsten Tonsetzer unserer Zeit, dem durch das ganze gebildete Europa gepriesenen Karl Maria v. Weber, den unholden Geist, der über unsern geselligen Unterhaltungen zu schweben schien, zu bannen.

Es wurden nämlich einige Stücke aus dem Freischützen sehr gelungen vorgetragen. Die Begeisterung und das Entzücken, wovon Alle gewaltsam hingerissen wurden, und das sich in lange nachhallende Bravo´s ergoß, hat noch nie seit dem Bestehen des Vereins diese Höhe erreicht, und brachte wieder neues, frisches Leben unter die Mitglieder.

O gewiß! Sie werden die aus der Asche der Flauheit, gleich einem Phönix, wieder erstandene glückliche Stimmung fortan nähren, und sorgsam bewahren; und sollte auch wieder irgend ein Unhold seinen Spuk erneuern, wissen sie doch den Zauber, womit er zu bannen. Blüht die Natur bei uns so schön, wird auch das Schöne im geselligen Verkehre durch rastloses, gemeinschaftliches, edles Zusammenwirken Aller erfreuliche Blüthen treiben. — Mein Glaube haltet fest an dem schönen Gemeinsinne unserer Bewohner, und an ihrer regen Empfänglichkeit für gesellschaftliche Vereine zur Bildung des Geistes und des Geschmackes. Darum dürfen wir nicht nur einen dauerhaften Fortbestand unsers Lese- und Musikvereins mit Grunde erwarten, sondern auch die sichere Hoffnung schöpfen, daß auch alle jene Herren, die im Verlaufe der Zeit aus dem Lesevereine getreten, wieder durch ihren Beitritt dessen Kräfte unterstützen, und dadurch zu dessen größerer Ausdehnung und bessern Gedeihen patriotisch beitragen werden.

Am 18. Dez. 1824. ! !

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1824 im Überblick

Das Jahr 1824 in Meran und Umgebung war geprägt von hochrangigen Persönlichkeitsbesuchen, wie dem von Erzherzog Franz Carl, sowie von regionalem Gedenken an historische Figuren wie Andreas Hofer, den Maler Carl Henrici und den Künstler Jakob Ulrich Pirchstaller. Gleichzeitig dokumentieren Berichte die Weiterentwicklung der lokalen Infrastruktur für den Tourismus durch die Renovierung der Egart-Badanstalt sowie tragische Naturereignisse im Hochgebirge. Das gesellschaftliche Leben verband somit traditionelle Erinnerungskultur mit zeitgenössischen Entwicklungen.

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"Nachrichten über den Lese- und Musikverein in Meran." Der Bote für Tirol, 30. Dezember 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/30.12.1824/150107/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-12-30-nachrichten-ueber-den-lese-und-musikverein-in-meran