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Gedanken über Weinkultur und Verarbeitung in Tirol

Zusammenfassung

Ein Beitrag über die Eigenheiten der tirolerischen Vitikultur und Weinverarbeitung im Vergleich zu anderen Regionen. Der Autor erörtert die natürlichen Gegebenheiten, die Verzehrgewohnheiten und den Handel mit dem Ausland. Zudem werden logistische und wirtschaftliche Hindernisse für eine längerfristige Lagerung beleuchtet.

Vollständige Transkription

Anhang

Oekonomie.

Gedanken über Weinkultur und Verarbeitung in Tirol. – 1/2

Dem hellsehenden Auge und tiefgründigen Sinne eines Herrn Sieber verdanken wir schon manchen schönen und für unser Vaterland interessanten Aufsatz in diesen Blättern; – vorzüglich gelungen ist ihm jene Darstellung über den Weinbau; – jedoch scheinen ihm bei seinen weitumfassenden Ansichten manche lokale Verhältnisse ungekannt oder unbemerkt geblieben zu seyn, welche blos nur dem Einheimischen näher erwägbar und bestimmter darstellbar seyn dürften; nur in einigen hingelegten Punkten sey es mir erlaubt, erläuternde Winke (vorzüglich, da diese Blätter auch im Auslande gelesen werden; wo nicht Jeder alles, nur dem Inländer bemerkbare, schon vorausgesetzt in Kunde hat) darzulegen.

Daß Tirol ein rechtes Weinland sey (versteht sich in seinem südlichern Theile), wird in der trefflichen Geographie des Weines, einem Aufsatz des Gothaer Taschenbuchs von 1818, nicht ohne Grund behauptet; darunter aber verstehe man nicht, als wäre es das rechte Weinland, wo viele gewählte Sorten (wie es in Frankreich als Handels- und Industriezweig betrieben wird) nach gewissen Grundsätzen angelegt oder gepflegt werden; – noch minder, wo durch künstliche Manipulation, oder öfters Verpfuschung, sogenannte Bastarde von Madera – Malaga – Zyper= rc. Weine fabrikmäßig erzwungen werden; – oder wo nur eine vorzügliche Sorte besonders gut gedeihe; – sondern ein Weinland, wo jene dreifache Abstufung von Tischwein, Kraftwein und Leckerwein von der Natur, Klima und Boden begünstiget, jeder in seiner Lage von sich selbst, d.i. nur bei der allergewöhnlichsten Pflege wächst und gedeihet.

Unser Ländchen hat sich freilich von jeher mit seinen Weinerzeugnissen um den Verkehr und den Handel in das Ausland wenig bekümmert; – was jedes Jahr bringt, wird gewöhnlich im nämlichen Jahre, wenigst 9/10 im Lande selbst verzehrt; – zwar von dem nahe gelegenen Baiern, Schwaben und Salzburg wurde schon (einst mehr, als jetzt) Tirolerwein geholet (obschon jene Weinsorte, die in den Hauptstädten obgemeldeter Provinzen Tirolerwein genannt wird, mehr ein Gemisch von widerlich süß schmeckenden Weinen zu seyn scheinet). Es kam wohl auch in den Jahren, wo noch auswärtige Stifte und Klöster besagter Länder Weingüter im Etschlande besaßen, ächter Tirolerwein auf die Tafeln der Prälaten (sogenannter Spezialwein oder Schlußtrunk an dem Ende der Tafel.) – Was die sogenannten Weinhändler der obigen Länder betrifft, so stunden selbe immer mehr mit solchen Weinverkäufern unsers Landes im Verkehr, die nicht alles eigene Erzeugniß verwenden, sondern von minder bemittelten Weinbauern die sogenannte Praßlet (das Gemenge von Traubenmost, sammt Stengeln und Hülsen) erkaufen, dann gewöhnlich ohne geflissentliche Sortierung Praßlet von verschiedenen Sorten aus verschiedenen Lagen untereinander keltern und miteinander vergähren lassen, gewöhnlich um Weihnachten abziehen, in die Fässer verschlagen, und dem abholenden Fuhrmanne aufladen.

Dieses ist einmal die gewöhnlichste Manipulation; denn es giebt schon manchen denkenden Weinbauer, der noch etwas weiter geht (abgerechnet das sogenannte Einschlag geben, färben rc.), so werden wohl auch geklärter Weinmost in gut verspundete feste Flaschen abgezogen, verpicht, und als eine Art Champagner, besonders im Sommer, getrunken; sogenannte Lagreiner; allein von diesen Künsteleien ist hier nicht die Rede. Nur jene Bearbeitung verdienet Aufmerksamkeit, wodurch obige – man halte mir den Ausdruck zu gute – praktische Verschiedenheit der Weine (Tischwein, Kraftwein und Leckerwein), ohne durch Künsteleien ihre natürliche Eigenheiten zu verändern, behauptet wird.

Es ist schon gesagt worden, daß der in Tirol erzeugte Wein im Wachsjahre (von einem Herbste zum andern gerechnet) verzehrt wird; – und daher kommt der erste und natürlichste Grund, daß man im allgemeinen und bei der in ganz Italien gebräuchlichen Gährungsmethode blieb, da es bei den Spekulanten in das Ausland erträgliche Prozente abwerfen möchte, um diese kleine Zahl von Weinhändlern zu einer andern, als der landesüblichen Manipulation zu vermögen.

Zudem war und ist Tirol eine Gränzprovinz; – Italien erzeugt seinen Weinbedarf im Ueberfluße; – Kärnthen bezieht ihn aus Steiermark und Ungarn; – die übrigen angränzenden Länder sind fremde (nicht österreichische) Provinzen, mithin Zoll- und Mauth-Auslagen dem freien Verkehr entgegen; – wohin also, der Vorrath von mehreren Jahren?

Nicht immer an der Hauptstraße gelegen, oder durch gut bestellte Vizinalwege herzuschaffen ist der hin und wieder auf Bergen und in Thälern erzielte Wein; – ein Hinderniß mehr zum reichlichern Absatz; – denn auch dieß überlegt der Weinspekulant.

Dann auch daß Entbehren der Fässer (wo ein blos in sich selbst gährender Most bis zur völligen Klarheit und Trinkbarkeit wenigst 3 Jahre im Fasse bleiben muß) hält manchen von der zwar in Oesterreich und andern Provinzen langeher gebräuchlichen Methode ab; – ein ökonomischer, obschon nicht immer genügender Grund; da nicht immer der Mangel oder die Theurung des Holzbedarfes durch die erzielte Verschleißsumme sicher gedeckt und entgolten wird. (Beschluß folgt.)

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Zu Jahresbeginn 1821 dokumentierte die Chronik karitative Spendenaktionen zugunsten von Bedürftigen in Schwaz anstelle traditioneller Höflichkeitsgeschenke. Ergänzend wurden meteorologische Rückblicke auf das Vorjahr veröffentlicht, die Innsbruck als überdurchschnittlich nass, windig und kühler auswiesen.

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"Gedanken über Weinkultur und Verarbeitung in Tirol." Der Bote für Tirol, 4. Januar 1821. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/04.01.1821/149691/4. https://meran-archive.com/de/artikel/1821-01-04-gedanken-ueber-weinkultur-und-verarbeitung-in-tirol