Ernteaussichten, Teuerung und Schulbeginn in Meran
Ein Bericht aus Meran beleuchtet die Folgen von Traubenkrankheit und Kartoffelfäule auf Ernte und Lebensmittelpreise. Zugleich wird über den anhaltenden Zustrom von Kurgästen trotz Sommerhitze sowie den Schuljahresbeginn am Gymnasium berichtet, wo die Redifianische Stiftung die Errichtung eines Konvikts plant.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Meran, 1. Sept. Die Traubenkrankheit scheint nicht so allgemein verheerend gewirkt zu haben, als man im ersten Schrecken sich und Andere glauben machte. Etwas mehr als ein Dritttheil der Ernte dürfte verloren sein, wobei freilich auch derjenige Wein in Rechnung gebracht ist, der selbst aus den kranken Trauben gewonnen werden kann; denn auch diese enthalten noch sehr viel Süßstoff. Was gesund blieb, verspricht ein Erzeugniß, das an Güte den besten Jahren nicht nachsteht. Der verderbliche Schimmel hat sich übrigens nicht blos an den Reben angesetzt, sondern man bemerkt ihn an Gräsern, an den Hülsenfrüchten, an Obstbäumen, besonders an den Kastanien. Selbst an den Getreidekörnern will man einige, wenn gleich schwache Spuren entdeckt haben. Ueber die in letzter Zeit rasch um sich greifende Kartoffelseuche gehen von allen Seiten betrübte Nachrichten ein. Wenn auch das Mißrathen dieser Frucht im Etschthale weniger empfunden wird, so trägt es dennoch zur Vertheuerung der übrigen Lebensmittel bei, die schon jetzt in einem ungewöhnlich hohen Preise stehen. — Der Andrang der Fremden steigt mit jedem Tage, ungeachtet wir noch immer Hochsommerhitze haben, die jede anstrengende Bewegung in der Sonne äußerst lästig macht. — Das hiesige Gymnasium eröffnete heute durch ein solennes Hochamt das neue Schuljahr. Wie man vernimmt, soll die Redifianische Stiftung, aus der seit vielen Jahren 8 Schülern des Gymnasiums ein Stipendium im Betrag von 45 fl. auf die Hand gegeben ward, auf ihren ursprünglichen Zweck zurückgeführt, und ein Konvikt für die gleiche Anzahl von Zöglingen mit freier Verpflegung unter der Aufsicht eines Geistlichen errichtet werden. Man muß es der Stiftungsverwaltung verdanken, daß sie durch weise Sparsamkeit eine Restauration möglich gemacht und jetzt ernstlich auf ihre Ausführung bedacht ist.
Auch in diesem Monat
- 1850er4 Schlagwörter
Bekämpfung der Traubenkrankheiten.
Die Werkzeuge, um diese Methode im Großen anzuwenden, sind eine Handspritze und ein Blasbalg. Zu deren schnellen Handhabung sind zwei Arbeiter nöthig, von denen der Eine spritzt, der andere ihm auf dem Fuße folgt und mit dem Blasbalge bestäubt. Die Abbildung folgt hier, B ist eine Büchse aus Weißblech, welche an das Blasbalgrohr gelöthet ist. C ist deren Deckel aus Messing, welcher mittelst einer Schraube die Büchse schließt. In der Büchse selbst ist das Pulver der Schwefelblüthe enthalten und fällt durch ein feines im Boden der Büchse angebrachten Sieb in die Röhre des Blasbalges. Um das Durchsieben des Pulvers zu bewirken, ist der eiserne Hammer D angebracht. Dessen Stiel besteht aus einem schmalen Eisenbande, welches bei jeder Oeffnung des Blasbalges an die Eisenstange E stößt und dadurch eine Schnellkraft erzeugt mit welcher der Hammer an die untere Seite des Blasbalgrohres klopft und so das Pulver herunterschüttelt. Herr Gonthier hat diesen Blasbalg erfunden;
- Bozner Zeitung1850er5 Schlagwörter
Noch einige Worte über die Traubenkrankheit
Ein Südtiroler Landwirt analysiert das verheerende Auftreten des Echten Mehltaus (Oidium Tuckeri) im Jahr 1852. Er führt die Ausbreitung der Rebenkrankheit auf ungewöhnliche Südwinde und feuchtwarmes Wetter zurück und berichtet über die Qualität des Mosts und die Unwirksamkeit bisheriger Gegenmittel.
1852 im Überblick
Das Jahr 1852 war in Meran stark von landwirtschaftlichen Krisen durch anhaltende Pilzkrankheiten im Weinbau und Naturereignissen geprägt, die den Strukturwandel voran trieben. Gleichzeitig entwickelten sich Infrastrukturprojekte wie die Etschregulierung und der Kur- sowie Schulbetrieb weiter, während politische Veränderungen des Neoabsolutismus auf lokaler Ebene durch ziviles Engagement abgefedert wurden. →
Zitieren & Teilen
"Ernteaussichten, Teuerung und Schulbeginn in Meran." Der Bote für Tirol, 4. September 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/04.09.1852/153790/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-09-04-ernteaussichten-teuerung-und-schulbeginn-in-meran