Bericht über das Gymnasialstudium in Tirol und Vorarlberg im Schuljahr 1850/51
Ein umfassender Bericht dokumentiert den Zustand der Gymnasien in Tirol und Vorarlberg im Schuljahr 1850/51. Neben Schülerzahlen und Lehrplänen werden zahlreiche Schenkungen von Lehrmitteln, wissenschaftlichen Geräten und Sammlungen durch Wohltäter und Bürger hervorgehoben.
Vollständige Transkription
Oesterreich.
Ueber das Gymnasialstudium in der Provinz Tirol und Vorarlberg vom verflossenen Jahre 1850/51 wird folgendes zur öffentlichen Kenntniß gebracht:
Es bestanden in diesem Jahre acht Gymnasien, von denen sechs (Innsbruck, Brixen, Bozen, Meran, Trient und Roveredo) alle acht Klassen, Feldkirch noch nur sieben Klassen, und Hall als Untergymnasium nur vier Klassen zählte.
An diesen Gymnasien ertheilten 107 Lehrindividuen Unterricht, und zwar 59 als definitiv angestellte Lehrer, 35 noch als Supplenten und 13 als Nebenlehrer.
An allen Gymnasien studirten am Ende des Jahres 1954 Jünglinge, von denen auf Innsbruck 439, auf Trient 416, auf Roveredo 308, auf Botzen 239, auf Brixen 214, auf Meran 160, auf Feldkirch 100, endlich auf Hall 78 Schüler - die Privatschüler eingerechnet - entfallen, eine Zahl, welche um mehr als 200 Schüler geringer ist, als im vorigen Jahre.
Der Unterricht wurde überall nach dem vom h. Ministerium vorgezeichneten Plan ertheilt, und nicht blos die streng vorgeschriebenen Lehrgegenstände - Religion, Muttersprache mit Literaturgeschichte, Latein, Griechisch, Naturgeschichte, Naturlehre, Mathematik und im Obergymnasium philosophische Propedeutik gelehrt, sondern es wurde auch an allen Gymnasien in der zweiten Landessprache, sohin an den Gymnasien mit deutscher Unterrichtssprache auch in der italienischen Sprache, in Trient und Roveredo aber in der deutschen Sprache, und nebstdem an mehreren Gymnasien noch in der Musik, im Zeichnen, in der Kalligraphie, und in Innsbruck auch in der Turnkunst und Stenographie Unterricht ertheilt.
Der Erfolg war ungeachtet der vielen Lehrgegenstände ein befriedigender, indem - die achte Klasse abgerechnet, in welcher die Maturitätsprüfung zum Uebertritt in die Universität bestanden werden mußte, sich im Ganzen 232 Vorzugsnoten, 1127 erste, 302 zweite, 25 dritte Klassen ergaben, und 53 Schüler als ungeprüft erscheinen. Auch das Betragen der Studirenden war an allen Gymnasien gut.
Um den Unterricht besonders in den höhern Klassen und aus den demonstrativen Gegenständen nützlich zu machen, mußten bei allen Gymnasien die nötigen Lehrmittel theils ganz neu herbeigeschafft, theils vermehrt werden, wozu nicht blos die öffentlichen Fonds sehr bedeutend in Anspruch genommen wurden, sondern an die von den Städten und Korporationen zum Theile oder ganz besorgten Gymnasien - Brixen, Bozen, Meran, Feldkirch, Roveredo und Hall theils die Komune, theils besondere Wohlthäter wesentliche Beiträge machten, und insbesondere auch Professoren mit gutem Erfolge sich verwendeten. In Innsbruck verdienen die Professoren Dr. Böhm (an der Universität) und Pichler, in Brixen Mohr und Tschurtschenthaler, in Botzen Gredler und Ladurner, in Meran der Direktor Jäger eine dankbare Erwähnung. Unter andern Wohlthätern hat dem Gymnasium in Botzen Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Rainer 250 werthvolle Bücher, 2 Kisten Mineralien und 180 ausgestopfte Vögel; Freiherr von Haußmann ein Herbarium Bulsanense; selbst Anton Stenz aus Ungarn durch Pr. Gredler eine Conchiliensammlung; Domherr von Tschiderer in Trient einen elektromagnetischen Induktionsapparat und einen großen Magnet; Karl von Mayrhauser eine Voltaische Säule; Joseph und Karl v. Zallinger leihweise mehrere physikalische Instrumente überlassen.
In Brixen vermehrte Fräulein von Kraus mit 440 Bänden der Kabinets-Bibliothek, der Domprobst von Bohuslaw mit Böhm´s Uranoscop, Professor Hoffmann leihweise mit einem Pläslischen dialytischen Tubus von fünf Okularen; der Revierförster Engel ebenfalls leihweise mit vielen Mineralien die Unterrichtsmittel, welche auch für die Physik durch freiwillige Beiträge und auf Kosten der Stadt namentlich durch die Güte des Priesters Zieglauer nicht unbedeutend geworden sind.
In Meran wurden die durch städtische Beiträge und das Unterrichtsgeld angeschafften sehr zweckmäßigen Lehrmittel durch Geschenke des Priesters Wieser mit 400 fl., des Bauers Josef Wieser mit einem 20 Frankstück; eines unbekannt sein wollenden Geistlichen mit 5 Doppel-Louisdor; durch eine Sammlung von Schmetterlingen, Krustaceen und Conchilien vom Hrn. von Goldrainer und Pr. Johann Planer, und insbesondere die Mineralien und botanischen Sammlungen durch Dr. von Hellrigl von Lana, Bürgermeister Haller, Baron von Haußmann in Botzen vermehrt.
Für das Gymnasium in Innsbruck lieferte nicht blos das Ferdinandeum, sondern auch Dr. Schlechter in Fieberbrunn und v. Lürzer, Beamter in Hall, Mineralien, und Pr. Tschurtschenthaler in Brixen mehrere Versteinerungen; der Kurat Berktold in Igls aber eine Sammlung Kryptogamen, und Franz Wiedemann mehrere ausgestopfte Vögel.
Für die Münzsammlung in Feldkirch gab der um jenes Gymnasium mehrfach verdiente Custos Bergmann in Wien und zur Antiquitäten-Sammlung zu Botzen; von Dr. Gasser u. Pr. Ladurner gegründet, Ludwig Graf v. Sarnthein und Valentin von Braitenberg Beiträge.
Auch anderweitiger Theilnahme erfreute sich das Gymnasialstudium. Nicht nur gaben einzelne Gymnasiallehrer in manchem Nebenfache der italienischen Sprache, des Gesanges, der Deklamations-Uebungen freiwillig Unterricht, sondern es ließen sich sogar andere Männer zum Unterrichte herbei, wie der Kameralkommissär Merkl zu Feldkirch in der Physik, Dr. Hammer in Innsbruck in der Stenographie, von denen jeder, sowie der thätige Supplent Bole in Feldkirch ein Prämium gab; wie auch der Innsbrucker Musikverein den Musikunterricht u. Freunde der Studirenden den Turnunterricht durch Prämien zu befördern suchten; der Pfarrorganist Kostner in Meran bestritt wieder den Gesangsunterricht wöchentlich zwei Stunden. Die städtischen Gymnasial-Deputationen zeigten in Roveredo, auch in Meran und Botzen rege Theilnahme zum Besten der Gymnasien, und in Innsbruck nahm sich der Vincentius-Verein sehr wohlthätig der Studirenden an, wie überhaupt an allen Orten, wo Gymnasien bestanden, die Bewohner den Bedürfnissen armer Studirenden durch Unterstützung in Lehrmitteln, Kleidung, Nahrung rc. zu Hilfe kamen.
Den Wohlthätern der studirenden Jugend und allen Beförderern des Gymnasialstudiums wird hiemit der verdienteste Dank ausgesprochen mit der Bitte, einer so wichtigen Angelegenheit, wie dieses Studium ist, auch in Zukunft durch fortwährende Theilnahme befördern zu wollen.
Auch in diesem Monat
- Bozner Zeitung1850er4 Schlagwörter
Brandunglück in Meran nahe der Spitalkirche
Am 4. März 1852 brach in der Holzniederlage des Zimmermeisters Strobl bei der Meraner Spitalkirche ein Großbrand aus. Begünstigt durch heftigen Sturm zerstörten die Flammen Holzbestände, einen Stadel samt Vieh sowie Teile eines Weinguts, ehe das Feuer an der Passerbrücke eingedämmt werden konnte. Als Ursache wird Unvorsichtigkeit von Arbeitern vermutet.
- Der Bote für Tirol1850er5 Schlagwörter
Großbrand bei der Spitalkirche und Rettung der Passerbrücke
Am 4. März 1852 brach in einer Holzniederlage nahe der Spitalkirche in Meran ein verheerender Brand aus, der durch starken Sturm angefacht wurde. Durch das Eingreifen der Bürger, Behörden und Studenten konnte die hölzerne Passerbrücke gerettet und das Feuer nach anderthalb Stunden gelöscht werden. Es handelte sich um den dritten Brandfall in Meran innerhalb kurzer Zeit.
- Pustertaler Bote1850er5 Schlagwörter
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- Katholische Blätter aus Tirol1850er4 Schlagwörter
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- Bozner Zeitung1850er4 Schlagwörter
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1852 im Überblick
Das Jahr 1852 war in Meran von administrativen Veränderungen unter dem Neoabsolutismus, sozialem Engagement wie der bürgerlichen Frauenleitung des Marien-Vereins und lokalen Herausforderungen geprägt. Zu den prägenden Ereignissen zählten eine Brandkatastrophe im März sowie behördliche Maßnahmen infolge eines Viehseuchenausbruchs im April. Gleichzeitig blieben regionale Infrastrukturprojekte wie die Etschregulierung und der geplante Bahnausbau zentrale Themen. →
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"Bericht über das Gymnasialstudium in Tirol und Vorarlberg im Schuljahr 1850/51." Der Bote für Tirol, 8. März 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/08.03.1852/153642/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-03-08-bericht-ueber-das-gymnasialstudium-in-tirol-und-vorarlberg-im-schuljahr-1850-51