Großbrand bei der Spitalkirche und Rettung der Passerbrücke
Am 4. März 1852 brach in einer Holzniederlage nahe der Spitalkirche in Meran ein verheerender Brand aus, der durch starken Sturm angefacht wurde. Durch das Eingreifen der Bürger, Behörden und Studenten konnte die hölzerne Passerbrücke gerettet und das Feuer nach anderthalb Stunden gelöscht werden. Es handelte sich um den dritten Brandfall in Meran innerhalb kurzer Zeit.
Vollständige Transkription
Meran, 4. März. Einige Minuten vor zwölf Uhr Mittags wurde Feuerlärm geschlagen. Das Feuer brach in der nächst der Spitalkirche u. Aerarial-Brücke über die Passer oberhalb der letztern gelegenen Holzniederlage des Zimmermeisters Michl Strobl aus. Bei dem furchtbaren Sturmwinde, der beinahe unausgesetzt wüthete, war schon der ganze Holzvorrath und der daran liegende Stadel in vollen Flammen, als kaum die erste Hilfe an dem Unglücksplatze erschien. Bei der Nähe des Wassers gelang es aber doch mit den unverzüglich herbeigeeilten Löschanstalten, dem aus allen Orten herbeiströmenden Volke das Umsichgreifen des Feuers zu verhindern, und besonders die einzige Verbindung mit dem jenseitigen Passerufer, die Aerarial-Brücke, die schon vom Feuer ergriffen war, zu retten. Um 1½ Uhr war man des furchtbaren Elementes Meister geworden. Außer dem Verluste des Holzvorrathes, der sich beiläufig auf 2000 fl. RW. belaufen dürfte, des daran liegenden Stadels, und den darin befindlich gewesenen drei Kühen, und der theilweisen Zerstörung des umliegenden Weingutes, Alles Besitzthum des genannten Zimmermannes, ist kein weiterer Schaden entstanden.
Die Ursache der Entstehung des Feuers ist noch nicht bekannt. Vorzügliches Lob für die mit eben so viel Kühnheit als Umsicht und Ausdauer geleistete Thätigkeit verdienen der neue städtische Maurermeister Gitterle und der städtische Zimmermeister Jemic. — Alle Stände, worunter die k. k. Behörden, die hochwürdige Geistlichkeit und die studirende Jugend wetteiferten nach ihren Kräften, dem Unglücke Einhalt zu thun. Die k. k. Gensd´armerie erschien sogleich am Platze, und trug nebst eigener Thätigkeit viel zur Aufrechthaltung der Ordnung bei.
- Soeben erhalten wir auch eine Korrespondenz aus Meran über diese Feuersbrunst, seit kurzer Zeit die dritte in dieser Stadt, worin angedeutet ist, daß das Feuer wohl durch Unvorsichtigkeit, als Rauchen der Arbeiter mit offener Pfeife u. dgl. entstanden sein dürfte. Die Studenten in jugendlicher Lust und Aufopferung waren die ersten auf den gefährlichsten Stellen, die letzten vom Platze. Der Hr. Korrespondent schließt: Auffallendes Zusammentreffen der Dinge! Gestern zog der jährlich verlobte Kreuzgang nach Lana um Abwendung der Feuergefahr zur Kirche der hl. Agatha. Es war ein wahrer Heereszug von Betenden. Jeder Bürger, pflichtschuldig u. pflichtbewußt, stellte sich ein; jede Familie schickte einen Vertreter zu dem frommen Werke. Alle legten ihre Dankgefühle für den offenbaren, himmlischen Schutz auf den Altar und sendeten innige Bitten zum Himmel, des fernern Schutzes sicher zu sein. So bekannte sich die glaubige Bürgerschaft Merans abhängig von dem allmächtigen Herrn der Elemente! — Der heutige Wink dieses Herrn könnte leicht der letzte sein!“
1852 im Überblick
Das Jahr 1852 war in Merano von politischen Veränderungen durch den kaiserlichen Neoabsolutismus, sozialem Engagement und lokalen Krisen geprägt. Während der Marien-Verein die bürgerliche Frauenführung in der Kleinkinderbewahranstalt stärkte und Infrastrukturprojekte wie die Etschregulierung verhandelt wurden, forderte eine schwere Brandkatastrophe im März den Zusammenhalt der Bürgerschaft. Diese Ereignisse verdeutlichen das Zusammenspiel von staatlicher Neuordnung, städtischer Fürsorge und Krisenbewältigung. →
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"Großbrand bei der Spitalkirche und Rettung der Passerbrücke." Der Bote für Tirol, 6. März 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/06.03.1852/153641/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-03-06-grossbrand-bei-der-spitalkirche-und-rettung-der-passerbruecke