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Hoffnungen auf einen Zollvereinsanschluss und wirtschaftliche Annäherung

Zusammenfassung

Ein Bericht aus dem Etschland reflektiert über die gescheiterte deutsche Einheit und äußert die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Annäherung an den deutschen Zollverein. Ein freier Warenaustausch von Tiroler Wein gegen bayerisches Getreide könnte Bayern als vermittelnde Brücke zwischen Österreich und Preußen etablieren.

Vollständige Transkription

† Von der Etsch, 21. September. Hoffnungen haben zu oft das Loos gänzlich zu scheitern, als daß man sich nicht mit einer theilweisen Erfüllung auch zufrieden stellen sollte. Diese Genügsamkeit predigt uns die Gegenwart in mehr als einem Falle. Ist der Stern der deutschen Einheit, der im vorigen Jahre in solcher Größe strahlte, in tausend Splitter zerfahren, so muß man es noch Dank wissen, wenn sich wenigstens einige dieser Splitter wieder zu einem Ganzen formen, an das sich im Krystallisationsprozesse auch die übrigen anschließen können. Und für so ein theilweises allmäliges Erlangen dessen, was wir freilich ganz und auf einmal zu besitzen gehofft hatten, mehren sich ja tagtäglich die Aussichten. Auch die Hoffnungen auf den Zollvereinsanschluß, die unser weinerzeugender Landestheil am unliebsten entschwinden sah, sollen nicht ganz zu Grabe gehen. Sind wir nicht schlecht unterrichtet, so will unsere Regierung der neuzuschaffenden Centralgewalt wenigstens die einheitliche Leitung aller materiellen Interessen Deutschlands in die Hände legen, und daß wir dann nicht umsonst einer Änderung der Zollverhältnisse entgegensehen dürften, leuchtet von selbst ein. Baiern, das sich in der letzten Zeit mehr als je Oesterreich genähert, ist sicher geneigt einen freien Austausch seines Kornes gegen die Weine des Etschlandes zu gewähren. Diese Verbindung entspräche am schönsten der Mittlerrolle, die es zwischen Oesterreich und dem übrigen Deutschland, Preußen an der Spitze, eingenommen. Sie würde die Brücke werden, auf der sich auch die andern Interessen begegnen und einen immer engern Bund schließen würden. Sie wäre endlich die befriedigende Lösung einer Frage, welche bei der Wichtigkeit die sie für uns hat, auch wenn sie jetzt wieder in den Hintergrund treten müßte, immer von einem auftauchen und sich zur Geltung durchringen würde. Unserer Regierung kann dieses nicht entgehen und je eher sie die Hand dazu bietet, desto mehr kann sie sich des Dankes versichern.

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"Hoffnungen auf einen Zollvereinsanschluss und wirtschaftliche Annäherung." Bozner Zeitung, 22. September 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/22.09.1849/19932/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-09-22-hoffnungen-auf-einen-zollvereinsanschluss-und-wirtschaftliche-annaeherung