Die Eisenbahnfrage zwischen Bozen und Verona
Ein Kommentar in der Bozner Zeitung mahnt ein aktiveres Vorgehen beim geplanten Bau der Eisenbahnlinie von Bozen nach Verona an und verweist auf die Initiativen in Innsbruck. Um den regionalen Kapitalmangel zu überwinden, wird ein Vorschlag befürwortet, die Finanzierung über Bürgerbeiträge, Sachwerte und Arbeitsleistungen zu sichern.
Vollständige Transkription
Südtirol, 21. September. Sie haben neulich die Beschlüsse des Innsbrucker Gemeindeausschusses in Eisenbahnangelegenheiten zum Anlaß genommen auch der Eisenbahn von Bozen nach Verona das Wort zu reden und den Vorgang Nordtirols zur Nachfolge zu empfehlen. Seit dem hören wir, daß in Innsbruck wiederholt eine Sitzung in dieser Angelegenheit gehalten wurde. Man scheint also dort zu weitern Resultaten gekommen zu sein und rüstig vorwärts gehen zu wollen. Dagegen vernimmt man hier noch immer nichts von einer Verständigung, die in Folge jener Beschlüsse gemacht worden wäre, noch ist überhaupt eine Thätigkeit zu spüren, welche die Anregung dieser Frage hervorgerufen hätte. Die Anzeige des „Tiroler Bothen“ von den in Innsbruck gethanen Schritten ist in alle Blätter übergangen, ein Beweis welche Bedeutung man ihnen allerorts beigelegt. Sollte die Idee bei uns, die wir am nächsten dabei betheiligt sind, wirklich am wenigsten Anklang finden, oder ist es ein Zeichen, daß man sie gleich im voraus für phantastisch und nebelhaft hält? Nun gar so ein fabelhaftes Gebilde dürfte sie doch nicht sein, sonst hätten unsere kalten, berechnenden Brüder von jenseits des Kanals nicht vor zwei Jahren ihr Geld dazu angebothen; freilich ist John Bull, wo er einmal seinen Vortheil ersehen, nicht so leicht zu erschrecken als der gute Michel, der für ein selbstständiges Italien und Polen gleich einem Südländer zu schwärmen weiß, aber zehnmal den Groschen umwendet und zwanzig vernünftige Abhandlungen schreibt, ehe er sein schadhaftes Dach auszubessern wagt. Die Unternehmungslust hat allerdings hierzulande einen gewaltigen Hemmschuh an dem Mangel an verfügbarem Kapital, aber für eine Sache der Nothwendigkeit wie diese sollte auch der einfache Bürger seinen Gulden, ja der Taglöhner seinen Kreuzer hergeben, sonst könnte eine Zeit kommen, wo er auch diesen nicht zu erwerben weiß. Die Idee des Hrn. Maffei die Geldkräfte durch tägliche Beiträge von 6 Kreuzern beizuschaffen und als solche auch den Theil von Arbeitslöhnen, abgelieferte Geräthschaften und abgetretene Grundstücke anzunehmen verdient in dieser Hinsicht besonders empfohlen zu werden, und es ist gar nicht zu zweifeln, daß auf diese Art auch bei uns wenigstens ein Theil der Kosten erschwungen werden könne. Die Hauptsache ist und bleibt aber, daß sich erst einflußreiche Männer der Sache annehmen, es wird sich dann bald herausstellen, ob die Idee eine Zukunft hat, oder ob wir offnen Auges, mit gebundnen Händen unserm Schicksal entgegengehen müssen.
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"Die Eisenbahnfrage zwischen Bozen und Verona." Bozner Zeitung, 22. September 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/22.09.1849/19932/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-09-22-die-eisenbahnfrage-zwischen-bozen-und-verona