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Kontroverse um die Verlegung des Meraner Friedhofs und Anschuldigungen gegen Bürgermeister Haller

Zusammenfassung

Bürger aus Meran stellen öffentlich klar, dass eine Petition gegen die Verlegung des Friedhofs missbraucht wurde, um heimlich unberechtigte Vorwürfe gegen Bürgermeister Haller zu erheben. Sie distanzieren sich von den Angriffen des anonymen Initiators und sprechen dem Stadtoberhaupt ihr Vertrauen aus.

Vollständige Transkription

Außerordentl. Beilage zum Tiroler Bothen Nr. 28.

Meran, den 29. Jän. Das neue Jahr verursachte vielen wohlgesinnten Bürgern Merans einen nicht geringen Verdruß, ja eine tiefe Entrüstung, weil sie arglos und unwissend als Werkzeug zu einem großen Unrechte mißbraucht wurden, das ihrem verdienten und beliebten Hrn. Bürgermeister Haller zugefügt ward. Veranlassung dazu gab die von der Regierung theils aus Gesundheitsrücksichten, theils des engern Platzes wegen befohlene Uebersetzung des Gottesackers über die Passerbrücke hinaus in die Nähe des Spitales. Vielen Bewohnern Merans wollte die Nothwendigkeit dieser Uebersetzung nicht recht einleuchten; sie fürchteten ferner zu große Unkosten als eine neue Schuldenlast der Stadt; endlich besorgten nicht Wenige, der weiten, Entfernung wegen dürfte die Zahl der die Leichen mit Gebet Begleitenden bedeutend abnehmen. Diese Stimmung nun wußte? gegen Hrn. Haller ein Mann zu benutzen, dessen Verdienst es wahrlich nicht ist, wenn bisher keine Aufregung in Meran erfolgte, und der auch seiner Andacht wegen eben nicht berühmt ist. In seiner Liebe für Frieden und Ordnung, in seiner gemüthlichen Frömmigkeit zerfloß dieser Mann nun plötzlich vor Mitleid für die armen Seelen, die kein Weihwasser und kein Gebet mehr bekommen sollten. Zudem wußte er in seinem Eifer für das Wohl der Stadt die Größe des Aufwandes für den neunen Gottesacker in´s gehörige Licht zu stellen, d. h. sie bedeutend zu übertreiben. Er ging nun an die Verfassung einer Bittschrift um Beibehaltung des alten Friedhofs, die dann auch, weil sie unverfänglich schien und nur die oben angegebenen Gründe enthielt, von sehr vielen braven Bewohnern der Stadt unterschrieben ward. Was der ränkevolle Mann aber dann als Mitgabe abschickte, enthielt noch etwas Anders und zwar sehr Schlechtes, wovon die in die Schlinge gegangenen guten Meraner nichts wußten, nämlich eine Klageschrift voll giftiger ungerechter Anschuldigungen gegen den verehrten Hrn Bürgermeister. Dem schwer Gekränkten möchten sie nun durch diese Zeilen eine öffentliche Genugthuung verschaffen, sich selbst aber als schändlich Betrogene ihm gegenüber rechtfertigen. In dem, was sie unterschrieben, lag keine Anklage gegen ihn.

Hrn. Haller kann es übrigens nur zur Ehre gereichen, daß ein solcher Mann, wie sein Ankläger ist, mit so unwürdigen Mitteln ihn herabzusetzen suchte; die wohlgesinnten bei jener Eingabe unterschriebenen Bewohner Merans schmerzt es aber, so niederträchtig mißbraucht worden zu sein. Für radikale Wühlereien ist unser freundliches Städtchen noch nicht der geeignete Boden.

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"Kontroverse um die Verlegung des Meraner Friedhofs und Anschuldigungen gegen Bürgermeister Haller." Der Bote für Tirol, 3. Februar 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/03.02.1849/152717/7. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-02-03-kontroverse-um-die-verlegung-des-meraner-friedhofs-und-anschuldigungen-gegen-bue