Bericht über die Stimmung und Rüstungen im Passeiertal
Ein Bericht aus Passeier dementiert Gerüchte über angebliche Unruhen gegen die örtliche Obrigkeit und schildert stattdessen die patriotische Rüstung der Bevölkerung im Frühjahr 1848 angesichts der Aufstände in den italienischsprachigen Gebieten.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie
Nichtamtlicher Theil.
Aus Passeier wird uns folgender halboffizieller Artikel mitgetheilt. In Passeier sind Unruhen ausgebrochen, man soll den Landrichter und einige seiner Beamten verjagt haben. — So soll man sich im Wipp- und im Innthal und vielleicht sogar im Nassauischen erzählt haben. — Ja die Passeirer sind unruhig geworden, das ist wahr, sehr unruhig; aber mit dem Landrichter und seinen Beamten leben sie noch immer in der herzlichsten Eintracht. Woher denn also die Unruhen? Das sollet ihr gleich erfahren. — Als die Passeirer hörten, daß ihre welschen Nachbarn dem besten Monarchen, unserm guten Kaiser Ferdinand die Treue gebrochen und sich in einem Augenblicke gegen ihn aufgelehnt haben, wo er dem vielen Guten, das er allen seinen Unterthanen erwiesen, die Krone aufgesetzt hatte, so griff ihnen das ins Herz; sie redeten zuerst hierüber unter sich und erzählten es dann auch zu Hause ihren Weibern. Da entstand große Unruhe, nicht nur in den Häusern, sondern auf allen Wegen und Stegen. Das können wir nicht leiden, hieß es überall, und sind wir auch nicht im Stande, die Welschen zu ihrer Pflicht zurückzuführen, so sollen sie doch ihre treulosen Gesinnungen nicht auf deutschen Boden verpflanzen. Und die Weiber sagten: Ihr Männer, nehmet eure Stutzen, eilet an die Gränzen und treibet die welschen Aufwiegler zurück, wenn sie es wagen sollten, das deutsche Gebieth zu betreten; wir wollen deutsche Weiber bleiben; für Haus und Hof lasset uns sorgen! — Und nun herrscht ein Hin- und Herlaufen, ein Treiben und Rüsten u. s. w. Gott will, werdet ihr liebe Landsleute! Bald wieder jene schönen großen Männer einher marschiren sehen, die immer unter den ersten waren, wenn dem guten Kaiser und dem lieben Vaterland Gefahr drohte.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1840er5 Schlagwörter
Mobilisierung der Passeirer Schützen und die Freischaren im Nonsberg
Im April 1848 formieren sich im Passeiertal zwei Schützenkompanien zur Landesverteidigung gegen vorrückende italienische Freischaren und ziehen über Meran Richtung Gampenpass. Ein zeitgleicher Bericht aus Kaltern schildert die Lage in Cles im Nonsberg, wo Freischärler unter Scotti und Ceoli lagerten, bevor österreichische Truppen und Tiroler Freiwillige anrückten.
- Der Bote für Tirol1840er4 Schlagwörter
Ankunft von Erzherzog Rainer in Bozen
Kurze Notiz über das Eintreffen von Erzherzog Rainer von Österreich mit seiner Familie in Bozen am 27. März 1848.
1848 im Überblick
Das Jahr 1848 war in Meran und Umgebung von den politischen Umwälzungen der Märzrevolution, der Einführung konstitutioneller Grundrechte und den Auswirkungen der italienischen Unruhen geprägt. Während die Bevölkerung Schützenkompanien zur Landesverteidigung aufstellte und Spenden für verwundete Soldaten sammelte, war die Region durch den Abgeordneten Beda Weber direkt in die Frankfurter Nationalversammlung eingebunden. Zugleich blieb Meran ein Ort hochrangiger Kuren, wie der Aufenthalt von König Wilhelm I. von Württemberg im Sommer zeigt. →
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"Bericht über die Stimmung und Rüstungen im Passeiertal." Der Bote für Tirol, 15. April 1848. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/15.04.1848/152541/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1848-04-15-bericht-ueber-die-stimmung-und-ruestungen-im-passeiertal