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Blicke auf die Bäder des Etschkreises während des Sommers 1829 (Schluss)

Zusammenfassung

Im zweiten Teil seiner Übersicht über die Bäder des Etschkreises im Sommer 1829 beschreibt Kreisarzt v. Hörmann kleinere und mittlere Kuranstalten, darunter Razes, Töll, Völlan und Verdins. Der Bericht würdigt deren jeweilige Heilquellen, landschaftliche Vorzüge und infrastrukturelle Entwicklungen wie die Entsumpfung bei Schgums.

Vollständige Transkription

Anhang.

Blicke auf die Bäder des Etschkreises während des Sommers 1829. 2/2

(Beschluß.)

Nun folgen, freilich in sehr fühlbarer Abstufung der Gästezahl, doch immerhin ein gutes Mittelverhältniß hierin beobachtend, die Bäder zu Kapaun, Froy, Razes, Töll, Völlan und Schgums. Der hiesige Einwohner besucht, wenn er den Mittelklassen angehört, gern das erstgenannte dieser Bäder, da es nahe der Stadt, im frischen Gebirge gelegen, mit guter Küche und herrlichem Trinkwasser ausgestattet, und den lieben Angehörigen und Freunden leicht zugänglich ist; so verhält es sich für die Be- und Anwohner von Klausens und selbst Brixens mit der zwar vermöge seiner Lage Wildbad benannten, aber gar nicht widerlichen Anstalt zu Froy, im Gebirge zwischen beiden erwähnten Städten romantisch gelegen.

Razes – dieses gewiß wegen seiner zweifachen, den mannigfaltigsten Leiden so wohlthätig entsprechenden Quellen, seiner vortrefflichen, aufmerksamen und für stärker Leidende liebreichen Bedienung, und der für den Natur- und Kunstfreund so interessanten Nähe des Schlernkofels, der Seiseralpe, und des von selber aus mittelst guter Führer leicht zu besuchenden Grödnerthales, mit Recht sehr geschätzte Bad, zieht nun seit Jahren, zumal aus den höheren und bemitteltern hiesigen Ständen viele zu sich hinauf, oder von den Hauptsommerfrischplätzen des Rittner Berges hinüber, und selbst fernere Orte spenden ihm, zur großen Zufriedenheit der Besucher, jährlich manchen Tribut.

Wer möchte – dem es um einen Aufenthalt auf klassischem Boden, auf der Scheideschwelle zwischen dem oberen und unteren Etschthale, um bequeme Zufahrt, um ein neu erbautes, geräumiges, artig möblirtes Badewohnhaus, dessen Errichtung den menschenfreundlichen Unternehmern so viele Tausende kostete, wer, dem es um frohe, gesellige, zumal an Feiertagen sich stets neu gestaltende Tafelbesucher-Kreise aus dem nachbarlichen Meran, der hiesigen Stadt und manchen zufällig Vorbeireisenden gebildet, zu thun ist, und dessen Körperübel in den beiden milden Schwefelquellen so willkommene Hülfe oder Linderung finden dürften, wer möchte, sage ich, nicht die liebe Töll gern und oft besuchen?!

Völlan, im Gebirge über der fruchtreichen, gartenmäßig kultivirten Gegend von Lana – und Schgums, an der Kreisgränze gegen Vinschgau hin, in einer früher wegen Ungesundheit sehr verrufenen, sumpfigen Niederung gelegen, hatten ebenfalls ziemlichen Besuch. Letzteres, das mittelst seiner mehrfachen Quellen schon in der ehrwürdigen Vorzeit den erhabenen Landesvätern auf der Burg Tirol sich heilsam erwies, erndtet nun dafür Lohn in der landesväterlichen Verfügung der neuesten Zeit, indem die Sümpfe durch Geradeleitung der Etsch allmälig verschwinden; aber auch sein wackerer dermaliger Besitzer thut überdieß noch vieles für die Entsumpfung, und sorgt nebstbei für gute Küche, Bedienung und Bequartierung.

Nun folgen in bescheidener, aber darum gewiß nicht ganz werthloser Stille: das Bad zu S. Peter hinter Layen, an der Gränze des Grödnerthales, darum auch zumal von den Angehörigen desselben besucht; das zu Lad, unfern des Hauptortes im Thale Ulten gar hübsch gelegen, und von Ruheliebenden gern besucht; das zu Verdins in der einzig schönen Umgegend von Meran, wohl nun etwas von seinem, durch den Reiz der Neugierde wegen seines jüngsten Entstehens, über die Gebühr gesteigerten Rufe herabgekommen; das zu Außerlaßalt im Thale Martell, schon der Alpenregion gleichsam angehörend, und mit köstlichen Gebirgsquellen, reinster Luft und biedern Badewirthen ausgestattet; weiters das in der Schörgau außer dem Hauptorte des anmuthigen Sarnthales; das am Tauferergute nächst dem mahlerisch gelegenen Tscherms und dem noch gut eingehaltenen alterthümlichen Löwenbergschlosse; das auf Zögg in dem so merkwürdigen Passeirerthale, und das in wilder Bergeshöhe nächst dem Partschinser Gletscher gelegene, eine so erfreuliche Heerschau über die paradiesischen Gegenden Merans, Marlings, der Töll rc. gewährende Oberhausbad mit seinen frischen Wässern und Lüften.

Den Schluß machen mit der kleinsten Gästezahl, aber darum nicht minder auch manchen Dank erndtend, das Bad an der Talfer nächst Botzen; jenes zu Dreikirchen ober Kollmann, dessen klare, nicht unwirksame Quellen, herrliche Lage und Luft sammt guter Bedienung demungeachtet nur Wenige herbei zu ziehen vermochten; das wohl nicht umsonst so benannte Lotterbad in Ulten; jenes im kahlen Hintergrunde des Tierserthales; das am Thurnbache zu Eppan; das ältere und neu erstandene oberhalb Kaltern zu Pfus; und endlich das mitten in Sümpfen gelegene, für die mit Ausschlagskrankheiten behafteten, dem Umgegend-Bewohner aber nicht unwillkommene zu Steben oberhalb Kastelbell.

So entquellen Wohlseyn und balsamischer Trost allen diesen Bädern, den berühmten wie den unberühmten; darum Ehre allen, da sie allen gebührt!

v. Hörmann, Kreisarzt in Botzen.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1830er5 Schlagwörter

    Blicke auf die Bäder des Etschkreises im Sommer 1829

    Ein Bericht über den Zustand und Besuch der Heilbäder im Etschkreis während des Sommers 1829 beleuchtet infrastrukturelle Verbesserungen und witterungsbedingte Einbrüche bei den Kurgästezahlen. Trotz ungünstiger wirtschaftlicher und klimatischer Verhältnisse verzeichnete das Mitterbad im Ultental den stärksten Zulauf.

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"Blicke auf die Bäder des Etschkreises während des Sommers 1829 (Schluss)." Der Bote für Tirol, 25. März 1830. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/25.03.1830/150653/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1830-03-25-blicke-auf-die-baeder-des-etschkreises-waehrend-des-sommers-1829-schluss